Die letzten zwei Tage und Fazit

Freitag, 08.08.2025

Tag 16 - 28.07.25

Für vormittags war noch trocken vorhergesagt, so dass ich nach einem gemütlichen Frühstück zu Fuß zum Kirkjufell aufbrach. Der markante Berg durfte auch schon in Filmen mitspielen. Bin mir nicht mehr sicher, obs Game of Thrones oder Herr der Ringe war. Es wurde zwar nicht direkt dort gedreht, aber der Berg via Greenscreen in die Szene eingefügt. Ich hatte ihn ständig im Blick, als ich gemütlich zuerst direkt an der Straße, dann auf einem breiteren Schotterweg parallel zur Straße bis zum Wasserfall schlenderte, der direkt gegenüber ist. Die Schafe waren hier auffallend "zahm". Also nicht, dass man sie hätte anfassen können, aber sie flüchteten nicht gleich, wenn man mit zwei Meter Abstand an ihnen vorbeiging. Zwei Schafe waren sehr nah an der Leitplanke der Straße und schauten auch ständig rüber. Ich forderte sie freundlich auf, doch lieber weiter zurück in die Wiese zu gehen, die Straße wäre gefährlich. Sie schauten mich nur verständnislos an und rührten sich nicht vom Fleck. Ich mutmaßte, dass sie kein Deutsch verstehen. 😉 Plötzlich kam von der anderen Straßenseite ein lautes MÄÄÄÄH MÄÄÄÄH und dann galoppierte ein Schaf über die Straße. Eine Weile musste es auf der Straße entlanglaufen, bis die Leitplanke zuende war. Habt ihr schon mal ein Schaf auf euch "zuhüpfen" sehen? 🤣 Wenn alle vier Beine in der Luft sind und man nur den runden wolligen Körper über der Straße schweben sieht? 🥰 Ich hätte es soooo gerne auf Foto oder Video gehabt, war aber zu langsam. Als es bei den anderen zwei Schafen angekommen war, checkte ich, dass das die Mama und die Lämmer waren. Ein Lamm war sehr froh, dass die Mama wieder da war! 😁

Beim Parkplatz und dem besten Aussichtspunkt auf den Kirkjufell war einiges los. Er gehört zu den meist fotografiertesten Bergen Islands. Es gibt quasi fast niemanden, schon gar keine Ausflugsbusse, die daran vorbeifahren. Er ist aber auch wirklich hübsch:

Unten am Fluss ist alles platt getreten und zertrampelt. Aus diesem Grund wurde ein Weg angelegt und mit Seilen abgesteckt. Leider interessiert das nicht alle. 🙄 In vollem Bewusstsein, denn es wird ja über das Seil gestiegen, wird weiterhin zertrampelt, was sich so gerne erholen würde. Sogar den Kindern wurde drübergeholfen. Und wenn die Ersten drüber sind, folgen die Nächsten. Wie die 🐏🐑🐏🐑. Ich fragte mich, ob das Foto von fünf Metern weiter rechts jetzt tatsächlich so viel besser geworden ist...

Auf dem Rückweg hatte ich einen sehr schönen Blick auf Grundarfjördur und ich beobachtete wieder die (richtigen) Schafe. 😉

Ein Schafspopo ist einfach so was Süßes! 🥰

Meine Freunde, die Seeschwalben, waren auch wieder zahlreich vertreten. Die Jungen sind flügge und werden von den Eltern noch gefüttert. Gott sei Dank kamen wir uns nicht in die Quere. 😅

Bevor ich in mein Apartment ging, schaute ich noch im Café meiner Gastgeber vorbei. Jeder Gast bekommt täglich zwei Kaffee ☕️ umsonst. 😃 Finde ich eine sehr schöne Idee. Da es die ersten beiden Tage aufgrund der Öffnungszeiten nicht geklappt hat, wollte ich zumindest an meinem letzten Tag vorbeischauen. Es war ein kleines süßes Häuschen, innen detailverliebt eingerichtet. Ich stellte mich bei Marta vor und durfte mir einen Kaffee aussuchen. Ich nahm noch ein Stück Kuchen dazu und als ich es zahlen wollte, fiel mir auf, dass ich mein Geld in der Unterkunft vergessen hatte. Peinlich! 🙈 Aber Marta meinte, dass es okay wäre und ich beruhigte mein Gewissen damit, dass ich meinen Kaffee vom Vortag ja nicht abgeholt hatte. 😅

Auf dem Heimweg fing es an zu regnen und zu stürmen. Laut Wetterbericht sollte es die nächsten Tage so bleiben. 

Tag 17 - 29.07.25

Jep, es regnete und stürmte immer noch, als ich am nächsten Morgen aufwachte. Die umliegenden Berge hatten sich in graue Wolken gehüllt. Marta meinte am Vortag, dass sie für den Tag keine Nachmieter hätte und ich ruhig länger bleiben dürfte, wenn mir das helfen würde.

Wie war mein Plan? Spätestens um 20h musste ich meinen Mietwagen zurückgeben, um 0.15h ging mein Flug. Ich sparte mir eine Übernachtung und somit rund 300 EUR. 😅 Das war mir der Nachtflug wert. Ich wollte nochmal nach Reykjavik und bei schönem Wetter zu dem Parkplatz, von wo aus man den Vulkan von hinten sehen konnte. Aber der Regen machte mir einen Strich durch die Planung. 

Um 13h brach ich auf und bis ich alles im Auto verstaut hatte, war ich gut nass geregnet. 😅 Die Fahrt über den Berg war dann nicht soooo angenehm. Windböen ließen mich das Lenkrad fest umklammerm, dass ich beinahe Krämpfe in den Fingern hatte. Dazu regnete es so stark, dass die Scheibenwischer Mühe hatten, das Wasser wegzubekommen. Der Nebel aufgrund der Wolken tat sein Übriges dazu. Aber alles ist gut gegangen und im Flachland wars wieder besser. 

Gegen 16h war ich in Reykjavik und manchmal ist es schon faszinierend: Als ich zur Kirche hochlief, hörte es auf zu regnen und es blieb so lange trocken, bis ich nach circa zwei Stunden wieder ins Auto einstieg. 🙏👍

Ich zündete mein Abschieds- und Dankeskerzlein an, kraulte Ófelia 🐈 den Rücken, erstand noch das ein oder andere Souvenir, genehmigte mir einen Hotdog, sog die Atmosphäre nochmal tief in mich ein - und dann machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. 🥹

Der Angestellte der Mietwagenfirma konnte keine sichtbaren Schäden an meinem treuen Auto erkennen 😅 und gleich danach fuhr er mich zum Flughafen. Ich kam gegen 19.30h dort an.

Jetzt nur noch den Koffer abgeben, durch die Kontrolle und dann ein gemütliches Plätzchen suchen - dachte ich. Der Automat spuckte mir kein Kofferband aus und bei der Information erfuhr ich, dass ich dieses erst bekommen könnte, wenn der Check-In gestartet wäre und sie nannte mir 22h. 🙄 In der Eingangshalle des Flughafens gab es wenig Sitzplätze, so dass ich mir eine Wand neben den Kofferwägen aussuchte und dort am Boden platznahm. Ich werde zu alt für sowas. 🤣 Lange Rede kurzer Sinn: Gegen 21h versuchte ich nochmal mein Glück, bekam das Kofferband, gab meinen Koffer ab und war kurz darauf ohne Probleme durch die Kontrolle. Im Dutyfree-Shop deckte ich mich mit handgemachter isländischer Schokolade 🍫 🍫 🍫 🍫 🍫  ein. An der Kasse wurde mir eine Tüte angeboten. Nein, danke, ich wollte alles im Rucksack verstauen. Wem sind fast alle Tafeln auf dem Weg zum Tisch, wo ich sie einpacken wollte, runtergefallen?! 🤣 

Die Zeit hatte ich dann noch gut rumbekommen und ziemlich pünktlich starteten wir Richtung München. Von meinem Fensterplatz konnte ich noch ein bisschen Land erkennen und tschüss sagen, bis uns die Wolken verschluckten. 🥹

Fazit

Es war ein rundum gelungener Urlaub! Keine meiner Ängste sind eingetroffen, weder Auto noch Handy hatten mich im Stich gelassen. 😅 Auch die Fähre hatte ich bravourös gemeistert. 💪 

Wie wars alleine? Ja, Carlos, ich war nicht ganz allein... 😉  Es ging mir sehr gut! Ich bin sehr gut mit mir klar gekommen. Zwei Mimimi-Tage - die sein dürfen - einmal Anlehnungsbedürftigkeit beim Vulkan, ansonsten nur gute Laune und voller Tatendrang. 😃 Würde ich es wieder machen? Vielleicht nicht gezielt von vornherein alleine planen, aber wenn es sich nicht anders ergibt: Ja, ich würde auch wieder alleine fahren. 

Habe ich von Island jetzt "endlich" genug? Ein klares spontanes NEIN! 😁 Ich bin gespannt, ob der Moment mal kommt, in dem ich ins Flugzeug steige und denke: "Okay, das wars." 

Die gesamten Kosten habe ich bis jetzt nicht zusammengerechnet und werde es auch nicht mehr tun. 😅 Es war jeden Cent wert und dieses Gefühl reicht mir.

Trotzdem ein paar Zahlen fürs Gefühl:

1 Liter Benzin Super: zwischen 2 EUR und 2,20 EUR, je nach Ort und Tankstelle. Island ist beim Sprit wohl weltweit das zweitteuerste Land.

170 gr Skyr: 3,15 EUR - nicht überall, aber das war mein Teuerster

6 Stück Tomaten: 10 EUR - auch nicht überall 

125 gr Himbeeren (nur gesehen, nicht gekauft): 8 EUR

Ich bin in den 17 Tagen insgesamt genau 3170 Kilometer gefahren. Immer wieder faszinierend, wie viel da zusammenkommt. Soooo klein ist die Insel dann doch nicht. 😊

Danke, Island, für die schöne Zeit! 💚

Reise zum Mittelpunkt der Erde?

Montag, 04.08.2025

Tag 14 - 26.07.25

Um 11 Uhr verließ ich die "Käsefüße-Wohnung" 😅 und steuerte meine letzte Station für diesen Urlaub an. Ich hatte drei Nächte in Grundarfjördur auf der Snæfellsnes-Halbinsel gebucht. Diese Halbinsel im Westen Islands wird auch "Klein-Island" genannt, weil es auf kleiner Fläche viele Landschaftsbilder hat, die auch über den Rest von Island verteilt sind. 

Es regnete immer wieder und die Wolken hingen wieder tief in den Bergen, so dass ich nicht so viel zum Schauen hatte.

Gegen 13.30h kam ich an, stellte mich auf einen Parkplatz und verbrachte die 1,5 Stunden bis zum Check-In mit dem Beantworten meiner Geburtstagsgrüße. 🙂

Das Apartment war okay. Leider hatte ich wieder keine Küche, aber zumindest einen Kühlschrank und eine Mikrowelle. Unterkünfte mit Küche waren leider nicht mehr in meinem Budget... 🙄

Meine Trekkingschuhe waren noch immer nass und voller Dreck. Ich bürstete sie unter fließendem Wasser sauber und föhnte sie danach einigermaßen trocken. Habt ihr schon mal in seit 24 Std feuchte Schuhe geföhnt? Und dabei die warme Luft, die zurückströmt, direkt ins Gesicht bekommen? Lecker, kann ich euch sagen. 🤪🙊🤣 Ich hoffte, dass sie bis zum nächsten Morgen vollständig trocknen würden, da brauchte ich sie wieder. 

Nach einem kurzen Spaziergang durch den Ort verkroch ich mich bald ins Bett. Das war ein absoluter Ruhetag. 😴

Tag 15 - 27.07.25

Für den Sonntag war nochmal richtig schönes Wetter vorhergesagt. 🌞 Ich wollte die ganze Halbinsel einmal umrunden und Orte besuchen, bei denen ich noch nicht war. Dafür hatte ich keinen konkreten Plan. Ich nahm wieder Googlemaps zur Hilfe und schaute nach jedem Stop, wo meine nächste Station sein würde. 

Die Schuhe waren trocken und tragbar. 🥳

Als erstes hielt ich in Ólafsvík und bestaunte die Kirche und den dahinterliegenden Bæjarsfoss. Die Bauweise der Kirche ist sehr interessant, sie besteht aus vielen Dreiecken.

Auch der Wasserfall, der von weitem recht unscheinbare aussah, war auf den zweiten Blick und von Nahem richtig schön anzuschauen. 🤩

Nur ein paar Kilometer weiter machte ich Halt bei einem gestrandeten Schiff. Man könnte reinklettern und es ein bisschen "untersuchen", aber ich habe es nur umrundet. Der Fotostop war es aber auf jeden Fall wert.

Weiter gings nach Hellissandur, dort gibt es an kleinen Lagerhallen Graffiti zu bestaunen. Ich war echt beeindruckt!

Bei einem kleinen Rundweg am Meer entlang, kam ich an Elfenhäuschen vorbei. 🥰 Carlos hat mal angeklopft und Hallo gesagt. 

Nächster Halt: Djúpalónssandur. Ein sehr schöner Strandabschnitt mit kurzen Wandermöglichkeiten nach links und rechts. Über den Strand liegen rostige Teile eines alten Schiffwracks verteilt. Von hier hat man einen schönen Blick auf den Snæfellsjökull, der Vulkan, den Jules Verne als Eingang zum Mittelpunkt der Erde ausgewählt hat.

Beim Leuchtturm von Malarrif war es seeeehr windig. Und dann, diesen Urlaub hatte ich sie noch nicht oft gesehen, gabs "Ufo-Wolken". In Deutschland seh ich die äußerst selten und wenn, dann nicht in dieser Ausprägung. Lasst euch gesagt sein: "Sie" sind gelandet! 😉

Der letzte Stop war in Arnarstapi. Hier lief ich auch erstmal den kleinen Wanderweg nach rechts und war bald wieder alleine. Die meisten Touris machen den Rundgang nach links, den ich anschließend auch noch machte. Die Steilküste hier ist ein Traum - und ein Vogelparadies. Manchmal kommt einem der fast ätzende Geruch des Vogelkots in die Nase. Vogelschreie hallen an den Klippen wider. Und ich genoss die Sonne in vollen Zügen, was für ein schöner Tag!

Das soll einen Wikinger darstellen, glaub ich. 😄

Küste und einer ihrer Bewohner.

Das wahrscheinlich meist fotografierteste Haus hier. Im Hintergrund der Snæfellsjökull mit seinem Gletscher.

Langsam machte ich mich auf den Rückweg. Von einem Parkplatz hatte ich noch einen schönen Ausblick.

Zu dem Zeitpunkt waren die Berge noch wolkenfrei. Als ich in die Blickrichtung weiterfuhr, kamen die Wolken wie ein Wasserfall von der Nordseite über den Berg. Das sah so toll und mystisch aus. Ich fuhr rechts in eine Schotterstraße, um ein Foto machen zu können. Hier wars erst ganz leicht, aber genug, damit ein Regenbogen entstanden ist.

Beim nächsten Parkplatz hielt ich nochmal an. Der Wind war so stark, dass er mich ein paar Mal aus dem Gleichgewicht brachte. Und er trieb mir die Nebeltropfen entgegen, so dass mein Objektiv ständig beschlagen war. Trocken wischen, Cam nach unten halten, Cam schnell nach oben, Foto, wieder wischen - und von vorne. 😂 Aber es sind ein paar tolle Bilder entstanden. Und ich war nicht die einzige begeisterte Fotografin. 😁

Da meine Unterkunft auf der Nordseite der Halbinsel war, verabschiedete ich mich von der Sonne, und fuhr über den Berg durch die Wolken nach Hause. Dort regnete es leicht. Faszinierend! 😃

Spontane feurige Geburtstagsfeier

Dienstag, 29.07.2025

Tag 13 - 25.07.25

Ich erwachte ein Jahr älter. 🥳 Ich hatte meinen Urlaub mit Absicht über meinen Geburtstag geplant. Die letzten Tage war ich mir nicht ganz sicher, wie es mir emotional gehen würde. Manchmal bin ich an diesem Tag sentimental, warum weiß ich nicht. Ich hatte auch nichts großartiges geplant. Der Wetterbericht sagte Dauerregen voraus und ich stellte mich darauf ein, den Tag in der Wohnung zu verbringen. Schreiben, lesen, Musik hören, essen... Umso überraschter war ich, als die Sonne zum Fenster hineinblinzelte. 🌞 Da ich zwei Stunden der deutschen Zeit hinterher bin, hatte ich schon einige Geburtstagsgrüße auf dem Handy und ich freute mich über jeden Einzelnen. U. a. hatte ich Anfragen, ob ich denn schon bereit wäre zum Telefonieren. Noch etwas zerknittert nahm ich kurz später zwei Videoanrufe entgegen. 😘

Nachdem es immer noch trocken und sogar ein bisschen sonnig war, streifte ich durch den Ort Borgarnes. Hier leben rund 2200 Einwohner. Am liebsten mag ich die isländischen Häuser, die mit dem Wellblech verkleidet sind. Es gibt so viele unterschiedliche Varianten. Hier z. B. eines im 1860-Style 😍:

Gleich daneben wohnen die Bayern-Fans. 😉

Es gibt die Häuser in allen möglichen Farbkombinationen und Größen. Beim nächsten hat sich das Haus der Katze angepasst - oder umgekehrt? 😁

Dann kam ich ans Ufer, auch hier wurde ich freudig maunzend begrüßt.

Über den Kirchberg lief ich zur Nordseite der Stadt.

Hier ist ein großes Vogelschutzgebiet und der Weg ist sehr schön angelegt. Ich kam über einen Holzsteg in ein kleines Wäldchen am Stadtrand und fand eine Bank mit einem schönen Ausblick. Die Sonne strahlte mir warm auf den Rücken. Einatmen, ausatmen - genießen. Und die Bank scheint sehr begehrt zu sein. Einige Paare und auch Teenager drehten enttäuscht ab, als sie sahen, dass ich bereits drauf saß. Tja, ich war eben das Geburtstagskind. 😉

Das Wolkenbild änderte sich ständig, so dass kurze Zeit später von diesem Ort in meiner Blickrichtung folgendes Bild zustande kam:

Als ein leichter Wind aufkam und es doch nach Regen aussah, ging ich zurück in den Ort, holte mir bei der Tankstelle noch ein großes warmes Sandwich und schlenderte zurück in die Wohnung. 

Während dem Essen öffnete ich seit langem mal wieder Facebook. Hier bin ich nur noch äußerst selten. Scheinbar war es eine Eingebung, denn einer der ersten Posts war ein Eintrag in der Facebookgruppe "Islandliebe", in der ich gar kein Mitglied bin. Hier muss ich dann doch mal sagen: Meta sei Dank, dass mir vom Algorhythmus her das gezeigt wird, was mich interessieren könnte. Ich öffne also die Gruppe, in der ich zwar lesen, aber nichts selbst veröffentlichen kann, solange ich kein Mitglied bin, und stoße ziemlich schnell auf einen Beitrag, in dem über den Besuch beim aktuellen Vulkanausbruch berichtet wird. WAS?! 😮 Noch in der Früh hatte ich meiner Nichte erzählt, dass nach meinem jetzigen Stand das Gebiet noch für die Öffentlichkeit gesperrt wäre. Aber nein, nach dem Bericht war es für alle zugänglich, auch ohne geführte Tour. Es war genau beschrieben, wo man parken konnte, welchen Weg man nehmen sollte und das Wichtigste: Dass es ein unvergessliches Erlebnis war. Ich wurde gleich ganz aufgeregt und sah auf die Uhr: Kurz vor fünf. Ich checkte noch verschiedene isländische Internetseiten, ob es aktuelle Warnungen geben würde, schaute auf den Wetterbericht - hurra, zeitweise Regen 🤪 - klickte die Vulkan-Webcam an, ob er auch noch spuckte und fragte Googlemaps, wie lange ich denn bis zum Parkplatz bräuchte. In windeseile sprang ich in meine Trekkingklamotten, packte das restliche Sandwich und etwas zum Trinken ein und mit wehenden Fahnen verließ ich die Wohnung. Ja, spontan kann ich. 🤣

Auf der Fahrt hatte ich dann doch ein mulmiges Gefühl, denn es wurde immer wieder berichtet, dass giftige Gase austreten oder ausgetreten seien und man sehr vorsichtig sein sollte. Ich wollte mir das Ganze zumindest mal anschauen und aber vernünftig sein und es bleiben lassen, wenn es einen Anlass dazu gäbe. Kurz vor 19 Uhr kam ich am Parkplatz an. Und ich war nicht alleine... 😆 Es waren bestimmt über 50 Autos dort, Gott sei Dank bekam ich überhaupt einen Platz. Einige kamen mit mir an, andere fuhren bereits wieder. Und kurz zuvor hatte es angefangen zu regnen. Und zwar richtig. Was tun? Losgehen? Abwarten? Aber wie lang sollte ich warten? Es konnte in fünf Minuten aufhören, aber auch zwei Stunden durchregnen. Also Regenjacke an und los. War ja nur Wasser - bei 15 Grad. 💦

Ich hatte knapp fünf Kilometer vor mir, bis ich am besten Beobachtungspunkt ankommen sollte. Anfangs war der Weg relativ gut begehbar, bald jedoch wurde es die reinste Schlammschlacht. 

Nur wenige Leute gingen Richtung Vulkan, aber viele kamen mir entgegen, vor dem Regen flüchtend. Schon bald schüttelte ich den Kopf über mich selbst. Der Wind kam von vorne, meine Trekkinghose war innerhalb kürzester Zeit tropfnass. Wo war gleich meine wasserdichte Regenhose? Richtig, in der Unterkunft. Vor lauter Eile total vergessen. Hm, Wechselklamotten? Bis auf die Fleecejacke im Auto keine mitgenommen. Nach ein paar hundert Metern waren meine eigentlich erprobt wasserdichten Trekkingschuhe durch. Es knatschte zwischen meinen Zehen. Ersatzschuhe dabei? Nö, in der Unterkunft. 🤣 Was bin ich doch manchmal für ein Anfänger... Und wie mein Neffe so treffend sagte: "Man könnte meinen, du wärst das erste Mal in Island und kennst die Bedingungen dort noch nicht so gut!" 🤪 Tja, aber jetzt war es, wie es war. Zur Not alles ausziehen und im Schlüppi und barfuß zurückfahren. Öfter mal was Neues! Bei dem Gedanken musste ich lachen, ich nahms mit Humor. Viel zu sehr freute ich mich auf den Vulkan, ich war richtig aufgeregt. Die einzige Sorge, die mir der Regen jetzt nur noch machte, war, dass ich nicht gut fotografieren könnte. Ich war sehr schnell unterwegs. Da hatte konditionsmäßig mein Bergsteigen in Bayern vor dem Urlaub durchaus was gebracht. Flink hüpfte ich von Stein zu Stein, trippelte zwischen und auf den Moosbüscheln und wich geschickt den Pfützen aus. Keiner lief übrigens auf der Straße. Wir bahnten uns links und rechts vin ihr unseren Weg. Anders wars nicht möglich, voranzukommen.

Und plötzlich drehte oben jemand den Regenhahn zu. Von jetzt auf gleich - trocken. Zwar noch gut bewölkt, aber um das vorweg zu nehmen: Es blieb auch trocken, bis ich wieder zurück beim Auto war. 🥳 Ein vor mir laufendes Pärchen tanzte laut lachend und sich selbst filmend über den Weg - sie feierten den Regenstop ebenso. 

Noch um ein paar Kurven und dann hatte ich das erste Mal die Sicht auf den Krater. Wow, einfach nur wow. 🤩 Ich kletterte auf eine kleine Anhöhe, auf der schon mehrere Leute standen und staunte. Ich sah einen schwarzen Krater, aus dem mal mehr und mal weniger leuchtende Lava hochgeschleudert wurde. Das Tosen, Zischen, Gurgeln und Grollen war deutlich zu hören. Was für eine Naturgewalt. Hier fliegt mal eben flüssiger Stein durch die Gegend. Ich kramte meine Cam aus der Tasche, machte ein paar Fotos - Akku leer. 🤣 Aber an Ersatzakkus hatte ich zumindest gedacht. 😅 Als mich etwas umschaute, erkannte ich erst die Größe des ursprünglichen Ausbruchs. Es war ja zu Beginn ein 2,5 km langer Spalt, aus dem Lava austrat. Dieser war vor mir gut zu erkennen. Ein schwarzer Lavawall, der bereits am erkalten war, jedoch noch qualmte und zum Teil glühte. Hier sind einfach mal neue "Berge" entstanden, die die Touristen in 50 Jahren besteigen können. Ich dachte an den Eldfell auf den Westmännerinseln zum Beginn meiner Reise. Was ich bei den isländischen Ausbrüchen auch noch gelernt habe: Je nach Gegend tun sich nach mehreren Erdbeben erstmal Spalten auf, aus denen es sprudelt. Nach und nach ebbt das, bis auf ein paar Stellen, wieder ab. Und nur bei diesen paar Stellen, wo weiterhin Lava austritt  entstehen dadurch die bekannten Vulkankegel. Ich dachte früher, die Kegel waren halt schon immer da, und wenns soweit ist, kommt genau da die Lava wieder raus. Das kann natürlich schon vorkommen. Aber dass die Kegel/Krater erst durch einen Ausbruch entstanden sind, war mir überhaupt nicht klar. 

Jetzt aber mal die ersten Bilder.

Auf Drohnenaufnahmen hatte ich schon gesehen, dass es ein Doppelkrater ist. Der Rechte spuckte laufend, aus dem Linken kam nur hin und wieder was - zweites Bild. 

ich sah, dass ungefähr noch einen Kilometer weiter viele Leute auf einem Hügel saßen. Sie mussten von dort direkt den Blick von vorne in den Krater haben. Ich überlegte kurz, ob ich den Weg noch auf mich nehmen sollte, entschied mich dann aber dafür. Jetzt war ich schon mal hier. Und wenn es wieder regnen sollte, dann wäre dies eben auch so. 😅

Ja, und plötzlich stand ich vor dem frischen Lavafeld. Ich konnte es erst gar nicht glauben, nie im Leben hatte ich damit gerechnet, so nah ranzukommen. 😳

Der "Strom" war 2-3 Meter hoch. Als ich näher rankam spürte ich die Wärme, die davon ausging. Im Inneren konnte ich es teilweise noch glühen sehen.

Auf dem Foto sieht es grau aus, es war aber so schwarz, wie auf dem oberen Bild.

Ich ging um den Ausläufer herum und hatte nun den gewaltigen Lavawall vor mir. Hier war es nochmal deutlich wärmer und es roch nach Feuer. Faszinierend. Vorsichtig fühlte ich mit der Hand, ob ich die Lava anfassen konnte. Sie war noch lauwarm und extrem kantig, es war, als wären zig kleinste Widerhaken auf der Oberfläche. Man bewegt sich auf Island ja fast ausschließlich auf Vulkangestein, mal feiner und glatter, mal gröber. Aber das hatte ich zuvor so noch nicht gespürt.

Gab es Absperrungen? Nein. Lediglich Schilder, dass man die Lava nicht betreten, nichts darauf werfen und nichts einritzen soll. War es gefährlich dort? Aufgrund des bereits erkalteten Lavastroms, wenn man die Regeln beachtete, nein. Einige liefen mit Tüchern vor der Nase rum, aber ich hatte keine Atemprobleme. Wie weit war der Vulkanausbruch weg? Schwer zu schätzen, mindestens 500 - 800 Meter, vielleicht auch 1000. 

Es war jetzt ungefähr 21 Uhr und ich erklomm den Hügel, auf dem schon viele Leute saßen und suchte mir auch einen Stein. Dann schaute ich einfach nur zu, wie der rote Lavastrom aus dem Krater floss. Die Geräusche, die dabei verursacht wurden, waren hier lauter zu hören, da ich auch näher dran war. Es war eine freudige ruhige und andächtige Stimmung bei den Leuten. Pärchen saßen Arm in Arm, einige packten was zum Essen aus. In diesem Moment hätte ich auch gerne jemanden an meiner Seite gehabt. 🥹 Sorry, Carlos, ich habe natürlich auch deine Anwesenheit sehr geschätzt. 😉

Unterhalb des "Lavafalls" hat sich ein roter verzweigter See gebildet, den man aber leider von unserem Platz aus nicht gesehen hat. Ich habe es auf Drohnenvideos danach gesehen. 

Auf folgendem Bild habe ich mal die tatsächliche Größe des Vulkans hergezoomt, so wie ich ihn gesehen habe. 

Das war der Blick über das Lavafeld:

Alles Schwarze ist neu. Rechts von dem kleinen braunen Hügel ist der aktuelle Vulkankrater. Und krass: Auf dem braunen Hügel, der umgeben von neuer Lava ist, standen vier Leute. 😳😡 Sie mussten also ein gutes Stück über die zum Teil noch glühende Lava geklettert sein, um dem Krater noch etwas näher zu sein. Unglaublich. Unglaublich gefährlich. Unglaublich dumm. Die Gefahr, dass man in der noch nicht stabilen Lava einbricht ist sehr groß. Island hat hier eine sehr klare Regelung: Sollte etwas passieren und ist es für die Rettungskräfte zu gefährlich, dann wird nichts gemacht. Im schlimmsten Fall hat die eingebrochene Person Pech gehabt... Hört sich vielleicht krass an, aber ich kanns verstehen. Die Dummheit der Leute kann ich allerdings nicht verstehen. 🫤 Wegen Solchen wirds in Zukunft vielleicht für alle abgesperrt... 

Gegen 21.45h machte ich mich auf den Rückweg. Meine Hose war wieder trocken 🥳, aber mich fröstelte trotzdem und ich hatte ja noch fünf Kilometer zum Auto und dann zwei Stunden Heimfahrt vor mir. Wann immer es ging, blickte ich mich nochmals zum Vulkan um und machte noch das ein odere Foto.

Es wurde bereits etwas dunkel, aber der Weg war noch gut zu erkennen. Und es kamen mir eine Menge Leute entgegen. Sie hofften wahrscheinlich bei Nacht auf bessere Sicht auf die leuchtende Lava. Ich muss sagen, ich finde, ich war vom Licht her zu einer sehr guten Zeit dort. So konnte ich auch noch das Umfeld gut sehen und fotografieren.

Um 23h war ich abfahrbereit. Meine Schuhe waren immer noch tropfnass, aber die Sohlen waren einigermaßen sauber, so dass ich sie anbehielt. In der Hoffnung, dass ich in Grindavík noch ein öffentliches Klo finden würde, fuhr ich einen anderen Weg nach Hause. Leider war schon alles zu, Grindavík ist ein sehr kleiner Ort. Und von den Ausbrüchen letztes Jahr sehr gebeutelt. Der jetzige Ausbruch stellte keine Gefahr dar, trotzdem wurde der Ort zu Beginn evakuiert. Letztes Jahr war er richtig stark betroffen. Die Einwohner konnten wochenlang nicht in ihre Häuser zurück, in der Ortsmitte klaffte ein riesiger Riss, der durch ein Erdbeben entstanden war. Um die Ortschaft wurden in windeseile Dämme aus altem Lavagestein aufgeschüttet, damit die neue Lava dort nicht weiterfließen konnte. Und dennoch konnten nicht alle Häuser gerettet werden. 🥺 Jetzt fuhr ich durch diesen Ort. Der Riss in der Straße wurde geflickt, aber man sieht deutlich, wo er war. Die Wälle sind riesig und ich konnte deutlich erkennen, bis wohin die neue Lava geflossen ist. Sehe ich richtig?! Ja, sie qualmte zum Teil noch - nach einem Jahr! Trotz Minusgrade und Schneefall im Winter. Als ich aus dem Ort rausfuhr erinnerte ich mich, dass auch die Straße von der Lava zerstört wurde. Die Isländer sind da aber recht schmerzbefreit. Ruckzuck wurde mit schwerem Gerät die frische Lava platt gemacht und drüber betoniert. Man sollte mit den Autos zügig drüberfahren und nicht stehenbleiben, damit die Reifen nicht schmelzen. 😆😅 Ich liebs! Es steht da immer noch ein Schild, dass stehenbleiben auf diesem Abschnitt verboten ist und ja, auch direkt neben der Straße steigt noch der Rauch auf. 😳 Sie ist bestimmt noch warm. Den Bewohnern von Grindavík wird freigestellt, ob sie dort wohnen bleiben oder wegziehen wollen. Entscheiden sie sich für wegziehen, dann kauft ihnen der Staat Island das Haus ab, damit sie sich woanders auf der Insel ein Neues bauen können. Wow, das ist mal fair und genial. Da könnten sich unsere Regierung und die Versicherungen eine Scheibe von abschneiden... 

Fasziniert fuhr ich weiter und etwas später war ganz verzückt, weil der Vulkan nochmal in Sicht kam. Dieses Mal von der Rückseite. Und es gab dort auch einen kostenlosen Parkplatz, wo ich natürlich nochmal anhielt. Und da ich das Geburtstagsglückskind war, stieß er genau jetzt besonders hohe Lavafontänen aus, so dass ich es nicht nur qualmen sah. 🤩

Das ging ein paar Minuten so, dann war wieder Ruhe und man sah kein Feuer mehr.

Überglücklich fuhr ich nach Hause und lag gegen 2 Uhr im Bett. Was für ein toller Geburtstagsabend! 😃

Viel fallendes Wasser und Troll vertreiben in der Lavahöhle

Dienstag, 29.07.2025

Tag 12 - 24.07.25

Es war trocken, als ich morgens aus dem Fenster blickte. Die Wolken zogen vom Wind getrieben über den Himmel und hin und wieder blitzte sogar die Sonne durch. Ab ins Auto und los zu den Wasserfällen Hraunfossar und Barnafoss, die schon länger auf meiner Wunschliste standen, jedoch nie wirklich auf dem Weg lagen. Der Parkplatz war fast noch leer, was mich sehr freute. 

Wow, jetzt hatte ich schon so viele Wasserfälle in Island gesehen, aber immer wieder wurde ich aufs Neue überrascht. Hier sind es nicht die Wassermassen, die faszinieren, sondern die vielen kleinen Wasserfälle, die aus dem Inneren des Gesteins kommen. Es ist Grundwasser, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, das unterirdisch vom Gletscher kommt und in diesen Fluss mündet. Wunderschön. 😍

Das Gelände war nicht sehr groß und ich beschloss, weiter nach Húsafell zu fahren. Das ist eine größere "Hotelanlage", bestehend aus vielen kleinen Bungalows/Hütten. Dort gibt es auch einen Ausflugsveranstalter. Ich war ein bisschen Mimimi an diesem Tag und konnte mich nicht so recht entscheiden, was ich wollte. Von hier kann man die Lavahöhle Viðgelmir besuchen, eine Tour auf den Gletscher buchen und es gibt verschiedenste Wanderwege. Letzteres stand nicht zur Debatte, da das Wetter zu unsicher war. Für einen Gletscherausflug war ich nicht richtig gekleidet. Und die Höhle kostete mit Shuttle rund 87 EUR und ich wusste nicht, ob es mir das wert ist. Ich schaute mir nochmals Bilder davon im Internet an und entschied mich dann doch dafür. Die Alternative wäre gewesen, jetzt schon wieder zurückzufahren. Der junge Kerl vom Ticketverkauf versicherte mir, dass die Schotterstraße mit jedem Auto gut befahrbei sei und ich mir das Shuttle sparen könnte. So zahlte ich "nur" 60 EUR für die Höhle. Immer noch ne Menge Geld... 🤨

Immerhin ist diese Lavahöhle oder -röhre eine der größten in Island muss sich sogar international nicht verstecken. Sie ist vor ca. 1100 Jahren entstanden und rund 1600 m lang. Eine Lavaröhre entsteht, wenn die Oberfläche des Lavastroms bereits abgekühlt ist, aber darunter die heiße Lava noch fließt. Wenn der Lavastrom endet und nichts mehr nachkommt, bleibt die Röhre zurück. Wir befinden uns im Lavafeld Hallmundarhraun. Dieses ist nach dem Troll Hallmundur benannt, der in der Grettis-Saga erwähnt wird. Für diejenigen, denen das was sagt. 😉

Wir waren rund 30 Leute, bekamen alle Helme und Stirnlampen und hatten einen lustigen isländischen Guide, schätzungsweise Mitte/Ende 20. Die Witze kann ich immer gar nicht so wiedergeben, aber es waren schon ein paar Lacher dabei. Beispielsweise erklärte er am Anfang, dass in der Höhle nichts passieren und man sich nicht verlaufen könnte. Als dann ein paar Nachzügler aus der Vorgruppe an uns vorbeikamen scherzte er: "Ach, das müssten die sein, die seit einer Woche vermisst werden!" 😆

Über Holzpodeste und -treppen stiegen wir hinab. 

In der Höhle hat es im Inneren ganzjährig 0 - 4 Grad und man merkte tatsächlich, wie es schlagartig kalt wurde. Im Winter kanns im vorderen Bereich weit unter 0 Grad haben, je nach Außentemperatur. Dort wo das Wasser tropft, gibt es Eisstalakmiten, sowas habe ich auch noch nie gesehen. Im Gletscher ja, aber in einer Eishöhle ist ja alles aus Eis. Hier auf dem Lavagestein sieht es sehr faszinierend aus. Im Winter sind sie um ein vielfaches größer, über den Sommer schmelzen sie im Höhleneingang langsam ab.

Wir bewegten uns die ganze Zeit über den Holzsteg. Lediglich der Eingang nach der Holztreppe in die Höhle war etwas schmal und man musste sich ducken. Dann wurde die Röhre hoch und weit.

Der Guide erzählte über die Entstehung, und erklärte die verschiedenen Gesteins- und Lavaarten. Auch sei die Höhle sehr stabil, es gäbe keine Einstürze, auch nicht, wenn Traktoren darüber hinwegfahren würden. Natürlich leben auch Elfen in der Höhle und es gäbe sogar ein Elfengefängnis, fügte er schmunzelnd hinzu. Hier zu sehen auf dem zweiten Bild. 

Ungefähr in der Mitte des Tunnels endet der Steg. Der Rest ist für die Besucher nicht zugänglich. Wenn ich den Guide richtig verstanden habe, wird es in Zukunft noch weiter ausgebaut. Dann erfuhren wir, dass der Troll Hallmundur noch in der Höhle leben würde. 😯 Der Guide machte per Fernbedienung die Lichter in der Höhle aus. Jetzt leuchteten nur noch unsere Stirnlampen. Und auch diese sollten wir nun ausmachen. Davor bekam jeder von uns eine Zahl zugeteilt. Als der Letzte seine Stirnlampe ausmachte, war es wirklich stockfinster. "Macht mal eure Augen auf und zu - ihr werdet keinen Unterschied erkennen.", lachte der Guide. Und tatsächlich. Diese Dunkelheit ist so, wie das mit der vollkommenen Stille - erlebt man selten. "Haltet mal die Hand vor euer Gesicht. Da euer Gehirn weiß, dass eure Hand da sein muss, können manche tatsächlich die Umrisse "sehen". Da spielt euch euer Gehirn etwas vor." Bei mir hat das nicht funktioniert, aber manche neben mir bestätigten das begeistert. Dann erzählte der Guide, dass wir nun den Troll vertreiben müssten, damit er uns nicht tiefer in die Höhle verschleppt. Er würde die Zahl aufrufen und dann sollte man ein unheimliches Geräusch machen, damit der Troll Angst bekommt. 😆 Es war sehr lustig. Von einem eher leisen "Piep" bis zu lautem Geschrei und hysterischem Lachen war alles dabei. 😂 Wir hatten so den Troll erfolgreich vertrieben. Sehr witzig fand ich, dass, kurz bevor ich dran war, mein Herz richtig stark klopfte, weil ich vor allen ein Geräusch machen sollte. 🤣 Meine Psyche ist schon sehr lustig. Es war stockdunkel, keiner konnte mich sehen - und ich hatte Herzklopfen... 🤪

Danach machten wir unsere Stirnlampen wieder an, die Höhlenbeleuchtung blieb jedoch aus. Wir durften in unserer Geschwindigkeit zurückschlendern. Viele eilten voraus, ich wartete bis zum Schluss. Hinter mir war nur noch die spanische Familie mit den drei kleinen Jungs. War toll die Höhle nochmal in Ruhe auf mich wirken lassen zu können.

Die 15 Grad draußen fühlten sich richtig warm an, als ich die Höhle verließ. 😅 Ich gab Helm und Stirnlampe zurück und machte mich auf den Heimweg. Es hatte sich doch rentiert und ich bin froh, dass ich es gemacht habe. 60 EUR finde ich allerdings nach wie vor zu viel dafür.

Ich fuhr einen anderen Weg zurück, mein Auto bekam noch nen Cocktail 😉, und dann gings zurück in die Wohnung. 

Ruhetag im Auto und Fahrt in den Südwesten Islands

Montag, 28.07.2025

Tage 10 und 11 - 22.07.25 und 23.07.25

Nach den zwei ereignis- und schrittreichen Tagen schlief ich am Dienstag aus, denn das Wetter sollte auch nicht so berauschend werden. Tatsache, Wolken bis zum Boden und ein bisschen Nieselregen. Nach Frühstück und lesen wollte ich nach Akureyri fahren, um einzukaufen und bisschen zu bummeln. In der nächsten Unterkunft hatte ich endlich eine kleine Küche. 😀 Bis jetzt gabs abends immer Instantsuppe mit aufgeschnittenen Tomaten - klingt lecker 🤪, aber ich mags tatsächlich. 🙈

Also ab ins Auto. Mittlerweile hatte es etwas aufgeklart und auf der anderen Seite des Berges blinzelten sogar die Sonne und der blaue Himmel durch ein paar Wolkenlöcher. Viel zu schade, um nur einkaufen zu fahren. Außerdem schien das Wetter am Ende des Fjords noch besser zu sein. Ah, ein Wegweiser nach Grenivík. Blinker gesetzt, rechts abgebogen und ab ging die wilde Fahrt weiter in den Norden. 😂 Der Weg war mal wieder das Ziel, ich genoss das Wechselspiel der Farben in den Bergen, je nachdem ob die Sonne durchblitzte oder die Wolken wieder schneller waren. In Grenivík war dann Schluss. Die Straße führte lt. Navi noch bis zu einem Parkplatz, dann mündete sie in eine Schotterstraße. In einem süßen kleinen Ort war ich hier gelandet. Ich ließ mir eine Weile den Wind um die Nase wehen und genoss die Aussicht.

Der Ort gegenüber müsste Dalvík sein und das Navi bestätigte meine Annahme. Das stand ursprünglich auch auf meinem Plan, hatte sich aber nicht ergeben. Die Küstenstraße und Gegend sollen sehr hübsch sein. Hm, Zeit habe ich, Wetter passt noch. Rein ins Auto und los. Spontan kann ich. 😆

Bis ich auf der anderen Seite angekommen war, hatte es zugezogen und es tröpfelte bereits. 🙄 Schade, ne Stunde früher hätte ich mehr davon gehabt. Deshalb beschloss ich noch weiterzufahren bis nach Ólafsfjörður, das lag im nächsten Fjord. Mit was ich nicht gerechnet hatte: Die Fjorde waren durch einen einspurigen Tunnel verbunden. Ja, richtig gelesen - einspurig. Anfangs richtig gruselig. Ich kam aus der Richtung, die Platz machen musste. Alle 50 bis 100 m gibt es Buchten und wenn man ein Auto kommen sieht, muss man in die Bucht fahren und warten, bis die Straße wieder frei ist. 😶 Natürlich kam mir ein Auto entgegen... Aber alles gut gemeistert. Von dem Ort war ich dann eher enttäuscht, es gab absolut gar nichts, wegen was ich hätte aussteigen wollen. Ja, Berge und Fjord waren schön, aber sonst... Also durch den Tunnel - diesmal mit Vorfahrt - zurück und da es immer noch tröpfelte, blieb ich auch in Dalvík nicht stehen, sondern fuhr direkt weiter nach Akureyri um meinen ursprünglich geplanten Einkauf zu tätigen. Immerhin hatte ich was vom Fjord gesehen. 

Auch den Mittwochmorgen ließ ich gemütlich angehen. Ich frühstückte, packte, hatte noch Zeit zum Lesen und gegen 11 Uhr gings ab wieder Richtung Süden. Es war bewölkt und hin und wieder regnete es, aber nicht durchgehend. Zum Glück wars trocken, als ich an diese markante Bergkette kam.

Ich machte noch an anderen Stellen Halt, vertrat mir die Beine oder machte Brotzeitpause. So kam ich kurz nach 16 Uhr in meiner neuen Unterkunft in Borgarnes an. Hier hatte ich für drei Nächte gebucht. Es war ein sehr süßes kleines Apartment, richtig schnuckelig wohnlich eingerichtet mit Wikingerbildern an der Wand. Ich hatte nicht das Gefühl von Hotelzimmer, sondern von heimkommen. 🥰 Bevor ich auspackte schlenderte ich noch zum Supermarkt und holte mir frischen Salat. Da freute ich mich richtig drauf. Ja, okay, es gab wieder Nudeln, aber dieses mal keine Instantsuppe, sondern richtige Spaghetti😁 - mit einer Instant-Käsesoße. 🤣 

Ich schlüpfte bald in meinen Schlafanzug und ins Bett. Und ich hoffte, dass sich der Wetterbericht für den nächsten Tag irren würde. Bewölkt okay, aber bitte keinen flüssigen Sonnenschein. 

Funfact: Seit meiner Ankunft roch mich im Eck der Küche und Couch etwas an. Es roch nach "Käsefüßen" und nein, das war auch schon vor meiner Käsesoße da. 🤪 Nicht schlimm, aber doch so, dass es mich störte. Es war kein Geruch, an den ich mich gewöhnte und es kam immer in Wellen. Erst hatte ich meine eigenen Füße im Verdacht, aber nach duschen und Socken waschen war der Geruch immer noch da. Sowas macht mich ja waaaaahnsinnig. Ich roch an allem: Dem Tisch, der Couch, dem Teppich, meinen Schlappen... Ich habs bis zum Schluss nicht gefunden. Es roch noch so, als ich die Tür nach vier Tagen hinter mir zuzog. 😅

Auf den Spuren von Sleipnir und Wanderung in den roten Bergen

Montag, 28.07.2025

Tag 9 - 21.07.25

Auch für Montag war hervorragendes Wetter vorhergesagt. Ich wollte früh los - eigentlich. Der Wecker stand auf 6 Uhr und ich weiß auch noch, dass er geläutet hat. Um 6.45 Uhr habe ich das nächste Mal auf die Uhr geschaut. 🤪 Dann aber schnell aus den Federn, kleines Frühstück und los. Meine erste Wanderung war im Gebiet Ásbyrgi geplant und ich brauchte mit dem Auto knappe 1,5 Std. dorthin.

Ich fuhr über Húsavík und auf dem Weg kam ich immer über eine typische einspurige Brücke. Da weit und breit kein Auto in Sicht war, hielt ich an, um ein Foto zu machen.

Als ich das erste Mal mit einem Mietwagen in Island unterwegs war, hatte ich vor diesen Brücken richtig Schiss. Denn man muss sich mit dem entgegenkommenden Autofahrer irgenwie verständigen, wer zuerst über die Brücke fährt. Hier gibt es keine Schilder, die sagen, welche Richtung Vorfahrt hat. Mittlerweile ist es zur Gewohnheit geworden. Oft signalisiert man der anderen Seite mit Lichthupe, dass man wartet oder es fährt der zuerst, der einen Ticken früher an der Brücke ist. Danach ein gegenseitiges Lächeln und Bedanken/Grüßen per Hand heben, so einfach ist es manchmal. ☺️

Ásbyrgi ist ein hufeisenförmiger Canyon, etwa 3,5 km lang, 1 km breit, und umgeben von circa 100 m hohen Felswänden. Am Ende der Schlucht gibt es einen See, der über eine Straße erreichbar ist und größtenteils ist sie mit Birken und Nadelbäumen bewachsen. Zwei große Überschwemmungen vor etwa 10.000 und 3.000 Jahren sollen die Schlucht geformt haben. Da der Canyon jedoch von oben aussieht, wie ein Hufabdruck, heißt es auch, dass hier Sleipnir, das achtbeinige Pferd von Odin, mal kräftig aufgestampft haben soll. Hm, also ich finde ja die zweite Option plausibler oder wie seht ihr das? 😉

Bei Sonnenschein und blauem Himmel marschierte ich los und fand auch bald die Leiter, die mich auf den oberen Rand der Schlucht bringen sollte. Ich wollte oben entlang bis zum Ende laufen, damit ich einen schönen Blick hinein hatte. Und danach wollte ich mit dem Auto noch bis zum See fahren. So hatte ich zwei Zuckmücken mit einer Klappe geschlagen - oder so. 😊

Der Ausblick faszinierte mich vom ersten Moment an. Ein kleiner Wanderweg führte mich auch hier durch noch niedrig gewachsene Birkenwälder, Vögel pfiffen ihre Lieder, der Wind raschelte in den Blättern und immer wieder gab es große Felsplateaus, von denen man eine fantastische Sicht hatte. Ich musste sofort an "König der Löwen" denken und sah Mufasa, wie er den kleinen Simba in die Höhe hält, bildlich vor mir. Da ich alleine war, sang ich "Nants ingonyama bagithi Baba" vor mich hin. Wie man es schreibt, weiß ich erst jetzt, nachdem ich gesucht habe. Bei mir hörte es sich eher wie "Naaaaa zigonnia, bagabi bagabaaaa" an... 🤣 Ihr wisst schon, was ich meine!

Oh, da war es wieder, das Gefühl völliger Losgelöstheit, Freude, Überwältigung und Glück. Carlos und ich eskalierten etwas beim Fotografieren. Selbstauslöser hier, Handyvideo da, Zeitraffer dort. Ich liebs. 🤩

Bis ich am Ende des Canyons angekommen war, waren gut über zwei Stunden vergangen. Und hier hinten, weit weg von einer Straße war es zwischendrin ganz still. Mucksmäuschenstill. Kennt ihr das, wenn Stille richtig laut sein kann? Wie oft hat man das in unserer Welt, dass man wirklich NICHTS hört? Ein Erlebnis für die Sinne in unserer oft zu lauten Welt.

Ich merkte den kleinen Hunger und suchte mir ein geschütztes Plätzchen an einem von Felsen umgegebenen See, der von einem schmalen Wasserfall gespeist wurde. Da ich ganz alleine war, drapierte ich meine Cam auf dem Stativ unten am See, koppelte sie mit meinem Handy und konnte mich so auf dem Felsen fotografieren. Die Technik ist schon toll. 😁

Danach kletterte ich weiter über die flachen Felsen, um in die Schlucht hineinsehen zu könne. Diese waren griffig und es machte riesigen Spaß, wie eine Gämse von Stein zu Stein zu springen. Und ich möchte betonen, dass ich am Rande der Klippen immer gaaaanz vorsichtig war. Auf dem linken/ersten Bild sieht man in der Mitte gut den "Strahl" des Hufes. Und dann noch eines meiner vielen Selbstauslöserfotos. Und auch hier täuscht die Optik - ich war ein gutes Stück vom Abgrund entfernt!

Es fiel mir wieder so schwer, mich loszureissen. Aber ich musste ja alles zurück und es warteten noch die roten Berge auf mich, die ich am Vortag schon von oben gesehen hatte. Also los! Auf dem Rückweg machte ich nur noch ein paar Fotos, so dass ich nach bisschen über einer Stunde zurück beim Auto war. Ich schaute mir noch den See an und kam gerade hin, als ein Italiener eine Arie schmetterte, um das Echo der Felswände zu hören. Klang richtig passabel. 😀

Von unten wirken die Wände lange nicht so hoch, als wenn man von oben runterschaut...

Mittlerweile hatte es zugezogen, aber es sollte trocken bleiben. Weiter gings nach/zum Hljóðaklettar. Hier traf ich gerade auf eine Busladung amerikanischer Rentner, die sich über den kantigen Felsenweg mühten. Also schnell ein Foto von den waagrechtliegenden Basaltsäulen,

und weiter auf dem Weg, der für die Amis zu schwierig war. Kurz ums Eck geklettert und ich war wieder alleine. 😁 Dieses Gebiet hier bestand eigentlich nur aus Basaltsäulenwegen und -bergen. Es war faszinierend, dort hindurchzuwandern. Leider zog es immer mehr zu und ein Wind kam auf. Ich hoffte, dass das Wetter noch halten würde, bis ich bei dem roten Berg, dem Raudhólar, angekommen war. Der Weg schlängelte sich mal flach mal steil durch die wilde Natur. Einfach wunderschön und faszinierend. 

Es gibt hier auch eine sogenannte Kirche. 🙂

Nach einem etwas mühsamen Anstieg lag er endlich vor mir. Und ich war echt von den Socken.

Kurze Zeit war ich traurig, dass die Sonne sich versteckt hatte. Hätte ich nicht so lange "König der Löwen" gespielt, wäre der Berg wohl noch leuchtender vor mir gelegen. Tja, ich kann halt nicht immer alles haben. Ich lief noch bis kurz vor den roten Gipfel, dann kam ich an eine circa 40 cm hohe Seil-Absperrung. Eine kleine Tafel erklärte, dass die vielen Touris durch das Betreten des Gipfels schon einiges von der roten Farbe "abgetragen" hätten. Man bittet, um dieses Naturschauspiel zu erhalten, hier nicht mehr weiterzugehen. Tja, was soll ich sagen. Ein Trampelpfad führt um die Absperrung herum und ich hatte davor auch Leute auf dem Berg stehen sehen. 😒 Warum?! Warum sich nicht einfach mal an solche Appelle halten können? Diese Frage werde ich mir im Laufe des Urlaubs noch öfter stellen...

Ich machte mich auf den Rückweg. Es blieb trocken und ein bisschen spitzte sogar die Sonne wieder hinter ihrem Wolkenschild hervor. Carlos hatte die Ehre auf dem letzten Foto von diesem Ort zu sein.

Ich entschied mich, nicht über Húsavík, sondern über den Mývatnsee zurückzufahren. Das war ein bisschen länger, aber ich würde nochmal eine andere Landschaft sehen. Ich fuhr direkt auf einen kleinen Weltuntergang zu. Und ich finde, Island ist dann immer gleich ganz dramatisch. 😉

Zum Glück streifte ich das Schlechtwettergebiet nur und konnte ihm durch Rechtsabbiegen entkommen. 😅

Ja, und dann schickte mich das Navi eigentlich nach links, ich verpeilte jedoch die Abzweigung, weil es von der Straße her so komisch aussah und fuhr weiter geradeaus. Oft ist wenden in Island nicht so einfach. Dann befindet man sich auf einer Teerstraße, rechts und links abschüssig mit Lavagestein und keine Seitenstraße weit und breit. Auch mein Navi bemerkte das schnell, denn es forderte mich nicht auf umzudrehen, sondern hatte einen anderen Rückweg gefunden. Und was soll ich sagen, manchmal ist tatsächlich auch der Umweg das Ziel. Ich liebe solche isländischen Straßen. 😁 Weit und breit nichts als Weite, hügelig und von oben sah ich jeweils die Straße wieder vor mir liegen, wie eine lange, gewundene Schlange. Ja, es fühlte sich beinahe an, wie Achterbahnfahren und ich juchzte jedes Mal aufs Neue, wenn ich über eine Kuppe erneut in die Tiefe brauste. 😃 Auf diesem Foto kann man ein bisschen erkennen, was ich meine. Es gab aber viel spektakulärere Abschnitte.

So ging ein erneuter wunderschöner Tag zuende. 🥰

Viele Mücken, faule Eier und ne Menge Wasser

Mittwoch, 23.07.2025

Tag 8 - 20.07.25

Eigentlich wollte ich vor den Ausflugsbussen am Godafoss, dem Götterwasserfall sein. Dieser war nur etwa 15 min von meiner Unterkunft entfernt. Ich schiebe es mal auf den Carlos, der hat getrödelt (😇), so dass die Parkplätze schon gut gefüllt waren. Da ich den Wasserfall schon kenne und ausgiebig fotografiert habe, hielt ich mich nicht allzulange dort auf. Das waren mir definitiv zu viele Leute. Ein Foto zeig ich euch trotzdem. ☺️

Hier merkt man deutlich, was Island wegen den Massen an Touristen tun musste. 2017, als wir zum ersten Mal hier waren, gab es noch keine angelegten Wege und Absperrungen. Da sind wir auch noch auf den Felsen herumgeklettert, um dem Wasserfall möglichst nah zu sein. Jetzt sind alle Wege markiert, zum Teil geteert oder gepflastert und mit Seilen abgesperrt. So schafft es Island, dass zumindest 95% der Leute nicht alles niedertrampeln. Ja, notwendig, aber irgendwie auch schade. Davor hatte es mehr Flair. 

Ich fuhr weiter Richtung Mývatn. So wird der See, aber auch das Gebiet drumherum genannt. Übersetzt heißt das Wort "Mückensee". Warum? Weil es im Sommer dröflzigmillionen Mücken dort gibt. In einer bestimmten Zeit sieht man richtige schwarze Wolken, die hatte ich Gott sei Dank nicht. Es handelt sich hauptsächlich um Zuckmücken, die nicht stechen, aber auch Kriebelmücken kommen vor, die fiese Stiche bzw. Bisse hinterlassen. Mittlerweile glaub ich, dass ich Zuckmücken im Zimmer hatte, denn ich bin kein einziges Mal gestochen worden. Und die Midges kommen wohl nur in Schottland vor... Wieder was gelernt, sorry für die falsche Bezeichnung. 

Mittlerweile hatte es aufgerissen, über den blauen Himmel zogen weiße Wolken, die Sonne war wieder da. Was für ein schönes Gefühl nach den Tagen mit der tiefhängenden geschlossenen grauen Wolkendecke. Ich parkte am Informationszentrum und stieg den kleinen Hügel hinauf, von dem aus ich den ersten tollen Blick auf das Mývatn-Gebiet hatte.

Bekannt hier sind die sogenannten Pseudokrater. Sie sind entstanden, als die heiße Lava mit dem kalten Wasser in Berührung kam. Der Dampf durchdringt die Lavadecke, entweicht und ein Krater entsteht. Ihm fehlt aber sozusagen die Wurzel, er hat keine direkte Magmazuleitung aus dem Inneren der Erde. Sozusagen ein "Möchtegern-Krater". 😉

Ich entschied mich für den ca. 2,5 km langen Rundweg und wie immer, wenn man ein bisschen weitergeht, sind es nur noch eine handvoll Leute, die einem begegnen. Vor mir schlenderte ein junges Mädel, hinter mir kam eine vierköpfige französische Familie. Das wars. Ruhe und Idylle pur. Anfangs war es mit den Mücken noch nicht so schlimm, aber irgendwann fingen sie dann doch an zu nerven. Ich trat einen Schritt vom Weg in die Wiese um ein Foto zu machen, und fand mich in einer Mückenwolke wieder, sowas hatte ich noch nicht erlebt. 😅 Die vielen Mücken ernähren natürlich auch eine vielfältige Vogelwelt. Ich war schockverliebt in dieses kleine Vögelchen. Vom Aussehen her könnte es ein Schnepfenbaby sein, bin mir aber nicht sicher. 

Landschaftlich war es ein Traum:

Nach dieser Brücke wurde es so richtig schlimm mit den Mücken. Wir fuchtelten alle mit Armen und Händen vor unserem Gesicht, eines der Mädel benutzte ihren Pulli als Schleuder vor ihrem Körper. Ich hatte Angst, den Mund aufzumachen... 😂 Als ich aus der Wiese raus war und durch karge Vulkanasche lief, waren auch die Mücken fast weg. Dafür attakierte mich eine Seeschwalbe, weil ihr Junges auf dem Weg saß. Das sind echt die aggresivsten Vögel, die ich kenne. 

Als ich wieder im Auto saß, kamen zwei Motorradfahrer an. Frischfleisch für die Mücken. Wahrscheinlich müsst ihr das Foto groß machen. Und nein, kein dreckiges Fenster, jeder Punkt eine Mücke. 🤪

Weiter gings zu einer Grotte Grjótjagá mit heißem Wasser. Hier treffen die eurasische und amerikanische Platte aufeinander. Wo sind die "Game of Thrones"-Fans? In den Google-Bewertungen steht zwar, dass in dieser Grotte gedreht wurde, aber scheinbar hat sie nur als Inspiration gedient für die Grotte, in der Jon Snow seine Unschuld verloren hat. Ich habs nie gesehen, kann nicht mitreden... 😉 Das Wasser war sehr warm, schwimmen ist nicht erlaubt, und es war wirklich so blau, wie auf dem Foto.

Eine Begegnung der dritten Art hatte ich auch. Der Eingang zur Höhle ist sehr schmal und alle sind hintereinander reingegangen und haben gewartet, bis der jeweilige Vordermann quasi ums Eck war, damit man ein schönes Foto ohne Köpfe machen konnte. Ich stand da also und wartete, als plötzlich jemand an mir vorbeidrängte mit den englischen Worten: "Entschuldigung, ich möchte nur kurz da nach unten!" Nicht wahr, oder?! Sie stand dann vor mir. Wer mein Gesicht in so einer Situation kennt: Bingo! Ich erwiderte, ebenfalls auf Englisch: "Ja, da wollte ich auch gerade hin!" "Oh, sorry, hehe.", kam zurück. Manchmal möchte man die Leute einfach nur schütteln! 🤬

Kurz darauf habe ich mir beim Klettern über die Steine ganz arg den Kopf gestoßen, die Beule fühle ich heute noch. Ich habe mal kurz Sternchen gesehen und ich bin mir sicher, dass ich nicht die Erste war, die da hängengeblieben ist. Mich wunderte fast, dass da noch kein Blut dran klebte... 😆

Danach gings weiter zum Geothermalgebiet Hverir. Hier wandert man zwischen kochenden sprudelnden Schlammlöchern und Öffnungen, aus denen Schwefelgas austritt. Der Dampf, durch den man geht, ist richtig heiß und ja, der Schwefel stinkt bestialisch. 🙊 Ich war seit 2017 zum dritten Mal hier und jedes Mal sieht es etwas anders aus. Daran sieht man, wie lebendig dieses Gebiet ist. Auch wenns stinkt, es ist wirklich toll anzusehen.

Carlos war froh über seinen neuen Schal, für ihn war der Geruch kaum auszuhalten! 😁

Der Parkplatz hat 10 EUR gekostet und es gab nicht mal Toiletten - ein stolzer, nicht ganz berechtigter Preis!

Im Auto schaute ich auf Google-Maps, was ich mir in der Gegend als nächstes anschauen könnte. Gleich in der Nähe war ein Kraftwerk auf einem Berg, von wo aus man eine schöne Aussicht haben sollte. Ich dachte an einen kleinen Geheimtipp, fuhr hin - und hätte fast keinen Parkplatz bekommen. 🤣 Das Kraftwerk ansich fand ich nicht so interessant, aber die Aussicht war schon sehr schön. Vorallem diese Bergkette hatte es mir angetan:

Diese vielen verschiedenen Farben und hintereinander liegenden Hügel und Berge - ich liebe es! 😍

Nächste Station: Dettifoss, einer der größten Wasserfälle Europas. Etwa 100 m breit und 44 m tief. Ich war vor sechs Jahren zum ersten Mal hier. Damals war die Teerstraße noch nicht fertig und wir mussten umdrehen, da die Schlaglöcher für unser kleines, nicht geländegängiges, Auto zu groß wurden. Wir nahmen die Schotterstraße auf der Ostseite des Flusses. Hier waren nicht so viele Unebenheiten und so zuckelten wir 26 km mit ca. 40 km/h dahin. Vorteil damals: Es waren nicht so viele Leute dort, da der Wasserfall eben nicht so einfach zu erreichen war. Auch normale Tagesausflugsbusse fand man dort nicht. Ja, heute ist die Teerstraße fertig, jeder kann ganz einfach dorthin gelangen und so kam es, dass ich gegen 15.30h erstmal kreiseln musste, um einen Parkplatz zu bekommen. 🙄 Zumindest kostet das Parken dort (noch) nichts, es gibt dort Toiletten und eine Hotdog-Bude. Ca. 1,5 km Fußweg sind es noch bis zum Fluss. Ja, der Wasserfall ist schon gigantisch. Der Wind stand ungünstig und auf der Plattform wurden wir von der Gischt regelrecht geduscht. 😂 Auch fürs Foto musste ich länger warten, denn die Wassertropfen auf der Linse machen sich nicht so gut. 

Bevor das Wasser sich den Dettifoss hinunterstürzt, hat es bereits den Selfoss überwunden. Diese Stufe ist etwa 10 m hoch. Zwar nicht so mächtig, wie der Dettifoss, aber sehr schön anzuschauen.

Hier saß ich eine ganze Weile auf einem sonnengewärmten Stein und ließ die Seele baumeln. Ich tu mir dann immer wahnsinnig schwer, mich von solchen Orten wieder loszureissen. Nochmal einprägen, nochmal genießen, hier noch ein Foto, dort nochmal hinschauen, tief ein- und ausatmen... Und das Ganze von vorne. 😅

Irgendwann konnte ich mich doch überreden aufzubrechen, denn ich brauchte noch ca. 1 Std. bis Húsavik und wollte dort in den Supermarkt, der um 19h bereits schließt. Die Sonne stand schon nicht mehr ganz so hoch am Himmel und tauchte die Landschaft in bunte warme Farben. Ich hatte eine perfekte Sicht in die Ferne über das Tal. Es war so schön, dass ich mal kurz die Krise bekam. Positiv. Ich juchzte und kreischte vor mich hin, da war viel Energie, die mal eben rauswollte. 😆 So kam es, dass ich bei der nächsten Abzweigung (nach Hólmatungna) einfach rechts abbog, um zu schauen, wo mich die Straße hinbringen würde. Auf dem Parkplatz war ein einziger Camper, ich schnappte mir meine Kamera und stiefelte los. Die Plattform ist noch im Bau, also spazierte ich den Wanderweg etwas entlang. Ich blickte in ein grünes Tal und auf einen weiteren Wasserfall, den Réttarfoss. Auf den Fotos kommt es leider nicht so rüber, wie es auf mich gewirkt war. Ich war so froh über meinen ungeplanten Abstecher.

Als ich wieder im Auto saß stellte ich fest, dass ich es nicht mehr reichtzeitig bis nach Húsavik schaffen würde. Also konnte ich mir jetzt auch Zeit lassen und fuhr den nächsten Aussichtspunkt an. Auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Blick auf das Hljóðaklettar-Gebiet mit dem roten Berg Rauðholar.

Der Plan war, hier am nächsten Tag noch zu wandern. Gesehen hatte ich die farbigen Berge nun schonmal. ☺️

Da ich zum Frühstück einen Skyr wollte, nahm ich in der Tankstelle einen mit. Joa, 3,15 EUR ist, glaube ich, der höchste Preis, den ich für einen kleinen Becher Joghurt je bezahlt habe. 😅 Man gönnt sich ja sonst nichts. 

Erschöpft aber glücklich von den ganzen Eindrücken löffelte ich noch eine Nudelsuppe in der Unterkunft und fiel bald darauf ins Bett.

 

Wal in Sicht

Dienstag, 22.07.2025

Tag 7 - 19.07.25

Um 7.15h verließ ich die Unterkunft und machte mich auf den Weg nach Husavik. Ich hatte für 9 Uhr eine Whale-Watching-Tour mit dem RIB-Boat gebucht. Husavik gilt als bester Spot Europas um Wale zu sehen. Ich freute mich sehr. 🐳 Gemeinsam mit einem deutschen Paar mit neunjähriger Tochter betrat ich den Umkleideraum des Veranstalters. Wir kamen gleich ins Gespräch und ich freute mich tatsächlich, mich nach einer Woche auf Deutsch unterhalten zu können. 😅 Da wir quatschten kam unser Guide-Mädel dazu und stellte sich als Kölnerin vor. Sie war vor paar Jahren fürs praktische Studium hierhergekommen und seitdem ist sie die Sommer über hier und arbeitet als Guide für die Wal-Touren. Ich glaube, der Job könnte mir auch gefallen. 😁 In dem kleinen Raum hatte es gefühlt 30 Grad, so schlüpften wir schnell in unsere Overalls, bekamen eine Schwimmweste und gingen schnell nach draußen. Im RIB-Boat sicherte ich mir wieder meinen Platz in der 1. Reihe, jippie. Die Deutsche setzte sich neben mich und er und die Tochter nahmen hinter uns Platz. Insgesamt waren wir 12 Gäste in sechs Zweierreihen. Und los ging die wilde Fahrt. Eine dichte graue Wolkendecke lag über uns, das Meer war so flach wie ein Ententeich. Das Licht war so seltsam, dass es teilweise schwierig war, Wasser und Himmel auseinanderzuhalten. Mir wurde ganz schummrig im Kopf, weil meine Sinne es schlecht greifen konnten. Meine Nachbarin stimmte mir zu. Die ganze Fahrt, bis wir auf dem offenen Meer waren, quasselten wir, war echt schön.

Als erstes sprangen uns Delfine über den Weg, einer tauchte sogar unter unserem Boot durch. Dann hielten wir Ausschau nach den größeren Tieren. Die Veranstalter sind untereinander per Funk verbunden und so düsten wir los zu einem anderen RIB-Boat, das einen Wal gesichtet hatte. Es ist immer wieder spannend, wo er auftaucht. Zuerst das laute Ausatmen und der Blas, die Fontäne, die er in die Luft stößt. Wir hatten einen Buckelwal gefunden. Der Wal schwimmt dicht unter der Wasseroberfläche, kommt 2-3 Mal zum Atmen mit dem Kopf aus dem Wasser, dann zeigt er seinen Buckel, wenn er abtaucht und zum Schluss präsentiert er seine Fluke. Die Musterung darauf sieht bei jedem Wal anders aus und ändert sich im Laufe seines Lebens nicht. Vergleichbar mit unserem Fingerabdruck. Es gibt eine weltweite Online-Kartei, bei der man, wenn ich es richtig verstanden habe, sein Foto hochladen kann. Das System sucht den Wal hinter der Fluke und so kann man sehen, wo er sich auf der Welt schon überall aufgehalten hat. Ich weiß nicht, ob diese Kartei allen zugänglich ist oder nur den Tierforschern. Jedenfalls kommen nach Husavik schon seit Jahren die gleichen Wale und die Leute freuen sich über jeden Einzelnen, der wieder da ist. 

Ich konnte ein paar schöne Fotos machen. Als der Wal fast direkt neben unserem Boot war, drückte ich wohl den Aufnahmeknopf meiner Kamera nicht richtig. Für diesen Wal habe ich heute kein Foto. 😂 Ich ärgerte mich, aber nur kurz. Ich hatte ja schon andere schöne Fotos, dieses zum Beispiel:

Wir sahen den Wal ein paar Mal auf- und abtauchen, dann machten wir uns auf den Rückweg. Für den Geschmack der Tochter ratschten wir auch danach noch zu lange, so dass ich mich verabschiedete. Zuerst stattete ich dem Wal-Museum einen Besuch ab. Sie haben dort echte Skelette von Walen, die in Island tot an Land gespült wurden. Es dauert ca. 2 Jahre, bis die Knochen konserviert sind und wieder zusammengesetzt werden können. Am meisten hat mich der Blauwal fasziniert. Diese Tiere sind sooo groß, unglaublich. Zuerst dachte ich, das wäre ein Boot, bis ich kapiert habe, dass es das Maul des Blauwals ist. 🤣

Danach ging ich zurück ins Büro des Veranstalters, ich hatte nämlich noch einen Gutschein von einer Waltour, auf der wir keine Wale gesehen hatten. Hier ist man so kulant, dass man kostenlos noch eine weitere Chance bekommt. Ich entschied mich für die Tour um 16.30h und hatte somit noch gut drei Stunden Zeit. Da es auf dem Meer recht frisch war, die Sonne aber rauskam und mein Auto aufheizte, setzte ich mich rein, aß zu Mittag und hörte einen Podcast. Danach stöberte ich noch ein bisschen durch den "Icewear"-Laden, eine isländische Bekleidungsmarke. Ich habe sooo einen schönen Woll-Pulli gesehen - aber 160 EUR war er mir dann doch nicht wert. 😟

Die zweite Tour des Tages fand auf einem größeren Boot statt. Oder sagt man dann schon Schiff? Schätzungsweise waren 20-30 Leute an Bord. Ich sicherte mir einen Platz oben im Ausguck. Von dort hat man den besten Überblick. 😁

 

Mit diesem Schiff ist man deutlich langsamer unterwegs als mit einem RIB-Boat. So dauerte die Tour auch drei Stunden und ich kann jetzt schon verraten, dass ich danach total durchgefroren war - trotz Overall. Wir hatten einen Wal gefunden und begleiteten ihn eine Weile. Aber er war nicht sehr tauchfreudig, so buckelte er zwar immer wieder, aber "flukte" nicht. Ich musste über mich selbst schmunzeln, ich glaube, ich habe ein neues Verb in der Walsprache erfunden: fluken - Wal zeigt beim Abtauchen seine Fluke. ☺️

Beim zweiten Wal hatten wir mehr Glück und er flukte nach dem Atmen auch jedes Mal. Und er führte uns mehrmals ganz schön in die Irre. Während alle in die Richtung schauten, wo er abgetaucht war, tauchte er ganz auf der anderen Seite wieder auf. An der Fluke erkannten wir, dass es der derselbe Wal war. Und jetzt eine große Quizfrage: Auf welcher Seite des Schiffes war jeweils der Wal zu sehen? 🤣

a) Ist doch ganz einfach

b) Keinen blassen Schimmer

c) Welcher Wal?

Zu Antwort c), dieser hier:

Auf meiner "Liste" steht schon lange, mal einen springenden Wal zu sehen und wenn möglich, diesen auch springend zu fotografieren. Wir warteten gerade, dass er nach seinem Tauchgang wieder an die Oberfläche kommen würde, als diese sich plötzlich zerteilte und der ganze Wal aus dem Wasser schnellte. PLATSCH, machte es, als er wieder verschwand. Es war zwar ca. 50 Meter von uns entfernt, aber ich habe direkt auf den Punkt geschaut, wo er aus dem Wasser gekommen ist. 😃 Jeder schrie irgendwie auf vor Begeisterung, auch unser Guide war total von den Socken. Er meinte, dass es hier selten vorkommt, dass ein Wal springt. Denn hier sind sie zum Fressen und die Wissenschaft ist sich auch nicht ganz sicher, wann und warum ein Wal hier springt. Öfter sieht man das in den warmen Gewässern, Karibik und Südsee, wenn es um die Paarung geht und der Wal entweder sein Weibchen beeindrucken oder einen Rivalen vertreiben will. Natürlich hatte ich in diesem Moment die Kamera nicht im Anschlag. Ich frage mich sowieso, wie man einen springenden Wal aufs Bild bekommt, denn er kündigt es ja vorher nicht an, wann und wo. Ich gebe die Hoffnung nicht auf - jedenfalls habe ich es vor meinem geistigen Auge und im Herzen. ❤️

Und hier noch eine sehr süße Serie von einem Puffin. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich diese Vögel liebe? 🥰

 

Um die halbe Insel - vom Süden in den Norden

Dienstag, 22.07.2025

Tage 5 und 6 - 17.07.25 und 18.07.25

Pünktlich um 6.30h stand ich am Hafen in der Schlange für die Fähre. Ich rechnete mit dem Schlimmsten... 🤪 Aber es waren nur eine handvoll Autos, so dass wir alle unten reingepasst haben. Und das Meer war sehr ruhig, obwohl es so stark bewölkt war, dass die Berge der Inseln sich bis zur Hälfte mit weißen Nebeln verhüllt hatten. Eindeutig der schlechteste Tag, seitdem ich hier war. Aber das kam mir sehr entgegen, denn ich hatte ca. 6,5 Std Fahrtzeit vor mir. Bei Sonnenschein sieht man zwar mehr von der Landschaft, aber bei allzu schönem Wetter wäre ich lieber draußen unterwegs gewesen, anstatt im Auto zu sitzen.

Einen ersten Zwischenstop machte ich beim Urridafoss, einem Wasserfall direkt an der Ringstraße, an dem ich schon zigmal vorbeigefahren bin. Im Internet wird noch von einem "Geheimtipp" geschrieben, umso verwunderter war ich, dass sogar der Parkplatz etwas kostete. Geheimtipps gibt es irgendwie fast nicht mehr - schade. Der Wasserfall ist sehr schön anzuschauen, sogar recht mächtig mit viel Wasser. Ein paar Angler waren da, es soll dort wohl Lachse geben. 

Kurz nach Reykjavik gabs auch nochmal sehr viel Wasser, aber von oben. Es schüttete so sehr, dass die Scheibenwischer Mühe hatten, den Regen vom Fenster zu bekommen. Sogar mein Auto schaltete den Tempomat aus, mit dem Hinweis, dass der Fahrer selbst die Kontrolle übernehmen soll (sinngemäß). Einige Autos hielten bereits bei den Parkplätzen und Haltebuchten, ich kroch weiter bis zur Raststätte in Borgarnes. Dort machte ich im Auto fast eine Stunde Pause, aß etwas und besuchte das stille Örtchen. Als der Regen nachgelassen hatte, fuhr ich weiter. 

Leider hingen die Wolken in den Bergen, so dass das Fahren nicht so viel Spaß machte, wie sonst. In Island ist für mich der Weg oft schon das Ziel, weil es so viele unterschiedliche Landschaften zu sehen gibt. Der Norden ist hier generell nicht ganz so abwechslungsreich, wie der Süden und wenn man die Berge dann nicht mal sieht...

In Akureyri machte ich Halt beim Supermarkt und kaufte danach online mein Ticket für die einzige Mautstraße in Island: Der Tunnel, der nach Akureyri durch den Berg führt ist 7,5 km lang und verkürzt die Strecke in den Norden um ca. 15 km. 15 EUR kostet die Durchfahrt, stolzer Preis. Als wir 2017 hier waren, war das noch eine Baustelle. Der Guide erzählte, dass die Arbeiten sehr schwierig sind, da es im Inneren des Berges sehr heiß ist. Die Maschinen tun ihr Übriges dazu. Die Arbeiter konnten deshalb nur immer eine kurze Zeit im Berg sein, dann musste gewechselt werden. Und tatsächlich, das Thermometer meines Autos zeigte bei der Hälfte der Strecke stolze 29 Grad an. 🥵

Meine Unterkunft war leicht zu finden, auch mit dem Schlüssel klappte alles. Im Zimmer fühlte ich mich am Anfang nicht richtig wohl. Das heiße Wasser aus der Leitung schwefelt hier sehr stark, einige Midges (die kleinen Fliegen, die beißen) saßen am Fenster, im Zimmer ansich war "dicke Luft", die sich mit dem Duftfläschchen im Bad vermischt hatte. Als ich lüftete, hatte ich gleich drölfzig Midges mehr im Zimmer... Im Aufenthaltsbereich saßen Amerikaner, die wahrscheinlich mit zuhause telefonierten - mit Lautsprecher selbstverständlich, damit auch das ganze Hotel etwas davon hatte. 🤪 Es war kurz Mimimi-Zeit bei mir. Zum Schlafen wusste ich nicht, was beim Thema Fenster öffnen besser wäre: Erstinken oder erstochen, äh, zerstochen werden. Ich entschied mich für erstinken, das juckte wenigstens nicht so. 

Zwischeninfo: Mittlerweile habe ich mich mit meinem Zimmer angefreundet. Die Amerikaner reisten am nächsten Morgen ab, ich schlafe mit offenem Fenster und die Midges werden regelmäßig ermordet. Lediglich das schwefelnde Wasser kann ich nicht ändern. Gefühlt ist das Wasser schmutzig, weil es stinkt, da fühlt sich duschen so kontraproduktiv an. 🙊 Dazu kommt eine enge Duschkabine mit Vorhang, der ständig an mir klebt, wenn ich mich bewege... Wer fühlt mit mir?! 😆

Am Freitag hingen die Wolken immer noch in den Bergen. Es war eine homogene graue Schicht, so dass ich mich tatsächlich fragte, welche Mission, die über den Wolken stattfindet, auf der Erde nicht gesehen werden darf. 😉 Auf meinem Plan für den Norden standen u. a. ein Wasserfall und die älteste Kirche Islands. Also fuhr ich wieder einige Kilometer auf dem Weg zurück, den ich tags zuvor gekommen war. Dieses Mal fuhr ich um den Berg herum und nicht durch den Tunnel. Wie schon gesagt, 15 km mehr, 10 min länger, 15 EUR gespart. Meiner Meinung nach bringt diese Abkürzung nicht wirklich viel, ich werde sie jedenfalls nicht mehr benutzen.

Der Wasserfall ist sehr schön, es war auch gerade trocken, als ich dort war.

Daneben sind ein paar heiße Quellen, deswegen springen dort einige Leute in Badekleidung, andere auch nackelig, durch die Gegend. Ich ging etwas am Fluß entlang, machte einige Fotos (natürlich nur von der Landschaft 😅) und fand noch eine weitere kleine heiße Quelle. Steine grenzten sie vom Flussbett ab und sie wäre nur für ein Fußbad ausreichend. Wo sich das heiße Wasser mit dem Flusswasser mischte, war es angenehm warm. Je weiter weg vom Fluß, desto heißer. Autsch, zum Reinfassen war es fast zu viel, ganz oben probierte ich es lieber nicht...

Es waren einige Kilometer bis zur Kirche, leider regnete es und man sah von der Landschaft - richtig - nichts. Als ich am Ziel ankam, war es trocken und die Kirche wirklich sehr schön anzuschauen. So typisch nordisch. Leider konnte man sie nicht betreten.

Ein mit Gras bewachsener Erdwall umgibt sie und es gibt einen kleinen Torbogen, unter dem ich das Foto gemacht habe. 

Als ich im Auto saß, setzte der Regen wieder ein und begleitete mich bis zurück ins Hotel. Für die lange Autofahrt hatte ich nicht wirklich viel gesehen, aber auch solche Tage gibt es eben.

Mit Vollgas durch die Wellen

Freitag, 18.07.2025

Tag 4 - 16.07.25

Für diesen Morgen stellte ich keinen Wecker, ich musste erst gegen 11.15h aus dem Haus. Bevor ich aufs Klo ging, testete ich, ob das Wasser noch da war. 🤪 Lief!

Nach einem gemütlichen Frühstück machte ich es mir wieder im Bett bequem und sah auf einem Instagramkanal, dass in der Nacht erneut ein Vulkan auf Island ausgebrochen ist. Wieder in der Gegend nähe des Flughafens, wo auch die letzten Ausbrüche stattgefunden haben. Nachts wurde wohl vorsorglich das Hotel bei der "Blauen Lagune", ein Schwimmbad, evakuiert. Rund 200 Leute waren betroffen. Mittlerweile ist es aber wieder geöffnet, die Lava fließt dieses Mal nur in die unbebaute Landschaft. Es sind zwei Risse entstanden, einer ca 2,5 km lang, der andere rund 500 m. Es ist schon das dritte Mal, dass ein Ausbruch stattfindet, wenn ich hier bin. Leider habe ich es noch nie in die Nähe geschafft... Dabei würde das auf meiner Bucketliste stehen, mal einen Vulkanausbruch live zu sehen und Fotos und Videos zu machen. 🤩 Dazu müsste der Ausbruch aber "touristenfreundlich" sein, wie das vor zwei Jahren der Fall war. Da konnte man geführte Touren buchen, die einen auf einen sicheren Berg in der Nähe gebracht haben. Im Moment soll man sich vom jetzigen Ausbruch leider noch fernhalten. Ansonsten gibt es in Island deswegen keine weiteren Einschränkungen.

Um 11.15h schlenderte ich Richtung Hafen, für 12h hatte ich eine RIB-Boat-Tour rund um die Insel gebucht. Ich hatte tatsächlich am Vortag noch überlegt, die Tour zu stornieren. Ich hatte schon so viel von der Insel gesehen und dachte mir, dass es vom Wasser aus auch nicht recht viel spektakulärer sein würde. Joa, aber der Bauch hat gesagt, dass ich die Tour ja nicht "umsonst" gebucht habe, deshalb habe ich nicht storniert. Und was soll ich sagen, es war so genial. Ich ergatterte einen Platz in der ersten Reihe, der Guide und Kapitän (zwei auf der Insel gebürtige Isländer) waren sehr gut drauf, wir hatten Musik während der Fahrt und das cruisen über die Wellen machte einfach nur Spaß. Wir machten immer wieder Stops und der Guide, Albert, erzählte etwas über den Ort oder allgemein über die Insel. Eine Geschichte fand ich besonders spannend: Sein Vater war 15 Jahre alt, als der Vulkan 1973 ausbrach. Seine Oma wurde durch den Lärm geweckt, sah aus dem Fenster und sah die glühende Lava Richtung Ort kommen. Sie weckte seinen Opa, doch der war so schlaftrunken, dass er meinte, sie träume bestimmt und solle sich wieder schlafen legen. Seine Oma weckte seinen Vater und schrie dann seinen Opa an, nannte ihn einen Bastard und dass er sofort aufzustehen hätte. Als sein Opa dann aus dem Fenster sah, meinte er, warum sie nicht gleich sagen würde, dass der Vulkan ausbrechen würde. 😆 Sie verließen schleunigst das Haus und liefen Richtung Hafen. Dort angekommen stellten sie fest, dass sein Opa keine Hosen anhatte und in den Händen einen Toaster hielt. Er hatte einfach das Nächstbeste gegriffen und war losgerannt. So tragisch, wie das damals war, die Familie lacht wohl heute noch darüber. 😂

Versteckte Bucht, wird auch Miami Beach genannt, wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Und wer sieht hier den T-Rex auf dem linken Bild? Rechts der Kopf Richtung Wasser, links davon der Buckel und darunter die Beine, die im Wasser stehen. Auf dem rechten Bild seht ihr eine seltene runde Form der Basaltsäulen.

Wir fuhren mit dem RIB-Boat in ein paar Höhlen, die Musik wurde angemacht, der Klang war jeweils fantastisch, und mit Vollspeed verließen wir die Höhlen wieder - es hat so Spaß gemacht. 😁 Ich weiß nicht mehr, welches Lied es war, aber als wir über die Wellen flitzten, dazu das Lied, ich war so ergriffen und mal wieder so dankbar - die Tränen in meinen Augen kamen definitiv nicht vom Fahrtwind. Kurze Zeit später wurden sie im wahrsten Sinne des Wortes abgespült. Das war eine volle Ladung Gischt, die ins Boot und mitten in mein Gesicht schwappte. Ganz schön gesalzen! 🤣

Wir fuhren ein paar der unbewohnten Westmännerinseln an. Hier wimmelte es von Vögeln. Auf einer Insel waren hauptsächlich Puffins. Es waren unzählige weiße Punkte in der Wiese und am Himmel flogen sie kreuz und quer. Zwei Mal wurde unser Boot Opfer einer 💩💩-Attacke. Faszinierend war, dass es nicht nur ein Schiss war, sondern bestimmt jeweils zehn. So, als hätten sich die Vögel oben abgesprochen. Ich wurde Gott sei Dank nicht getroffen. 😅

Auf jeder der unbewohnten Inseln steht eine sogenannte Jägerhütte. Sie sind grds. unbewohnt, aber stehen bestimmten Einheimischen und Naturforschern zur Verfügung. In einer Hütte gibt es sogar ein Klavier. Betreten werden die Inseln über Stricke und Strickleitern, um über die ersten Klippen zu kommen. Bei einer Insel kam der Kapitän nach vorne zu uns und erzählte seine Geschichte. Als er acht Jahre alt war, nahm ihn sein Vater mit auf diese Insel, gurtete ihn an und ließ ihn zum Möweneiersammeln die Klippe hinunter. Das erste Ei, das er gesammelt hatte, sollte er gesondert aufbewahren. Als sie in der Hütte waren, stach sein Vater ein Loch oben in das Ei und meinte, dass er es ausschlürfen sollte. Er tat, wie ihm geheißen. Dann klopfte ihm sein Vater auf die Schulter und sagte: "Ab jetzt bist du ein richtiger Mann!" Der Kapitän grinste, als er weitererzählte. Denn als sein Sohn acht Jahre alt war, erzählte er seiner Frau, dass er das Gleiche mit ihm machen würde. Woraufhin seine Frau antwortete: "Wenn du das machst, bring ich dich um!" "Ich bin noch verheiratet", fügte er dann lachend hinzu. "Seht, wir wachsen hier einfach anders auf, als ihr in den USA oder Deutschland. Für uns ist das normal. Die Kinder lernen früh, wie man Strickleitern hochklettert und Möweneier sammelt. Das ist der Zugang zu dieser Insel hier und glaubt mir, das ist relativ einfach, da gibt es Schwierigere." Er zeigte mit dem Finger auf die Klippen, und dann sah ich es:

Evtl müsst ihr das Bild vergrößern, dass ihr die kleinen Tritte und Strickleitern erkennen könnt. Es gab Gelächter unter uns Touris, anerkennendes Gelächter. Never ever würde ich dort hochklettern. Da waren die Leitern vom Vortag ja ein Kindergeburtstag. 

Albert erzählte noch von dem Fischermann Gulli, dessen Boot 1984 in Seenot geriet. Seine Crew versank in den Fluten, Gulli jedoch schwimmt mehrere Stunden an Land und überlebt. Es grenzt an ein Wunder, dass er das geschafft hat. Island hat die Geschichte mit dem Titel "The Deep" 2012 verfilmt. Leider gibt es den Film nicht auf Deutsch, wie ich auf die Schnelle gesehen habe. Gulli lebt noch heute auf der Insel und arbeitet im Hafen. Er hat weiße Haare und einen längeren weißen Bart und mag es gar nicht, wenn er als Held betitelt wird.

Dann fuhren wir zurück und plötzlich tauchten Wale vor uns auf. Ich traute meinen Augen nicht, es waren tatsächlich Orcas. Die habe ich noch nie live gesehen und mein Herz machte 1000 Sprünge. Danke, liebes Bauchgefühl, dass ich die Tour nicht storniert habe. Wir begleiteten die Orcas eine Weile in respektvollem Abstand. Es waren zwei Gruppen, jeweils drei Tiere. In einer Gruppe war ein Baby-Orca dabei. 🥰 Die Fotos sind gezoomt und vergrößert, so nah waren wir nicht dran. *Glücklich ich war*

Nach der Tour besuchte ich noch das Museum, das den Vulkanausbruch zum Thema hat. Das Gebäude wurde um ein einst verschüttetes und wieder ausgegrabenes Haus herumgebaut. Ich bekam ein Audiogerät auf Deutsch. Es waren viele Fotos ausgestellt, wie es vorher aussah, währenddessen und danach. Es konnten alle Leute gerettet werden, weil wegen eines Unwetters am Vortag alle Fischer mit ihren Booten im Hafen waren. Und um das Hafenbecken zu retten, haben die Einwohner eine Glanzleistung vollbracht. Die Lava floss nämlich Richtung Hafen und hätte das Becken verschüttet. Sie ließen viele Pumpen bringen und spritzten tagelang kaltes Meerwasser auf die heiße Lava, dass diese schneller abkühlte und dadurch nicht mehr weiterfloss. Wahrscheinlich hätten die Isländer die Insel aufgeben müssen, hätten sie das Hafenbecken nicht retten können.

Hier noch ein Bildvergleich zum Zeitpunkt des Ausbruchs und heute. 

Ja, das war schon mein letzter Tag auf der Insel. Ich habe sie richtig liebgewonnen und wäre gerne noch länger geblieben. Es hätte noch ein paar Berge gegeben, die ich gerne besteigen würde. Ich muss wohl nochmal wiederkommen. 😉

Wassermangel und über Leitern auf den Hausberg

Freitag, 18.07.2025

Tag 3 - 15.07.25

Ich wachte wieder ohne Wecker auf und tapste bald darauf aufs Klo. Keine Angst, normalerweise werde ich diese Dinge nicht genauer beschreiben. 😉Aber als ich die Klospülung betätigt hatte, dachte ich mir: 'Lief das Wasser immer so lautlos nach?!' Seife aus dem Seifenspender in die Hand, Wasserhahn an - und da kam nicht mehr als ein bisschen Luft. Ähm... Hahn zu und wieder auf - fffffff - sonst nichts. Na hervorragend. Ich putzte die Seife ins Klopapier kramte mein Handdesinfektionsmittel heraus. Lange Rede kurzer Sinn: Nach Kontakt mit den Vermietern wurde aufgrund Straßenbauarbeiten das Wasser auf unbestimmte Zeit abgestellt. Hurra! Und ausgerechnet jetzt kündigte sich bei mir noch ein großes Geschäft an. Wie hätte der Komiker Otto gesagt: "Großhirn an Darm - verkneifs dir!" Und immer wieder faszinierend, zu was der Körper in der Lage ist. 🥳 Dazu sei gesagt, dass ich keinen Tropfen Wasser mehr im Zimmer hatte, denn die Trinkflasche war leer. Jetzt musste ich taktisch vorgehen: Zuerst die Kontaktlinsen (hoffentlich brennt das Desinfektionsmittel nicht), danach erst die Sonnencreme, zum Schluss nochmal aufs Klo (klein) und mit dem letzten Rest der Spülung wenigstens ein bisschen Wasser darauf. 😅

Ich holte mir im Supermarkt noch eine Flasche Wasser für meine Wanderung und schlug den Weg Richtung "Heimaklettur" ein, den Hausberg von Heimaey. Er steht direkt am Hafen und wacht über die Stadt. Lt. Beschreibung soll der Anfang etwas tricky sein, aber ich wollte es mir zumindest anschauen. Umdrehen konnte ich immer noch.

Am Ufer faszinierten mich zuerst die Möwen - Meins meins meins meins meins! 😃

Dann begutachtete ich das erste Stück des Weges. Leitern überbrückten die Klippen. No risk no fun - Carlos hüpfte voraus. 

Von oben sah das Ganze dann so aus:

Es war nicht so wild, wie es anfangs aussah. Die Leitern waren in guten Zustand und stabil, die Übergänge waren mit Ketten gesichert, an denen ich mich gut festhalten konnte. Was mir mehr Sorgen machte, war der Himmel, der sich recht schnell zuzog. Die App hatte zwar trocken vorhergesagt, aber wir wissen ja, wie "gut" das manchmal zutrifft. Ich entschloss mich trotzdem weiterzugehen. 

Ein junger Kerl kam mir schwer atmend und oben ohne entgegen. Er hatte eine Art Rucksackgestell an, auf dem eine Autobatterie festgeschnallt war. Wir grüßten uns und er stapfte nach unten. Ich machte immer wieder Pause, genoss die Aussicht, beäugte die Wolken und hatte irgendwann die Puffins entdeckt. Je länger ich schaute, desto mehr sah ich. Natürlich musste ich wieder Fotos machen, ich kann an denen einfach nicht vorbeigehen. 😁 Und plötzlich sah ich den Kerl von vorhin wieder keuchend nach oben gehen. Als er mich eingeholt hatte, sprach ich ihn an, wie oft er den Berg denn heute besteigen würde. Er erzählte, dass er für den Flughafen arbeitet und er mit einem Kollegen, der noch oben ist, die Batterien von der Signalleuchte austauchen darf. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, reißt sich keiner um den Job, dieses Mal hatte es ihn getroffen. 🤭 

Nach dem Weg, der anfangs an den Klippen entlang aufwärts führte, kam ich auf eine Wiese, die bald zu einem gut begehbaren Grat wurde, der zum Gipfel führte. Rechts und links waren die Grashänge, in denen die Puffins saßen. 🥰 Und der Ausblick vom Gipfel war ein Traum:

Anfangs war ich ganz allein, setzte mich auf einen Felsen und machte Brotzeit. Ich beobachtete die Schafe, Möwen und Puffins. Dann kramte ich mein kleines Stativ aus dem Rucksack und machte noch ein paar Selbstauslöserbilder. Gar nicht so schlecht geworden, oder?

Okay, ich gebs zu, ein paar Anläufe hats gebraucht - 10 Sekunden sind dann doch nicht so lange, wie man denkt, wenn man erst über ein paar Grasbüscheltreppen nach unten hüpfen muss. 😅

Nach einer Stunde machte ich mich auf den Rückweg. Natürlich nicht, ohne nochmals bei meinen Lieblingsvögeln stehenzubleiben.

Zum Schluss warteten wieder die Leitern, sieht von oben schon lustig aus.

Danach stattete ich der kleinen Kirche in der Nähe vom Hafen noch einen Besuch ab. Sie ist nicht so alt wie sie aussieht und ein Geschenk von Norwegen (?). Bin mir nicht mehr ganz sicher. Aber sie ist ganz hübsch anzuschauen.

Ja, und dann schickte ich drölfzig Stoßgebete zum Himmel, dass das Wasser in der Unterkunft wieder laufen würde. Die Bauarbeiter waren noch da, aber es sah so aus, als würden sie das Loch in der Straße gerade wieder zuschütten. Erster Weg ins Bad, Luft vor Anspannung anhalten und - Wasser marsch! 🙂🙃 Wie abhängig wir doch von diesen Dingen, sei es fließend Wasser oder Strom, geworden sind. 

Einmal rund um die Insel Heimaey

Mittwoch, 16.07.2025

Tag 2 - 14.07.25

Ich wachte von selbst gegen 5.30h auf und sah durch den Vorhangspalt die Sonne blitzen. 🌞 Ein Blick in die Wetterapp - es war den gaaaaanzen Tag nahezu wolkenloser Himmel angesagt. Jippie! Voller Tatendrang sprang ich aus dem Bett, hatte Porridge mit Banane und Kaffee zum Frühstück und gegen 7h hüpften Carlos und ich los. 😉 Es war warm genug für ein dünnes, langärmeliges Shirt - Fleece- und Windjacke blieben den ganzen Tag im Rucksack. Ich machte mich auf den Weg zum Vulkankrater Eldfell, den es erst seit 1973 gibt. Hier hatte sich nachts völlig unerwartet die Erde geöffnet und spuckte Feuer, und die ca. 5300 Einwohner wurden im Schlaf überrascht. 😳 Es gab wohl nur ein Todesopfer, alle anderen konnten evakuiert werden. Die Lava verschüttete den Ostteil des Ortes Heimaey. Hier kann man heute entlangwandern. Immer wieder stehen Schilder mit Bildern und der Geschichte des Hauses, das an dieser Stelle stand, bzw noch immer verschüttet unter der Lava liegt. Auch Straßenschilder wurden wieder aufgestellt.

Ich hatte immer wieder Gänsehautmomente. 🥺 In den nächsten Blogbeiträgen folgen weitere Geschichten und Information über den Ausbruch. Auf dem Bild unten sieht man rechts den erloschen geglaubten Krater Helgafell. Links ist der breitere Krater des Eldfell und im Vordergrund der grün bewachsene Lavastrom. An den Häusern sieht man, wie nah der Ausbruch an dem Ort war.

Ich ließ das Lavafeld hinter mir und erklomm den 200m hohen Krater. Ein Weg führte mich in eine Sackgasse. Irgendwann war die Lavaasche so locker, dass ich mit einem Schritt vorwärts einen halben Meter nach unten rutschte. 😅 Und nachdem ich gefühlt den halben Eldfell in meinen Schuhen hatte, drehte ich um und nahm einen anderen Weg, der mich auch zum Ziel führte. Der frühen Beate gehört der Krater ganz alleine. 😃🥰 Bei strahlendem Sonnenschein wurde ich mit einem traumhaften Ausblick über die ganze Insel belohnt. Momente, die im Herzen bleiben! ❤️ Ich verspürte eine so große Dankbarkeit, dass mir ein paar Tränen in die Augen stiegen. Dankbar, dass ich die Reise angetreten habe, auch alleine. Dankbar für die Schönheit unserer Erde, und dass ich sie erkunden darf. Dankbar, dass mich meine Füße tragen. Dankbar, dass ich bin! 💫

Ich machte drölfzig Fotos, auch ein paar Selbstauslöser. Wer sieht den Carlos neben mir sitzen? 😁🥰

Ich war bestimmt 30 min oben und genoss die Aussicht. Als die ersten Leute oben ankamen und ich weitere geführte Gruppen kommen sah, machte ich mich an den Abstieg. Ich hatte beschlossen, das schöne Wetter zu nutzen und zu Fuß die ganze Insel zu umrunden. Da hatte ich noch ein bisschen Weg vor mir. 😅

Ich schlug den Weg Richtung Klippen ein, wunderte mich über dieses Schild,

das an einem Wanderweg sehr vertrauenserweckend daherkommt 🤪, und kam kurze Zeit später an einen kleinen Friedhof. Ein Schelm, wer einen Zusammenhang herstellt. 😉

Anhand der Namen und Geburts- und Sterbedaten auf den Schildern an den Kreuzen erkannte ich, dass es ein Tierfriedhof ist. Auch das rührte mich sehr. An manchen Kreuzen hingen die Halsbänder oder Spielzeuge. Ein schöner Ort für die geliebten Haustiere.

Ich setzte meinen Weg fort und dank komoot (wieder unbezahlte Werbung) fand ich den Weg, der an den Klippen entlangführte. Mit der Beschilderung der Wege habens die Isländer nicht so sehr. Nach dem kleinen Flughafen entschied ich mich für den einfacheren Weg, der um den Berg herumführte. Und wieder kam ich an einen wunderschönen Ort. Auf einem Lavabrocken wurden unzählige, meist weiße, Engelsfiguren platziert. Sooo schön, ein richtig magisches Fleckchen. 🥹 Hier ein kleiner Teil des Felsens. Und der Engel mit dem Stern hatte es mir besonders angetan. 🥰

An der Südspitze der Insel gings nochmal steil nach oben. Es war soooo warm! 🥵 Ein Satz, den man vom Islandurlaub nicht so oft hört. 😅 An den Grashängen über den Klippen entdeckte ich sie zum ersten Mal: Meine Lieblingsvögel, die Papageientaucher. Weils kürzer ist benutze ich den englischen Namen, Puffin.

Da waren so viele. Oft sitzen sie vor ihren Nesthöhlen und bewachen die Eingänge. Die Höhlengänge sind 1-2 Meter lang in die Wiese gegraben und oft am Ende vor der Nestkammer gebogen. Dort liegt meistens nur ein Ei pro Brut. Bis Anfang Juli schlüpfen die grauen Küken, ab Mitte August verlassen sie nachts das Nest und fliegen aufs Meer. Ab da sind sie auf sich alleine gestellt. Sie bleiben 1-3 Jahre nur auf dem offenen Meer, nach und nach verschwindet das graue Gefieder, der Schnabel bleibt jedoch grau. Erst die erwachsenen Vögel bekommen den größeren bunten Schnabel und der ist auch nur während der Brutzeit so leuchtend. Danach verblasst die Farbe, indem eine Hornschicht abgestoßen wird. Und die Partner sind ihr Leben lang monogam. Sehr faszinierende Tiere.

Nach einer Mittagspause, währenddessen ich die Puffins und Möwen beobachtete, machte ich mich auf den Rückweg. Es war ein wunderschöner einfacher Wanderweg an den Klippen entlang.

Am Ende des Weges erwartete mich der Elefantenfelsen. Warum er so heißt? Und wann er wohl das Meer leergetrunken hat? Seht und beurteilt selbst:

Nach ca 20 km und 9 Stunden später kam ich erschöpft, aber glücklich wieder in meiner Unterkunft an. Danke, lieber Wettergott, für diesen grandiosen Tag!

Island, ich koooomme!

Mittwoch, 16.07.2025

Tag 1 - 13.07.25

Ja, diese Insel lässt mich nicht los. Und eigentlich will ich auch noch gar nicht losgelassen werden. 😉 Es ist so ein tiefes Gefühl für dieses Fleckchen Erde - gefühlt setze ich den Fuß auf diese Insel und bin glücklich. Klar nehm ich mich selbst, mit all meinen Stärken, Schwächen, Selbstzweifeln usw mit... Wäre tatsächlich spannend herauszufinden, wie es wäre, wenn ich mal länger am Stück hier verweilen würde. 😁

Wer begleitet mich dieses Mal? Nur ich mich selbst. Wir kennen uns ja nun schon ne ganze Zeit und kommen mittlerweile ganz gut miteinander klar. 😅 Nein, im Ernst. Ich glaube nicht, dass ich Probleme mit dem Alleinsein bekomme. Bisschen schiss hab ich eher davor, in Situationen zu kommen, in denen ich mich gerne beraten würde oder Hilfe bräuchte. Sei es eine Autopanne oder Krankheit oder... Aber ich denke mal gaaaaanz positiv! Es wird GROßARTIG werden! Und jaaaaa, Carlos, ganz alleine bin ich natürlich nicht. Ich freue mich, dass du mich begleitest. 🐸

Nach ca 2,5 Std Schlaf kamen wir um 4.15h am Flughafen an. Noch ein gemeinsamer Kaffee, dann verabschiedete ich mich. Danke, Mischi, fürs Bringen. 😘 Uuuuaaah, es ging los! 😁

Das Flugzeug startete pünktlich (Platz 7A - wo sind die Fitzek-Fans? 🤣), ich konnte noch ein wenig schlafen, und wir landeten sogar 20 min früher als geplant. So bekam ich ohne langes Warten das Shuttle von der Mietwagenfirma und hatte gegen 10h den Autoschlüssel in der Hand. Ein weißer Toyota Yaris ist ab jetzt mein zweiter Begleiter. (Unbezahlte Werbung 😅). Ich fühlte mich ein wenig zittrig, war hundemüde und blieb erstmal im Auto sitzen, um runterzukommen. Und natürlich regnete es. 😆 Island hat mich tatsächlich erst 1x mit Sonnenschein empfangen. Aber so ist sie eben, meine Lieblingsinsel. 

Auf der Fahrt nach Reykjavik brauchte ich wieder ein bisschen, bis ich verstand, wie der Tempomat und Abstandsassistent funktioniert. Warum, lieber Autohersteller, ist das bei jedem neuen Yaris wieder anders?! 😠

Ja, und dann stand ich vor ihr, der Hallgrims-Kirche. 🥰 Der Moment, auf den ich mich schon seit meiner letzten Abreise von Island gefreut hatte. Jedes Mal wieder ein Freudentränchen im Auge. JETZT war ich angekommen. 

Ich wollte mein obligatorisches Kerzchen anzünden, aber es war gerade Gottesdienst. Also zuerst etwas durch die Straßen schlendern. Mittletweile tröpfelte es nur noch. Der zweite Weg führt nämlich immer zum Souvenirsladen, in dem Ofelia wohnt. Seit 2019 besuche ich sie regelmäßig und tatsächlich habe ich jedes mal Angst, dass sie nicht mehr da sein könnte... Aber da lag sie. 😍

Lt dem Schild gehört sie den Nachbarn, zieht es aber vor, Tag und Nacht (?) auf den Decken des Ladens zu verbringen. Ich liebe den eigenen Kopf der Katzen! 😃

Danach stattete ich dem Opernhaus einen Besuch ab. Die Bauweise ist sehr originell, je nach Lichtverhältnissen schillern die Waben in anderen Farben.

Lustigerweise lag in nem anderen Souvenirsladen auch eine Katze. Und paar Meter weiter trohnte eine auf nem Autodach. Ich liebs! 😁

Dann zurück zur Kirche, die Kerze angezündet, an der Tankstelle noch ein Wasser und ne Cola gekauft und weiter gings nach Landeyahöfn. Das ist der Hafen, von dem aus die Fähre zu den Westmännerinseln geht. Die Inselgruppe, von der nur eine Insel bewohnt ist, liegt südlich von Island, die Überfahrt dauert ca. 40 min. Ich wollte dieses Mal unbedingt hin, weil ich schon so viel Schönes darüber gelesen habe. Die ersten vier Nächte wollte ich dort verbringen. Zugegeben, ich hatte einen heiden Respekt davor, mit dem Auto auf die Fähre zu fahren. Ich überlegte sogar kurz, das Ganze wieder zu canceln und umzuplanen. 🙈 Aber nein, bekanntlich wächst man mit seinen Aufgaben, also Augen zu und rein - oder so ähnlich. 😅 

Es waren einige Autos und Wohnmobile, die auf die Insel wollten. Als die Fähre kam, hätte ich nicht gedacht, dass auf dieses kleine Schiff so viele Autos passen. 😳 Als der Bug nach oben geklappt wurde, sah ich, dass die Autos innen auf zwei Ebenen standen. Abenteuerlich sah es aus, als die Rampe des oberen Decks, auf der ebenfalls Autos standen, nach unten fuhr... Bitte lieber Gott, lass mich unten stehen, dachte ich mir noch. Hm, nicht alle Stoßgebete werden erhört. Natürlich stand ich oben und war das zweite Auto - auf der Rampe. 🤣 Bei meinem alten Audi hätte ich die Handbremse bis zum Anschlag, und noch ein Stückchen weiter, angezogen. Bei den neuen Autos ist ja alles elektronisch. Zig mal zog ich die kleine Taste nach oben und sie leuchtete auch brav. Aber war das jetzt alles, was ich tun musste und konnte, dass sich das Auto bei Wellengang nicht vom Fleck bewegt?! 🤯😱  Ich ging an Deck, als wir losfuhren und ja, es schaukelte ganz schön bei der Überfahrt. Grds lieb ichs ja, nur entspannen konnte ich mich nicht. 😅 Bei jeder Durchsage hatte ich Angst, mein Kennzeichen zu hören.

Ich entdeckte einige Delfine und ein kleiner Wal müsste auch dabei gewesen sein. Der Rücken war für einen Delfin zu groß. 🤩

Muss ich erwähnen, wie schrecklich es war, als die Rampe nach unten gefahren wurde und wir gefühlt senkrecht in der Wand standen?! 🤣 Ich glaube, ich stand noch nie so fest auf der Bremse, wie da. Aber alles ist gut gegangen - Auto heil wieder von der Fähre bekommen. 🙏

Meine Unterkunft ist direkt am Hafen - und sieht von außen nicht sehr einladend aus... Die Bilder im Netz müssen etwas älter sein. 🤪 Mein Zimmer ist zwar einfach, jedoch sauber und die Matratze bequem. Und neben einem Wasserkocher hab ich sogar einen kleinen Kühlschrank, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Jippie! 

Nach einer Tüte Nudelsuppe fiel ich um 20h ins Bett. Was für ein langer, aufregender und erfolgreicher Tag! 

Benzin, Lehm, Sonne und Regen - von allem etwas!

Samstag, 19.04.2025

Tag 10 - 24.06.2024

Heute stand ein Ausflug auf dem Programm, auf den ich mich mit am meisten gefreut hatte. Wir hatten eine Tour nach "Kerlingafjöll" gebucht. Schon mehrmals hatte ich Fotos von diesem Gebiet im Hochland gesehen und mir gewünscht, mal diese Wege und Treppen entlang gehen zu können.

Natürlich regnete es, als wir losfuhren. 😥 Treffpunkt mit dem Guide Ragnar und einer achtköpfigen Gruppe war um 9.30h am Parkplatz des Wasserfalls "Gullfoss". Wir begrüßten uns und der Guide gab uns noch 20 Minuten Zeit für Toiletten und den Souvenirshop. Sophie und ich kauften uns einen Tee und ich erledigte noch ein dringendes Geschäft. Zum Glück hatten wir genug Zeit. Als wir um 9.45h gemütlich zum Parkplatz schlenderten und in den Bus einstiegen, waren wir verdutzt, dass schon alle drin saßen und auf uns warteten. "Wo ward ihr denn", fragte mich eine Holländerin auf Englisch, "Treffpunkt wäre vor 10 Minuten gewesen. Der Guide hat sogar versucht euch anzurufen." Oh Gott, wie peinlich, wir hatten wohl irgendwie die Uhrzeit falsch verstanden. 😳 Beim ersten Stop entschuldigten wir uns bei Ragnar und der lachte: "Alles okay. Ich dachte schon, ich war euch unsympathisch und ihr seid wieder nach Hause gefahren." Zum Glück nahm er es mit Humor. 

Wir fuhren über sehr schlechte Straßen ins Hochland hinein. Es rumpelte und schaukelte. "Der Schnee ist noch nicht lange weg", erklärte Ragnar, "deswegen ist die Straße noch so schlecht. Sie wird für die Hochsaison noch ausgebessert, seht ihr die Bagger?" Er hielt kurz an, denn neben der Straße kam uns eine Herde Pferde entgegen. Es waren Reiter dabei und ich glaube sogar ein Hund, die die Pferde zusammenhielten.

Bei einem kleinen Wasserfall machten wir einen Fotostop, aber es windete und regnete quer, so dass wir nach einem kurzen Blick wieder ins Auto huschten. Ragnar startete den Motor und fluchte kurz und leise. Wir hatten es dennoch verstanden - der Tank war fast leer. 

Mit dem letzten Tropfen Benzin kamen wir im Hochlandcamp von Kerlingafjöll an. Dort warteten wir bestimmt 45 Minuten, bis Ragnar geklärt hatte, dass er vom Tank des Camps Bezin abzapfen durfte. Sonst hätten wir auf einen Bus warten müssen, der erst aus Reykjavik losfahren müsste. "Eigentlich muss derjenige, der das Auto zurückbringt, volltanken. Das ist nicht passiert. Und ich habe heute Früh beim Losfahren nicht darauf geachtet. Zwei dumme Fehler. Aber das ist Island, wir helfen zusammen. Der Mitarbeiter vom Camp hat nur ein Foto von mir und unserem Nummernschild gemacht. Die Agentur wird das Geld überweisen." Puh, Glück gehabt.

Wir stiegen wieder ein und fuhren nochmal circa 15 Minuten bergauf weiter in die Inselmitte. Und dann lag es vor uns. Das rotgefärbte, dampfende Gebiet Kerlingafjöll. Mein Herz und meine Gefühle schlugen Purzelbäume. Es war gerade trocken und der Wind blies die Wolken stellenweise immer wieder fort, so dass wir in den nächsten eineinhalb Stunden eine Mischung aus blauem Himmel, aber auch immer wieder Regen hatten. Sehr verblüffend, wie oft und schnell sich das Wetter änderte. Wir wussten erst gar nicht, welchen der Wege wir nehmen sollten. Über einen kochenden kleinen Fluss führten mehrere Brücken, hier und da schmatzte der Schlamm neben dem Weg, weil das Wasser in ihm siedete. Wir liefen auf nassem Lehm, der an den Schuhen kleben blieb. Schon bald waren wir alle ein paar Zentimeter größer und lachten herzlich darüber. Ich wollte auf einen Berg und erklomm die Treppen, drehte aber bald um, weil mir der Wind derart stark entgegebenblies, so dass ich Angst hatte, den Halt zu verlieren. Bloß nicht ausrutschen, war die Devise. Als uns die Sonne etwas länger mit ihrer Anwesenheit erfreute, waren wir dermaßen glücklich, dass wir es laut in den Himmel riefen. Es war wie ein Rausch und plötzlich war die Schwelle zwischen lachen und weinen ganz nah. Weinen vor Glück und Dankbarkeit. 

Als es Zeit wurde zurück zum Auto gehen, wuschen wir unsere Schuhe so gut es ging in einem Seitenarm des Flusses. Das Wasser war hier angenehm war, kochte aber nicht. 

Auf dem Weg nach oben zum Parkplatz, zog es wieder zu und der Wind wurde unglaublich stark. Das macht das Hochland so unberechenbar. Eben noch sonnig, jetzt stürmisch und kaum waren wir im Bus, gab es einen Wolkenbruch. Gerade noch rechtzeitig geschafft. Ragnar erzählte uns, dass es mehrere hunderte Wörter für Regen, Schnee und Wind in der isländischen Sprache gibt. Leider gehen diese langsam verloren, nur die älteren Einwohner würden noch viele kennen. Beispielsweise gibt es lauter extra Namen für "Wind, der vom Meer kommt", "Wind, der vom Land kommt", "Leichter Wind", "Starker Wind", "Sturm", "kleine Schneeflocken", "große Schneeflocken", "Hundetatzengroße Schneeflocken" usw. Sehr interessant.

Wir holperten zurück zum "Gullfoss" und erwischten eine Regenpause, damit sich Sophie auch diesen tollen Wasserfall noch anschauen konnte. 

Anschließend machten wir noch einen Stop beim Geysir "Strokkur", den ich bereits in einem früheren Blogbeitrag beschrieben habe.

Glücklich und beseelt kamen wir zurück in unser Apartment. 

Shit happens 😉😅

Mittwoch, 24.07.2024

Tag 9 - 23.06.24

Wir atmeten auf - die Wiesen waren noch grün! 🙏 

Das Auto war bald beladen und bei leichtem Regen traten wir wieder die Reise in den Süden an - genau die gleiche Strecke, die wir gekommen waren.

Leider sahen wir ein totes Lämmchen am Straßenrand, für das ein Autofahrer wohl nicht mehr ausweichen konnte 😥, und ich überfuhr einen größeren weißen Vogel, der auf der Straße saß. Erfahrungsgemäß fliegen die Vögel auf, wenn man mit dem Auto ankommt, dieser hatte es noch versucht, war aber zu langsam. PATSCH machte es, und ich sah im Rückspiegel die Federn fliegen. Kein schönes Gefühl. 😭 Als wir ein paar Stunden später Pause an einer Raststätte machten, sahen wir, dass noch Federn vorne unterhalb der Kühlerhaube hingen. Am Waschplatz, den es an fast jeder Tankstelle gibt, machten wir mit dem Besen, aus dem Wasser kommt, das Auto sauber. Dabei stellten wir fest, dass da kein Teil vom großen Vogel hing, sondern ein kleines Vogelbaby, das noch gar nicht alle Federn hatte. 🤢 Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie und wann das da hinkam... 😵‍💫

Nach acht Stunden erreichten wir ohne große weitere Zwischenfälle unser nächstes kleines Apartment an der Südküste. Wir kamen genau rechtzeitig an, um das EM-Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft anschauen zu können. Ich zappte durch über 100 Programme, von denen zwei Drittel nicht mal freigeschalten waren. Nichts. Sophie rief bei den Gastgebern an und die Vermieterin war sehr hilfsbereit. So hantierten wir nach ihrer Anweisung mit den zwei Fernbedienungen des TVs und Recievers, aber keine Chance. Highlight war, dass Sophie den isländischen Text vorlesen sollte, der am Bildschirm erschien. 🤣 Da Isländisch zu den schwersten Sprachen zählt und einige Buchstaben hat, die es bei uns nicht gibt, scheiterte Sophie kläglich und wir lachten fast Tränen. Die Vermieterin schickte uns einen jungen Mann vorbei, der den Sender aber auch nicht fand. So hörten wir uns das Spiel im Internetradio an. Der Live-Stream von ARD/ZDF ist leider in Island nicht verfügbar und mit VPN usw. kennen wir uns gar nicht aus.

Um 21.30h klopfte es an unsere Tür. Die Vermieter waren da und die Frau meinte, dass ihr Mann ein Technikspezialist wäre. Ob er sich den TV schnell anschauen dürfte. Klar. Er kam rein und stand mit den Straßenschuhen direkt vor unserem Bett. Gefühlt drei Mal rumgedrückt - und das Programm mit den EM-Übertragungen lief. Wir waren davor auf dem richtigen Weg gewesen und quasi nur einen Klick entfernt, scheiterten aber eben genau an dem isländischen Hinweisfeld. 🤪

Wir bedankten uns und Sophie meinte, als die beiden weg waren, dass der Mann nicht mal die Schuhe ausgezogen hatte. Dabei ist das auf Island üblich - steht in jedem guten Reiseführer - dass IMMER die Schuhe an der Tür ausgezogen werden (sollen). In den Unterkünften weisen oft auch Schilder darauf hin. "Hey, der hat echt Dreck reingebracht", meinte Sophie dann und wischte mit dem Finger durch den vermeintlichen Erdfleck und roch daran. "NEIN, das ist Hundescheiße!" Was eine Situationskomik! 😂😂 Ich lachte Tränen, während es mich immer wieder würgte, weil ich auch eine Nase voll erwischt hatte. 🙊 Sophie eskalierte mit Putzen - es war aber auch wirklich ekelig!

Müde fielen wir danach ins Bett. Der Tag war anstrengend, obwohl oder weil wir fast nur im Auto saßen. Wir freuten uns auf den nächsten Tag, da eine tolle Wanderung auf dem Programm stand. 🙂

Dies und Das - Zwei Ruhetage

Sonntag, 21.07.2024

Tage 7 und 8 - 21./22.06.24

Als ich am Freitag das erste Mal auf die Uhr blinzelte, war es 11.30 Uhr. Auch Sophie wurde erst langsam wach. Der Schlaf war wohl notwendig. 😅

Wir frühstückten gemütlich und begutachteten den komplett bedeckten Himmel. Aber es war trocken und Sophies Wetterapp bestätigte, dass das auch so bleiben sollte. Also beschlossen wir, zu Fuß in die Stadt runterzulaufen. Zum Einen wollten wir uns dort etwas umsehen, uns beim Touren-Veranstalter ins WLAN einloggen, und dann noch im Supermarkt die Vorräte aufstocken.

Wir brauchten fast 1,5 Stunden, bis wir in Isafördur angekommen waren. Davor hatten wir noch Bekanntschaft mit den Seeschwalben gemacht. 😱 Was für aggressive, hinterhältige Vögel! Okay, wir hatten das Hinweisschild übersehen, aber wir waren auf dem geteerten Fußweg und zu keiner Sekunde auch nur in der Nähe eines Nestes der Bodenbrüter. Erst flogen nur einzelne Seeschwalben hoch, aber plötzlich wurden es immer mehr und sie griffen uns tatsächlich an. Immer taktisch klug von hinten, so dass man sie erst kurz vorher flattern hörte. Und tatsächlich berührten mich auch zwei am Kopf. Keine Ahnung, ob das Schnabel oder Füße waren. Ich trug eine Mütze und es tat auch nicht weh. Unheimlich wars trotzdem, so dass ich zu einem kurzen Sprint ansetzte. 😆

Um unerkannt zu bleiben, tragen sie Sturmhauben. 😉 Eigentlich sehen sie ganz putzig aus, aber mir sind bisher keine aggressiveren Vögel begegnet. 

In Isafjördur war es sehr ruhig, uns begegneten kaum Leute. Deshalb fanden auch noch keine oder nur wenige Touren statt. Sehr gerne hätten wir Whale-Watching 🐋 gebucht, aber sämtliche für uns in Frage kommende Touren waren mangels Teilnehmer abgesagt. Am Vortag wars bestimmt voller, da zwei Kreuzfahrtschiffe im Hafen waren.

Wir schlenderten zum Tourenladen und loggten uns kurz ins WLAN ein. Mein Handy funktionierte ohne Probleme. Nach dem Einkauf marschierten wir zurück. Wir waren über vier Stunden unterwegs, so dass es in der Hütte schon Zeit zum Abendessen war.

Am Samstag brachen wir in schallendes Gelächter aus, als wir nach dem Aufwachen auf die Uhr sahen: 12.15 Uhr. 🤣 Dabei sind wir gar nicht so spät ins Bett gegangen. Der Regen tropfte gleichmäßig aufs Dach, es war also ein kompletter Ruhetag angesagt. Sophies Wetterapp sagte für Sonntag 2 Grad und Schneeregen voraus. Halleluja, damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Wir schickten ein paar Stoßgebete nach oben, dass es beim Regen bleiben würde.

In einem Schränkchen fanden wir Spielkarten und ich brachte Sophie das Watten bei. Das Glückskind hatte doch tatsächlich sofort ein Abo auf den Herz-König... 🤪

Wir fanden auch zwei Fotoalben, die die Geschichte der süßen Hütte zeigten. In den 30ger Jahren wurde sie von den ansässigen Pfadfindern gebaut. An den Wänden hingen einige Gruppenfotos aus der damaligen Zeit. In den 2000ern wurde die Hütte komplett saniert, das kleine Bad wurde angebaut und rundherum eine Holzterrasse gezimmert. Dieses kleine Häuschen könnte wahrscheinlich so manch spannende Geschichte erzählen.

Kurz erinnerten wir uns auch an das sehr nette Pärchen aus der Nähe von Stuttgart, die wir am Hinflug kennengelernt hatten. Wo auf der Insel sie wohl gerade waren? Sie schüttelten wie wir den Kopf über die Fluggäste am Münchner Flughafen, die scheinbar auf ihrem Ticket keine Sitzplatznummer hatten und deshalb sofort zum Check-In sprinten und dort drängeln mussten. Okay, es kommt ja aber tatsächlich nicht immer jeder in den Flieger rein... *Ironie aus* Wir vier waren also tatsächlich die Letzten, die das Flugzeug betraten und kamen so ins Gespräch. Sie waren letztes Jahr im März auf Island, da war noch alles schneebedeckt. Und dieses Mal wollten sie die Insel auf der Ringstraße im Uhrzeigersinn komplett umrunden. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge und mussten lachen, dass sie tatsächlich genau in der Reihe vor uns saßen. 

Mein Handy-Display machte sich auch wieder bemerkbar, allerdings sah ich, dass der "Helligkeitsbalken" tatsächlich von alleine hin und herfuhr. Das machte mir Hoffnung, denn wenn das Display kaputt wäre, würde es wohl einfach so flackern, ohne dass sich der Balken bewegen würde. Am Abend probierte ich einen Neustart und TADAAA, meine mobilen Daten waren plötzlich wieder da. Ich googelte mein Handyproblem und wurde tatsächlich fündig. Nachdem ich die Tipps befolgt und ein paar Einstellungen geändert hatte, war das Problem bis heute nicht mehr aufgetreten. 🙏

Wir packten unsere Taschen, da wir am nächsten Morgen relativ früh loswollten. Schlafen gingen wir mit der Vision und Manifestation, dass die Wiesen um uns herum auch am nächsten Morgen noch grün sein würden! 💫

Lauter schräge Vögel

Samstag, 20.07.2024

Tag 6 - 20.06.24

Für Donnerstag war durchgehend Sonnenschein vorhergesagt, so dass wir gegen 7 Uhr bereits Richtung Latrabjarg, dem Vogelfelsen und westlichsten Punkt von Island, aufbrachen. 

Spannend wurde es gleich drei Minuten, nachdem wir losgefahren waren. Wir kamen in einen einspurigen (!) Tunnel. Rechts waren in regelmäßigen Abständen Ausweichbuchten in den Fels gehauen, was bedeutete, dass ich, sobald ich entgegenkommende Lichter sah, in die Bucht fahren musste, da die andere Richtung Vorfahrt hatte. 😅 Komisches Gefühl! Zum Glück kam uns nur ein Auto entgegen und ich war froh, als wir durch waren. Kurz danach hatten wir diese Ausblicke:

Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, wie sehr ich diese Landschaft liebe?! 😉

Der erste Stopp sollte beim Wasserfall Dynjandi sein. Das wäre letztes Jahr unser Ziel für den Tagesausflug gewesen. Auf dem Weg dorthin tauchte plötzlich ein Wal neben uns im Fjord auf und blies seinen Atem in die Luft. "Beate, da schwimmt was! Ich werd wahnsinnig!", schrie Sophie los. Ich hatte es auch gesehen, aber leider konnten wir nicht anhalten. Kurz vor 8 Uhr erreichten wir den Wasserfall, der meiner Meinung nach zu den schönsten in Island zählt. Wir waren das zweite Auto am Parkplatz und erklommen mit einem jungen Pärchen den Wanderpfad nach oben. Bald waren wir nur noch zu zweit. "WIR SIND GANZ ALLEINE HIIIIIIER!!!!!", schrie ich den tosenden Wassermassen entgegen. Wir sprangen und tanzten - Glücksgefühle pur! 🥰

Nach und nach füllte sich der Parkplatz unter uns und mehrere Reisebusse spuckten unzählige Leute aus. Zeit für uns, dieses wunderschöne Naturschauspiel zu verlassen.

Wir fuhren nun auf der Straße 60 Richtung Süden. Das wäre die Strecke gewesen, die uns Googlemaps ursprünglich am Vortag vorgeschlagen hatte. Und wir waren so dankbar, auf unser Gefühl gehört zu haben:

Auf dem Foto ist die ungeteerte Straße zu sehen, die gut befahrbar war. Kaum Schlaglöcher und lose Steine. Aber das war nicht immer so. Bei Regen und Nebel hätte ich hier nicht unbedingt fahren wollen. Und auch letztes Jahr wären wir mit unserem "tieferen" Auto nur sehr langsam vorangekommen. Also zu jedem Zeitpunkt alles richtig gemacht. 😅 Wir kamen auch an einer Baustelle vorbei, wo mehrere Bagger die Schotterstraße ausbesserten. Wir wussten nicht, ob wir durchfahren durften, es gab weder Ampel noch Absperrungen. Also rollten wir langsam zum ersten Bagger und Sophie fragte, ob wir fahren dürfen. "Yes, go on!", war die Antwort und wir schlängelten uns vorsichtig zwischen den schweren Maschinen hindurch. 

Irgendwann wars wieder geteert und wir kamen schneller voran. Unter anderem mit diesem Ausblick:

Die letzten ca. 40 km bis zu den Vogelfelsen gings wieder über Stock und Stein. Die Straße war zum Teil richtig schlecht, mit vielen losen Steinen und Schlaglöchern. Zum Teil auch sehr eng, wenn ein Fahrzeug entgegen kam. Ich war froh über den Vierradantrieb und dass unser Auto die Schlaglöcher relativ geschmeidig nahm, wenn ich ihnen nicht mehr ausweichen konnte. Nach ca. 4 Stunden und mit einem sehr staubigen Auto hatten wir unser Ziel erreicht.

Am meisten freuten wir uns auf die Papageientaucher, die an diesen Klippen gehäuft vorkommen sollen. Es waren einige Leute unterwegs, zum Teil mit riesigen Objektiven. Schon bald wehte uns der "Duft" der angeschi..enen Felsen entgegen. Lecker! 🤪 Wir sahen viele viele Vögel in den Wänden sitzen, es war ein hin und her Geflatter und lautes Gekreische. Wenn wir länger aufs Meer schauten, konnten wir weitere unzählige Punkte auf dem Wasser entdecken. Aber - keine Lundi, so heißen die Papageientaucher auf Isländisch.

Wir wanderten weiter an den Klippen entlang und suchten uns nach einiger Zeit ein Plätzchen im Gras um zu picknicken und die Sonne zu genießen. Es war herrlich warm und windstill. Wir googelten, ob die Papageientaucher überhaupt schon in Island sind. Ja, ab Mitte/Ende Mai sind sie da - eigentlich - irgendwo - nur nicht hier. 😆 Den nächsten Fotografen, der vorbeikam, fragten wir, und bekamen die Info, dass die putzigen Vögel tagsüber auf dem Wasser sind, um zu fischen und nur morgens und abends an den Felsen wären. Okay, das erklärte alles. Wir beschlossen, noch zu bleiben, denn die lange Fahrt sollte sich doch auch rentiert haben. Also machten wir die Augen zu und lauschten den vielen verschiedenen Vogelstimmen. 

Gemütlich marschierten wir später zurück Richtung Parkplatz und plötzlich griff mich Sophie am Arm. Ca drei Meter von uns entfernt war ein Lundi auf dem Felsen gelandet. Wir waren hin und weg. Kurze Zeit später tippte mich eine fremde Frau auf die Schulter und zeigte mit dem Finger auf eine andere Stelle auf der Klippe. Dieser Papageientaucher war nur einen Meter von uns entfernt. Klick klick klick - mein Finger eskalierte auf dem Auslöser. Endlich hatte ich diese putzigen Gesellen mal so nah vor der Linse!

Danach wurde es recht windig und wir schlenderten zurück zum Auto. Bisschen lachen mussten wir schon: Tausende Vögel gesehen, aber nur zwei Papageientaucher. 😂

Wir eierten wieder über die Schotterstraße und machten nur ein paar kurze Fotostopps.

Ich war ziemlich erschöpft, als wir gegen 20 Uhr bei unserer Hütte ankamen. Dennoch stand die Mitternachtssonne auf unserem Programm. Müde verzog ich mich in mein Bett um mich auszuruhen, Sophie wollte mich gegen 23 Uhr wecken. Ich nahm Digicam und Handy mit nach oben, um schon mal ein paar Fotos aufs Handy zu laden. Plötzlich fing mein Handy-Display an zu spinnen, wurde dunkel und wieder hell und wieder dunkel. Ich erschrak, denn es wäre nicht auszudenken, wenn mein Handy im Urlaub kaputtgehen würde. Außerdem hatten sich im Laufe des Tages die mobilen Daten verabschiedet und ließen sich nicht wieder aktivieren. Ich machte das Handy aus und versuchte zu schlafen, was mir aber nicht so richtig gelang, weil das Gedankenkarussell sich drehte. 🙄 

Gegen 23.30 Uhr düsten wir warm eingepackt ca. 30 Minuten zu dem Aussichtspunkt, den Sophie im Internet entdeckt hatte. Wir waren nicht die Einzigen. Unter anderem waren auch einige Isländer mit einem Reisebus gekommen, die um 0.00 Uhr mit Sekt den Midsommer feierten. Es war eine wunderschöne, fast andächtige Stimmung da oben auf den Felsen. Es fasziniert mich immer wieder, wenn es nicht dunkel wird. Ich liebs!

Der Wind zerrte kalt an unseren Klamotten und die Finger wurden beim Fotografieren erst klamm und später eiskalt. Eine Weile schauten wir noch aus dem Auto auf das goldene Wasser, dann fuhren wir zurück. 

In der Hütte wars trotz Heizung relativ frisch, deshalb schlüpfte ich mit Fleecepulli ins Bett. Einerseits glücklich über diesen wunderschönen Tag, andererseits war ich beunruhigt wegen meines Handys.

Der wilde Westen

Montag, 15.07.2024

Tag 5 - 19.06.24

Wir verabschiedeten uns gegen 9 Uhr von unserem Häuschen und machten uns bei tiefhängenden Wolken und mäßigem Regen auf nach Isafjördur. Endlich standen die Westfjorde auf dem Programm. Sie sind weniger touristisch und "wilder" als der Rest der Insel. Hauptsächlich dafür haben wir uns auch für ein Auto mit Vierradantrieb entschieden, da die Straßen nicht überall geteert sein sollen. Bereits letztes Jahr hatte ich einen Tagesausflug in die Westfjorde geplant, es dann aber doch wegen schlechtem Bauchgefühl nicht gemacht. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich darauf gehört hatte. 😅 

Google-Maps schlug mir die Straße Nr. 60 (🥰😉) bis nach Isafjördur vor, mein mitgebrachtes Navi fand die Nr. 61 besser. Wir entschieden uns für die 61, schließlich passiert nichts einfach so, und hatten somit ca 5,5 Std Fahrt vor uns. 

Leider meinte es das Wetter nicht gut mit uns. Es regnete Bindfäden und die Wolken hingen so tief, dass wir überhaupt keine gute Sicht hatten. Dabei weiß ich, wie schön die Sicht in die Fjorde sein kann... Eine Weile fuhren wir auf der Ringstraße, der Nr. 1, bis es irgendwann links auf die Nr. 60 ging, die uns zur 61 bringen sollte. Die Straße wurde schmäler und schlängelte sich den Berg nach oben. Mit etwas Sorge beobachtete ich die Temperaturanzeige des Autos. Ich konnte zusehen, wie die Zahl bald einstellig und stetig noch kleiner wurde. Gleichzeitig wurde die Angst, dass es tatsächlich schneien oder die Straßen glatt werden könnten, immer größer. 😰 Den ersten Pass hatten wir bald überquert und es ging wieder nach unten in den nächsten Fjord. Sofort wurde es auch wieder etwas wärmer. Trotz des Wetters erkannten wir die unglaubliche Schönheit Islands. Im Regen leuchtet das Gestein nicht so bunt und trotzdem strahlt es irgendwie. Unerklärlich. 💫

Der nächste Pass, der vor der größeren Stadt Holmavik zu überqueren war, hatte es nochmal in sich. Das Thermometer zeigte 3 Grad und bereits die warnende Schneeflocke wegen Glätte an, die Wolken hingen quasi auf der Straße, so dass wir durch den Nebel fuhren, rechts und links nur Mondlandschaft - aber Gott sei Dank immer noch Regen und nur eine nasse und keine glatte Straße. 😅 Während des Passes waren wir ruhig und konzentriert, aber nachdem wir wieder unten waren, löste sich die Anspannung und wir schmetterten lauthals einige Lieder mit. 

Kurz darauf hörte es auf zu regnen und es klarte etwas auf, was unsere Laune gleich nochmal etwas steigerte. Hier ein paar Impressionen unserer Fahrt:

Gegen 16 Uhr kamen wir wohlbehalten in Isafjördur an und warteten auf unseren Gastgeber, der uns den Schlüssel für unser Häuschen brachte. Wir waren nur noch begeistert, wie schön die Hütte gelegen ist!

Unser Auto parkten wir oberhalb und dann gehts über das Brücklein und den Trampelpfad zur Hütte. Kein TV und kein WLAN. Heutzutage wirklich eine Seltenheit.

Nach einer kleinen Mahlzeit machten wir uns noch auf und erkundeten die Umgebung. Wir kletterten seitlich am Wasserfall hoch und liefen auf kleinen Pfaden durch den Wald zurück zu unserem Häuschen. Erst dachten wir, die Pfade wären zufällig entstanden, aber über jedes Bächlein führte eine liebevoll gebaute Brücke, es gab kleine Bänke und Tafeln, die die heimischen Bäume benannten. Wir waren entzückt. Kurz überlegten wir noch, ob wir auf einen halbstündig entfernten Aussichtspunkt fahren sollten, um die Mitternachtssonne zu sehen. Aber gähnend verschoben wir das auf den nächsten Tag, kletterten in den ersten Stock unters Dach und waren bald eingeschlafen. 😴

 

Auf den Hund und das Schaf gekommen

Donnerstag, 04.07.2024

Tag 4 - 18.06.24

Wir schliefen aus und frühstückten gemütlich. Auf dem Plan stand ein kleiner Spaziergang und anschließend ein Einkaufsbummel in Reykjavik. 

Kaum hatten wir das Haus verlassen, fing es an zu regnen. 🌧 Wir marschierten trotzdem ein Stück und ich zeigte Sophie unser Häuschen vom letzten Jahr. Da es nur noch leicht tröpfelte gingen wir weiter am See entlang und beschlossen kurze Zeit später, ihn ganz zu umrunden und somit von der anderen Seite wieder zu unserer Unterkunft zu gelangen. Auf halber Strecke kamen uns zwei Hunde entgegen, die uns von da an begleiteten. 🐶🐕 Der schon älter wirkende Hund drehte irgendwann um, aber der andere, wir tauften ihn Timmy, da er aussah wie der Hund von den "Fünf Freunden", blieb uns auf den Fersen. Bzw. lief auch voraus, aber kam immer wieder zurück oder wartete auf uns. Als er einmal weit voraus war und wir einen anderen Weg einschlugen, kam er sogar zurück als ich ihn rief. Sehr süß. 🥰 Das Wetter hatte gehalten und so starteten wir nach der Seeumrundung gut gelaunt Richtung Reykjavik. Ich wollte mir eine Regenjacke und eine typische isländische Schafwollstrickjacke 🐑 kaufen. Ich wurde fündig und bin echt happy über meine beiden Errungenschaften. Zuhause fiel mir auf, dass die Strickjacke innen noch total nach Schaf riecht. 🙊 Das hatte ich nicht erwartet und rümpfte kurz die Nase. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. 😅

Da es von diesem Tag kaum zeigenswerte Fotos gibt, kommt ein bisschen Tiercontent.

Unser Timmy:

Und Islandpferde - sagt niemals Ponys, das sind Pferde! 

Es hätte auch stürmen können

Mittwoch, 03.07.2024

Tag 3 - 17.06.24

Der Wecker stand auf 5.15h 🥱, denn um 5.45h gings schon los nach Reykjavik. Um 7.00h wurden wir an der Hallgrims-Kirche abgeholt, um nach Landmannalaugar zu fahren. Dieses Gebiet zählt zu den schönsten der Insel, und einen Besuch kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Man fährt über F-Straßen ins Hochland. Auf diesen ist Allradantrieb Pflicht und sie sind zum Teil wirklich in schlechtem Zustand: Schlaglöcher, sogenanntes Wellblech, matschig, sandig, Flussdurchquerung usw. Mit dem Mietwagen traute ich mir das nicht zu, vorallem auch, weil die Versicherung Schäden unten an der Karosserie nicht übernimmt. Der Nachteil einer geführten Tour ist der Zeitdruck, den man dort hat. Wir waren ca. 15 Leute und hatten zwei Guides dabei: Ein Mädel von den Philippinen (sie ist nach Island ausgewandert und hat einen Isländer geheiratet) und einen Kerl aus Rumänien, der die letzten Jahre die Sommer auf Island verbracht hat. Die Wolken hingen in der Früh schon sehr tief in den Bergen und es war für den ganzen Tag Regen vorhergesagt. Hurra! 🤪 Einige Hochlandstraßen sind noch gesperrt - in Island ist der Sommer dieses Jahr später dran, so dass noch nicht alle Straßen befahrbar sind - also fuhren wir einen Umweg, der uns schon etwas Zeit kostete. Nach ca 5 Stunden kamen wir im Camp von Landmannalaugar an. Wir hatten kurz Zeit zum Umziehen und standen gegen 12.30h mit Regenjacke und -hose startklar an der Hütte. Wir hofften immer noch, dass es irgendwann trocken sein würde, denn zeitweise wurde es heller am Himmel, aber um es vorweg zu nehmen: Nein, es regnete durch. 🙄 Die verschiedenen Farben der Berge kommen bei Sonnenschein natürlich besser zur Geltung und Sophie war anfangs schon etwas enttäuscht. Ziel war der Gipfel des Brennisteinsalda, ein rotgefärbter ehemaliger Vulkan. Von dort hatte man eine großartige Aussicht. Wir wateten durch Pfützen, Matsch und Schneefelder und von oben beglückte uns stets der flüssige Sonnenschein. 🌧🌧🌧 Zum Glück schüttete es nicht. Während der Pause redete uns der Guide aufmunternd zu: "Das Wetter ist gut, es könnte jetzt auch stürmen, dann wäre das kein Spaß hier!" Stimmt schon, schlimmer geht immer. 🙈 Wir sagten uns gegenseitig mehrmals, dass es trotzdem ein Geschenk ist, hier zu sein. Annehmen war die Devise. Denn die Gegend ist auch im Regen - zwar anders - trotzdem wunderschön!

Home is where the heart is 💙

Der Rückweg schlängelte sich durchs grobe Lavagestein, und es machte großen Spaß, diesen kurzweiligen Pfad zu begehen. 

Zurück im Camp hatten wir noch 45 Minuten freie Zeit. Und siehe da, oben hatte jemand den Hahn zugedreht. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und aßen unsere restliche Brotzeit. Kaum waren wir fertig, fing der Regen wieder an und kurz nachdem wir im Bus saßen, gabs einen Wolkenbruch. 😅

Jetzt gings wieder 5 Stunden zurück nach Reykjavik. Ich hatte festgestellt, dass meine Regenjacke ihre besten Zeiten hinter sich hat. Sie hat dem Dauerregen nicht mehr Stand gehalten. Im Bus wars frisch und uns hats immer wieder gefröstelt. 

Eigentlich wollten wir noch zum Einkaufen. Wir verschoben das aber auf den nächsten Tag und fuhren direkt die knappe Stunde zurück zu unserer Hütte. Die heiße Dusche tat gut und sämtliche Heizkörper waren mit Schuhen, Socken und Handschuhen dekoriert. Müde, aber dennoch glücklich fielen wir ins Bett.

Fußbad des Todes

Dienstag, 02.07.2024

Tag 2 - 16.06.24

Am nächsten Morgen zeigte sich wieder die Sonne und nach einem gemütlichen Frühstück sind wir zu unserer ersten Wanderung aufgebrochen. Mit unserem TAH gings in den nächsten Fjord und über die erste Schotterstraße zu einem Parkplatz. Es war noch nicht viel los - der frühe Vogel 🐦 trifft definitiv weniger Touris. 😁 Ziel war der Glymur Wasserfall, der mit knapp 200 Metern lange Zeit als Islands höchster Wasserfall galt. Erst vor kurzem hat man im Gletschergebiet noch einen Höheren quasi unter dem Eis entdeckt. Anfangs wars ein gemütlicher kleiner Pfad, der sich durch Gebüsch und Lupinenfelder schlängelte. Bald kam unter uns der Fluss in Sicht, dessen Wasser sich bereits die 200 Meter in die Tiefe gestürzt hatte. Wir stiegen hinab, durchquerten eine kleine Höhle und kamen an einen Baumstamm, der quer über der Hälfte des Flusses lag. Die erste Hälfte nutzte man Steine im Wasser als Trittflächen. Gesichert war das Konstrukt mit einem Drahtseil, an dem man sich festhalten konnte. Hinter uns kam eine größere Gruppe, der wir den Vortritt ließen. Nicht ganz uneigennützig, denn wir wollten sehen, wie die übers Wasser kamen. 😈

Bei den Steinen hatte man keine Chance trocken zu bleiben, es überspülte die Schuhe etwas, also war die Devise, einfach zügig weiterzugehen. Ich würde sagen, wir haben es mit Bravour gemeistert. Danach schlängelte sich der Weg an der Schlucht entlang zum Teil steil nach oben, aber es war gut machbar. Bald schon zeigte sich der Glymur. Wahrlich beeindruckend.

Wir stiegen weiter aufwärts. Die Sonne war mittlerweile verschwunden, es wurde kühler und windiger und wir hofften, dass es trocken blieb. Bald waren wir oben angekommen und beobachteten eine Weile, wie das Wasser sich in die Tiefe stürzte. Dahinter war das Land recht flach.

Und wir wussten, was nun auf uns zukommen würde: Die Flussdurchquerung - um auf der anderen Seite wieder zurück zum Parkplatz zu kommen. Uns holten zwei junge Männer ein, von denen der eine sich eine schmale Stelle suchte und über den Fluss sprang - bestimmt über 2 m breit. Respekt. Das Wasser darunter wirkte tief und es wäre gefährlich gewesen, wenn er es nicht geschafft hätte. Der andere Kerl traute sich nicht und suchte mit uns zusammen eine geeignete Stelle. Bald stellte sich heraus, dass es tatsächlich am Besten da war, wo der Fluss am breitesten war - denn dort wirkte das Wasser am niedrigsten. Auf dem oberen Bild ist die breiteste Stelle gut zu erkennen. Vor uns startete eine kleine Gruppe.

Wir konnten es nicht gut schätzen, aber über 30 Meter warens bestimmt. Wir hatten extra leichte Turnschuhe mitgebracht, damit wir nicht barfuß durch mussten. Also kamen die Wanderschuhe in die Tüte, wir beratschlagten noch kurz, wo wir genau lang wollten, nahmen uns an der Hand und staksten los. Verdammte 💩, war das eisig! 🥶 

"Huuuh, aaah, hier entlang, vorsichtig, aaah, verdammt, weiter, weiter, weiter, shiiiit, boa ist das kalt..." So oder so ähnlich kämpften wir uns auf die andere Seite. Von der Gruppe vor uns rutschte ein Mann aus und fiel komplett ins dort knietiefe Wasser. 😰 Der Arme! 

Drüben angekommen rissen wir uns die kalt-nassen Turnschuhe von den Füßen und schlüpften schnell wieder in die warmen trockenen Socken und Bergstiefel. Geschafft! 💪😅 

Wir packten unsere Brotzeit aus und beobachteten das Schauspiel, das sich uns bot. Viele wateten barfuß durch den Fluss und brauchten deshalb viel länger als wir. Auch der junge Mann, dessen Freund amüsiert neben uns in der Wiese lag, brauchte ewig. Ich vermutete, dass seine knallroten Füße und Beine schon abgefroren waren, ansonsten hätte er nicht so lange im Wasser stehen können. Ein bisschen älteres Paar amüsierte uns. Er lief ohne Rücksicht auf seine Frau einfach los und war recht schnell durch. Wir fandens unmöglich, denn sie schien recht unsicher und kam nur langsam voran. Er gab vom Ufer aus kluge Ratschläge und sie wetterte aus dem Wasser zurück. Leider wars ne andere Sprache, aber vom Tonfall her war es Folgendes:

Er: "Jetzt stell dich doch nicht so an. Geh da entlang und jetzt steig dorthin!"

Sie: "Du hast mich einfach stehen lassen und redest jetzt gscheid daher! Ich wollte gar nicht herkommen. Du wolltest diese Wanderung ja unbedingt machen. Ich lass mich scheiden!" 😉

Sie hatten uns später händchenhaltend überholt, sie hat ihm wohl verziehen. 😅

Frisch gestärkt machten wir uns auf den Rückweg.

Und bei diesem Ausblick wusste ich wieder, warum ich Island so liebe! 🥰

Schon wieder nach Island?!

Montag, 01.07.2024

Tag 1 - 15.06.24

Ja, schon wieder nach Island. 😊 Willst du nicht mal wieder etwas anderes sehen, wurde ich mehrmals gefragt. Nein, gerade nicht. Wenn es mich magisch wohin zieht, dann sollte ich auf mein Herz hören und einfach machen... Außerdem gibt es noch soooo viele Ecken auf dieser faszinierenden Insel, die von mir entdeckt und erkundet werden wollen - nein, es wird nicht langweilig. 

Dieses Mal war die Sophie mit dabei und ich freute mich sehr, ihr "meine" Insel zu zeigen.

Island empfing uns dieses Mal mit Sonnenschein. Zum ersten Mal für mich. Sonst hingen die Wolken immer knapp über dem Boden.

Wir landeten kurz vor 16h und unser Gepäck war dermaßen schnell da, dass wir das Shuttle zur Autovermietung sogar eine Stunde früher als geplant nehmen konnten. Dieses Mal hatte ich mich für einen Toyota Yaris Cross (unbezahlte Werbung) entschieden. Er hat einen Vierrad-Antrieb, und da wir dieses Mal in die Westfjorde wollten, erschien mir das angemessen. Wir bekamen den Schlüssel und stellten bei der Besichtigung einen feuchten Fleck unter dem rechten Vorderrad fest. Frisch gewaschen war das Auto nicht, mir kams komisch vor. Also fragten wir nach, und das junge Mädel suchte uns nach kurzer Diskussion (das käme natürlich vom Waschen) ein anderes Auto des gleichen Modells raus. Der Schlüssel dafür war noch in einer Plastikfolie. Als wir dieses Auto anschauten, fanden wir den gleichen Fleck und Sophie entdeckte das auch noch bei anderen Autos. Scheinbar läuft da Wasser von der Klimaanlage ab, zumindest konnten ja nicht alle Autos den gleichen Schaden haben. Wir beichteten und entschuldigten uns für die Umstände. Jedenfalls bekamen wir das niegelnagelneue Auto - es hatte gerade mal 57 km auf dem Tacho. 😅 Wir tauften es auf TAH, da das die Buchstaben auf dem Nummernschild waren. 

Dann gings los nach Reykjavik. Traditionell habe ich in der Hallgrims-Kirche eine Kerze angezündet und es ging auch noch kurz in den Souvenirsladen, ob die Katze noch da ist. Diese gehört den Nachbarn, sie wohnt aber im Laden und verschläft den ganzen Tag auf den Schafswolldecken, die man kaufen kann. 

Nach einem Stop beim Supermarkt fuhren wir bisschen über eine Stunde zu unserer ersten Unterkunft, einem süßen Häuschen am See. Dort hatten wir auch letztes Jahr unseren ersten Stop, allerdings in einer anderen Unterkunft. Aufgekratzt vom Reisetag und auch, weil uns die Mitternachtssonne mal wieder faszinierte, marschierten wir gegen 23.30h noch zum See und bewunderten die Berge, die von der Sonne leicht rot gefärbt waren. 

Tief atmen, fühlen, genießen. So ganz konnte ich noch gar nicht glauben, dass ich wieder hier war. 💙

Aftur til Íslands! - Wieder in Island! 2023

Samstag, 22.07.2023

Da ich es letztes Jahr nicht geschafft hatte, während des Urlaubs jeden Abend zu bloggen, habe ich unsere Reise jetzt in einem Blogbeitrag zusammengefasst. Die nächste Reise steht kurz bevor - ratet mal wohin. 😁

Am Donnerstag den 29.06.23 ging pünktlich um 14 Uhr unser Flieger nach Reykjavik. Und dieses Mal ohne Komplikationen. Mischi war wieder mit dabei und dieses Mal auch ihre Tante, die Gela. Am Vorabend hatte ich den beiden noch ein Lied eines isländischen Sängers geschickt, das ich wunderschön finde. Icelandair hatte diesmal ein Entertainmentprogramm in den Bildschirmen der Rückenlehnen und ich suchte dort noch vor dem Start nach isländischer Musik. Da ich vergessen hatte, wie der Künstler meines Lieblingsliedes heißt, wählte ich einfach den Erstbesten aus. Und was soll ich sagen - es gibt ja keine Zufälle... Genau als unser Flugzeug auf die Startbahn rollte und Gas gab, fing das dritte Lied an, und das war genau das Besagte. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper und da bereits ein Tränchen im Auge. Das Lied begleitete uns den gesamten Urlaub, es wurde immer als erstes gespielt, wenn wir mit dem Auto zu einem Tagesausflug aufbrachen. Wir wurden Profis, im richtigen Moment zu klatschen und zu stampfen und manchmal tanzten wir auch in den Unterkünften dazu. Momente, die im Herzen bleiben. Wer mal reinhören mag: "Ástin á sér stad" von Fridrik Dór. 

Nach einem ruhigen Flug holten wir unseren Mietwagen, diesmal tauften wir in "Blacky", und fuhren nach Reykjavik. Zuerst statteten wir der wunderschönen Hallgrims-Kirche einen Besuch ab und zündeten obligatorisch eine Kerze an. Nach diesem Ritual hatte der Urlaub erst richtig begonnen. Nach einem kleinen Spaziergang und einem Snack gings mit dem Auto noch 45 Minuten weiter zu unserer ersten Unterkunft: Ein kleines Blockhäuschen direkt an einem See gelegen - wir waren begeistert!

 Hallgrimskirkja Hallgrims-Kirche und unser erstes Häuschen.

Das Wetter spielte anfangs noch nicht so gut mit, so dass wir den Freitag und Samstag fast nur im Häuschen verbrachten. In der zweiten Nacht schreckten Mischi und ich hoch, da sich etwas oder jemand an unserer Hütte zu schaffen machte. Es scharrte und "klopfte" neben der Eingangstüre... Das sind die Momente, in denen man schlagartig hellwach ist. Es hörte sich an wie ein Tier, das da unter der Hütte grub. Ohne dass wir entdecken konnten, was das war, kehrte wieder Ruhe ein. Später klopfte es am Fenster vom Wohnzimmer. Ich hatte das nicht mehr gehört, aber Mischi erzählte am nächsten Tag, dass sie sich aus dem Bett geschlichen hatte und einen Austernfischer entdeckte, der auf dem Terrassentisch stand und mit seinem roten langen Schnabel ans Fenster tockte. Die Hausbesitzerin schrieb uns danach, dass der Vogel das wohl öfter machen würde. 

...und am Fjord Abendstimmung am See und ein paar Tage später am nahegelegenen Fjord.

Am Sonntag erforschten wir den Thingvellir-Nationalpark mit der Silfraspalte. Dort treffen die eurpäische und amerikanische Kontinentalplatte aufeinander. Bzw. entfernen sich voneinander - jedes Jahr ca. zwei Zentimeter. Der Spalt füllt sich mit Lava und härtet aus. Island wird also pro Jahr um die zwei Zentimeter größer. So zumindest habe ich einen unserer Guides verstanden, den wir auf einem späteren Ausflug hatten. Ursprünglich wollten wir in der Silfraspalte im zwei Grad kalten Wasser schnorcheln. Die Sicht in die 42 Meter Tiefe soll genial und superklar sein. Nach dem Lesen der Gesundheitsvoraussetzungen haben wir uns dann doch dagegen entschieden. Es war auch eine ziemliche Massenabfertigung dort, so dass ich es nicht bereut habe. Zumindest konnten wir von oben in die Spalte schauen.

Thingvellir-NationalparkWasserspiegelung Gesteinsformationen im Thingvellir-Nationalpark, die Silfraspalte und eine faszinierende Spiegelung in Form einer Frau in einem Fluss.

Anschließend fuhren wir weiter zum Geysir Strokkur, der alle 5 - 10 Minuten seine Fontäne in die Höhe spuckt. Sehr beeindruckend, wie das Wasser hin- und herwogt, bis sich mit einem lauten Zischen die Energie entlädt. Witzig finde ich, dass die Isländer dem "Großen Geysir" daneben im 17. Jahrhundert den Namen "Geysir" gaben. Das Wort ist vom isländischen Wort "geysa" abgeleitet, was so viel wie "herausspritzen, sich ergießen, sprudeln oder ausbrechen" bedeutet. Das ist der Grund, warum man sämtliche Geysire dieser Welt jetzt so nennt. Der ursprüngliche Geysir, also der Namensgeber aller Geysire, ruht mittlerweile immer für längere Zeit, und stößt seine Fontäne sehr unregelmäßig aus.

Geysir Strokkur Geysir Strokkur

Am Montag gings ins Hochland in das Gebiet Landmannalaugar. Wir waren dort vor vier Jahren schon mal und ich wollte unbedingt nochmal hin. Auf dem Weg stoppten wir beim Wasserfall Haífoss, der sich 120 Meter in die Tiefe stürzt. Wir standen gegenüber und an der Schlucht ging dermaßen der Wind, dass man aufpassen musste, nicht hinuntergeblasen zu werden. Leider hatten wir nur 20 Minuten Zeit, wir wären gerne etwas länger geblieben. Es schlängelte sich nämlich ein schmaler Pfad nach unten in die Schlucht, was mich sehr gereizt hätte. Das ist immer der Nachteil, wenn man mit einer Reisegruppe unterwegs ist.

Haífoss Haífoss

Nach einer holprigen Fahrt über die F-Straße, welche nur mit Vierradantrieb befahren werden darf, und weiteren kleinen Stops an einem Wasserfall, einem See und einem Kratersee, kamen wir nach einer Flussdurchquerung am Campingplatz von Landmannalaugar an. Dort machten wir eine zweistündige Wanderung durch die bunt gefärbten Berge. Ich war wieder hin und weg und mehrmals den Tränen nahe, so atemberaubend schön finde ich es dort. Anschließend hatten wir noch eine Stunde zur freien Verfügung im Camp. Wir suchten uns ein einsames Plätzchen am Fluss, lauschtem dem gleichmäßigen Plätschern, verspeisten unsere mitgebrachten Brote und hörten auch unser Lied. Momente für die Ewigkeit.

LandmannalaugarLandmannalaugar Traumgebiet Landmannalaugar

Am Dienstag gings zur nächsten Unterkunft. Abermals ein kleines Häuschen für uns alleine - und noch schöner gelegen, als das Erste. Am liebsten wäre ich dort eingezogen, also so für richtig lange. 

Lieblingshäuschen Unser zweites Häuschen

Den verregneten Mittwoch verbrachten wir zuhause. Lediglich dem nächsten Hafenort Stykkisholmur statteten wir einen kurzen Besuch ab und ließen uns vom Winde verwehen. Am Abend erfuhren wir von der Gastgeberin, dass auf Island ein Vulkanausbruch in der Nähe von Reykjavik unmittelbar bevorstehen würde. In den letzten 24 Stunden hätte es in der Region über 2000 Erdbeben gegeben, wir sollten uns nicht wundern, wenn wir etwas spüren sollten. Hui, spannend. Ich war zwar nicht sehr erpicht darauf, tatsächlich ein Erdbeben mitzuerleben, aber einen Vulkanausbruch fände ich schon sehr spannend... Grüße gehen raus, an meinen mittlerweile großen "Vulkanfreund". An dieser Stelle sei noch gesagt, dass die Isländer mit den Vulkanen und Erdbeben sehr entspannt umgehen. Man solle sich an die Anweisungen und Sperrungen von Gebieten halten, die hätten ihren Sinn. Aber scheinbar sind die Häuser dort so stabil gebaut, dass ihnen auch stärkere Erdbeben nichts anhaben können.

Am Donnerstag gings zum zweitgrößtem Gletscher von Island, den Langjökull. Mit einem Monstertruck - die acht Reifen waren fast größer als ich - wurden wir dorthin gebracht und ein Stück auf dem Eis nach oben gefahren. Immer wieder faszinierend. Das Eis hat eine Dicke von 150 Metern, da wo wir standen. Die dickste Stelle misst ca. 450 Meter. Wir schlürften heißen Kakao und einen "isländischen Baileys" und machten ein paar lustige Fotos.

MonstertruckGletscherbild Monstertruck und viel Spaß beim Fotos machen auf dem Gletscher

Danach bestaunten wir noch den Gullfoss Wasserfall. Es ist so beeindruckend, wie sich die Wassermassen mit ohrenbetäubendem Getöse in die Tiefe stürzen und die Gischt sich sanft auf die umliegenden Wiesen, Wege und Menschen legt. 

GullfossGullfoss Gullfoss mit Regenbogen

Am Freitag machten wir eine Tour um die Halbinsel Snäfellsnes, auf der sich auch unsere zweite Unterkunft befand. Sie wird auch "Klein-Island" genannt, da man hier auf relativ kleinem Raum die meisten Naturwunder Islands auf einmal findet. Zuerst bestaunten wir den Kirkjufell, einen markanten Berg, der schon in einigen Filmen mitspielen durfte, u. a. bei "Game of Thrones". Weiter gings auf einen kleinen Vulkan, an einen schwarzen Kieselstrand, auf dem Schiffswrackteile von 1948 verstreut liegen, zu den Steilklippen von Arnastapi, wo hunderte von Möwen nisten, zur ältesten Holzkirche Islands und zum Robbenstrand Ytri-Tunga, an dem wir tatsächlich die Namensgeber im Wasser erspähen konnten. Immer gut im Blick hatten wir dabei den Snäfellsjökull, den erloschenen Vulkan, der von einem Gletscher bedeckt ist und sich direkt von der Küste bis auf 1446 m Höhe erhebt. Der Autor Jules Verne hat diesen Berg in seinem Roman "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" als Eingang zum Mittelpunkt der Erde ausgewählt.

Strand mit WrackteilenDer Kirkjufell, Teile eines Schiffwracks und im Hintergrund der Snäfellsjöküll, Felsenbrücke in Arnastapi

Am Samstag hatten wir strahlenden Sonnenschein und wir entschieden uns für eine Wanderung zum Vulkankrater "Eldborg". Alleine der Name klingt schon irgendwie nach "Herr der Ringe". Übersetzt heißt er "Feuerburg". Er gilt als einer der formschönsten Krater in Island und ist ein sogenannter Schweißschlackenkegel. An einem Bauernhof konnten wir das Auto abstellen und dann ging es ca. 1 Stunde auf einem schönen Wanderweg durch mannshohes Gebüsch. Wir genossen es sehr. Am Ende ist es eine kleine Kletterei, um die steile Kraterwand zu erklimmen. Aber es gibt Ketten und Seile zum Festhalten, so dass wir gleich oben waren. Innen fallen die Wände genauso steil etwa 50 Meter in die Tiefe. Und auch die Aussicht war wunderschön. Wir verbrachten bestimmt eine Stunde dort oben und genossen die Sonne - es war tatsächlich T-Shirt-Wetter. Die meiste Zeit waren wir alleine. Und abends hatten wir alle einen fetten Sonnenbrand im Nacken und an den Armen. Ja, auch das ist in Island möglich. Hihi!

Der Eldborg von unten, von innen und die Aussicht von oben.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Stop in einem kleinen Fischereimuseum. Die bieten auch eine Verköstigung von "fermentiertem Hai" an. Da wir neugierig waren, war das das schlagende Argument für einen Besuch. Zuerst erfuhren wir, wie das Fischfleisch des Grönlandhais fermentiert wird. Wichtig zu betonen ist, dass der Grönlandhai nicht extra deswegen gejagt wird. Wenn er als Beifang in den Fischernetzen landet, dann haben die Fischer auf Island ihre Abnehmer. Der Hai wird ausgenommen, zerteilt, in Kisten gelagert und im Sand vergraben. Nach ca. drei Monaten wird er in kleinere Stücke zerteilt und zum Trocknen aufgehängt. Die Harnstoffe, die das Fleisch ungenießbar und sogar giftig machen, sind dann verschwunden. Allerdings riecht das Fischfleisch nun stark beißend nach Ammoniak. Für meine empfindliche Nase keine Wohltat. In kleine Würfel geschnitten wurde uns der Hai serviert. Mit Zahnstochern bewaffnet standen wir davor. Die Anfänger sollten ein Stück Roggenbrot und dann ein Stück Hai aufspießen. Die Mutigen probierten ihn pur. Gela und Mischi waren mutig und fanden den Geschmack gar nicht soooo schlimm. Ich war Anfänger und probierte ihn mit Roggenbrot, was mich echt Überwindung gekostet hat. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass der Geschmack des Brotes überwogen hat, so dass ich zwar sagen kann, dass ich fermentierten Hai zwar gegessen, aber nicht wirklich geschmeckt habe...

Am Sonntag war das Wetter trüb und bewölkt, aber wir hatten uns für eine Fährfahrt zur Insel Flatey entschieden. Es ist die größte Insel im Fjord Breidafjördur. Es gibt dort noch unzählige kleine Inselchen, die allerdings nur von Vögeln bewohnt sind. Die Fähre fuhr ruhig, aber leider zog es dermaßen zu, dass wir überhaupt keine Sicht hatten. Auch Flatey selbst war im Nebel und es klarte auch nicht auf. Auf Flatey gibt es ein kleines Dorf, das ein Hotel und ein Restaurant hat. Im Sommer sind die übrigen Häuschen entweder von Isländern selbst bewohnt oder an Touristen vermietet. Wer wirklich mal Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, der sollte hierherkommen. Es war eine sehr schöne Stimmung auf der Insel, die wir relativ schnell umrundet hatten, da die größere Runde wegen den brütenden Vögeln gesperrt war. Die Seeschwalben reagierten sehr genervt, als wir anscheinend zu nah an ihren Nestern vorbeikamen. Sie flogen richtige Angriffsflüge auf uns und Gela wurde sogar tatsächlich mit dem Schnabel am Kopf leicht attackiert. In dem kleinen Kirchlein gabs einen Gänsehautmoment, weil sich eine Touristin ans kleine Klavier setzte und eine wunderschöne bekannte Melodie spielte. Das Gemälde über dem Altar faszinierte mich total: Jesus im Norwegerpulli. So eine außergewöhnliche Darstellung habe ich noch nirgendwo gesehen. Nach ein paar Stunden ging es mit der Fähre wieder zurück.

Die ersten Einwohner, die uns auf Flatey begegneten, ein süßer Papageientaucher, das Gemälde von Jesus, die Attacke auf Gela, die ich zufällig fotografiert hatte und der Ort von Flatey.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft machten wir noch einen Stop am "Helgafell", dem heiligen Berg. Das ist ein ca. 73 Meter hoher Hügel, den wir von unserem Häuschen aus sehen konnten. Ich hatte von einer alten Sage gelesen und deswegen war der Besuch ein Muss. Um 1250 wurde die Sage um die Nonne Gudrun verfasst, die auf diesem Hügel in einem Kloster lebte. Die Legende besagt, dass jeder, der diesen Hügel zum ersten Mal besteigt, drei Wünsche offen hat. Dazu müssen aber fünf Punkte beachtet werden, um die Wunscherfüllung nicht zu gefährden:

Man muss den Weg am Grab von Gudrun am Fuße des Hügels bei der Kirche beginnen. Man darf sich nicht umdrehen, nicht sprechen und niemandem seine Wünsche erzählen. Oben auf dem Berg richtet man seine Sprüche lautlos gen Osten. 

Mit Gänsehaut am ganzen Körper liefen wir vom Grabe weg und den kleinen Hügel hinauf. Oben angekommen wies uns ein in Stein gemeißelter Kompass die Richtung nach Osten. Wir standen in den Wolken und konnten die Schärenlandschaft nur schemenhaft erkennen. Ich schloss die Augen, legte meine Hand auf mein Herz und konzentrierte mich auf meine Wünsche. Ich sah sie vor meinem inneren Auge, fühlte sie, malte sie in den buntesten Farben aus, genoss die Stille und genoss den inneren Frieden, der mich überkam. Ich kann nicht sagen, wie lange wir dort standen, aber bestimmt 15 Minuten. Und als ich die Augen öffnete, hatten wir eine klare Sicht auf die Schären. Es war, als hätten die Wolken unsere Wünsche mit ins Universum genommen. Hatte ich schon von Gänsehaut erzählt?

Das Grab von Gudrun und die Schärenlandschaft - der Blick nach Osten

Der Tag endete mit einem Abstecher zum Selvallafoss. Dieser Wasserfall ist von der Straße nicht einsehbar und es gibt auch kein Schild. Nur einen Parkplatz, und da standen immer Autos, wenn wir vorbeikamen. Google hatte mir den Wasserfall offenbart. Und tatsächlich war es einer der schönsten, den wir auf dieser Reise gesehen hatten.

Am Montag gings zurück nach Reykjavik und nach einem kleinen Stadtbummel und dem Besuch des Penismuseums (das darf jeder selbst googlen 😉) fuhren wir Richtung Flughafen zu unserem Hotel für die letzte Nacht auf Island. Kurz davor hatten wir erfahren, dass der Vulkan tatsächlich ausgebrochen war. Da die Ausbruchsstelle in der Nähe des Flughafens ist, sahen wir die Wolke schon von weitem. Rot-grau-schwarzer Rauch zog über die Autobahn aufs Meer hinaus. Als wir mitten drin waren, konnten wir das Feuer riechen. Faszinierend. 

Ja, und Glück darf man auch mal haben. Ich hatte beim Rücklfug am nächsten Morgen einen Fensterplatz auf der rechten Seite. Und der Pilot flog so, dass man von dieser Seite einen sensationellen Blick auf den Vulkan hatte. Jippie! Von oben habe ich also schon mal einen gesehen, jetzt fehlt mir noch, dass ich mal von unten einen beobachten kann - natürlich nur aus sicherer Entfernung. 

Es waren 12 wunderschöne Tage auf meiner Lieblingsinsel. Ich komme wieder, schon ganz bald!

Die Weihnachtstanne

Samstag, 24.12.2022

Ihr Lieben,

vor ein paar Jahren habe ich eine Weihnachtsgeschichte geschrieben, die mich selbst auch heute immer noch bewegt. Es geht um einen großen Wunsch, Nächstenliebe und das Loslassen...
Vielleicht schenkt ihr eurem Weihnachtsbaum heute und die nächsten Tage besonders viel Aufmerksamkeit.

Ich unterbreche hiermit meinen Reisecontent für diese Geschichte:

 

Die Weihnachtstanne

Es war einmal in einem Wald, da warf eine ältere Tanne ihre Zapfen ab und freute sich auf ihren Nachwuchs. Schon bald sprossen einige ihrer Jungtannen aus dem feuchten Waldboden und wuchsen schnell heran. Eine der Kleinen wuchs besonders eng an der älteren Tanne, und ganz heimlich wurde sie zu ihrem Lieblingskind. Sie war etwas kleiner und schmächtiger, als die anderen, sie bekam einfach nicht so viel Licht ab, weil sie etwas versteckt unter den dichten Zweigen der Muttertanne wuchs, aber trotzdem hatte sie ihren eigenen Kopf und streckte sich unaufhaltsam der Sonne entgegen.

Als der Winter kam, wurde der älteren Tanne wieder weh ums Herz. Sie wusste, dass jetzt wieder die Menschen mit ihren Äxten und Sägen kamen und sich geeignete Bäume für den Weihnachtsabend aussuchten. Sie selbst war zu groß und alt dafür, aber sie hatte schon viele Jung-Tannen gehen sehen. Es schneite dicke Flocken, als eine kleine Familie mit dem Förster des Weges kam und Ausschau nach einem Baum für Weihnachten hielt.
„Wer sind die Leute, Mama?“, fragte die kleine Tanne.
„Die kommen, um sich einen Baum auszusuchen!“, erklärte die Muttertanne.
„Einen Baum? Für was denn?“
„Jedes Jahr, wenn es kälter wird und der Schnee fällt, dann feiern die Menschen Weihnachten. Der Sohn ihres Gottes wurde da geboren. Dafür wird ein Tannenbaum geschmückt, mit leuchtenden Kugeln und Kerzen und mit einer goldenen oder silbernen Spitze. Die Menschen legen sich gegenseitig Geschenke unter den Baum und singen Lieder.“
„Wow, das klingt toll!“, die kleine Tanne war beeindruckt und beäugte aufmerksam die kleine Familie, die immer näher kam.
„Es klingt vielleicht toll“, erwiderte die Mutter, „aber es müssen jedes Jahr tausende von Bäumen sterben. Das ist sehr traurig.“
„Hm, kommen die Tannen nie mehr zurück?“
„Nein!“
Die kleine Tanne lächelte jedoch, so traurig es auch klang. „Mama, ich möchte mal ein Weihnachtsbaum werden! Ich will geschmückt werden und ich will leuchten und ich will auf die Geschenke aufpassen, die mir anvertraut werden!“
Der älteren Tanne schnürte es das Herz zusammen, sie wollte ihre Lieblingstanne nicht verlieren. „Du bist noch viel zu klein dafür!“
„Aber ich werde wachsen und ich werde die schönste Tanne hier werden, und dann sucht mich eine Familie aus und ich kann ihnen eine Freude zu ihrem Fest machen!“
Die Familie stapfte an den beiden vorbei und entschied sich für einen circa 1,80 Meter großen Baum in der Nähe. Die anderen Bäume sahen zu, wie die Tanne gefällt wurde.
„Tut das weh?“, fragte die kleine Tanne.
„Ich weiß es nicht“, antwortete die Muttertanne wahrheitsgemäß.

In den folgenden Monaten beschloss die ältere Tanne, ihrem Lieblingskind das Licht zu nehmen, damit sie langsamer oder vielleicht gar nicht mehr wachsen würde. Anfangs bemerkte es die kleine Tanne nicht, redete immer wieder davon, ein Weihnachtsbaum werden zu wollen und streckte sich täglich, um etwas schneller zu wachsen. Doch ihr fehlte das Licht und ihre Nadeln wurden blässer und verloren an Stärke.
„Mama, ich brauche mehr Licht, ich möchte doch wachsen!“ Die kleine Tanne war verzweifelt.
„Aber Kind, es ist doch so schön hier im Wald, wieso willst du fort von hier?“
„Ich will ein Weihnachtsbaum werden, es ist mein größter Wunsch!“

Nach einigen Wochen merkte die ältere Tanne, dass die kleine Tanne immer stiller und trauriger wurde und ihre Äste hängen ließ. Ihr wurde klar, dass sie ihr Kind jetzt so oder so verlieren würde, denn der Wunsch ein Weihnachtsbaum zu werden, war einfach zu groß. Weil sie ihr Kind aus tiefstem Herzen liebte, und nur wollte, dass es glücklich war, wuchs sie absichtlich in die andere Richtung, damit ihre kleine Tanne mehr Sonnenschein und Regen abbekam. Die Nadeln der kleinen Tanne wurden wir kräftiger und grüner, ihre Äste wurden dicker und sie wuchs stetig der Sonne entgegen.

„Schau mal, Mama, wie ich wachse, bald kann ich ein Weihnachtsbaum sein!“ Die kleine Tanne war wieder glücklich.

Jahr für Jahr, als es kälter wurde, fragte die kleine Tanne ihre Mutter, ob sie den jetzt bereits groß genug war, aber jedes Mal antwortete die Mutter, dass es bestimmt noch ein Jahr dauern würde. Geduldig wartete die kleine Tanne, war bedacht darauf, dass ihre Äste gleichmäßig wuchsen, ihre Spitze gerade blieb und sie genug Sonne abbekam.

Und dann war es endlich soweit. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern kam zielstrebig auf die kleine Tanne zu und wollte sie haben. Es dauerte nicht lange und der Förster hatte den wunderschönen Baum gefällt.
„Mama, es hat nur ganz kurz weh getan! Endlich geht mein Traum in Erfüllung. Lebe wohl!“
„Lebe wohl, mein Kind! Du wirst der schönste Weihnachtsbaum von allen werden! Ich wünschte, ich könnte dich sehen! In Gedanken bin ich immer bei dir!“

Zwei Wochen später.

Das Glöckchen ertönte und die kleine Tanne streckte sich stolz. Ihre Äste waren geschmückt mit roten, gelben und blauen Kugeln, dazwischen hingen Strohsterne und kleine Engel. Das silberne Lametta glitzerte im Schein der Kerzen, die den ansonsten dunklen Raum erleuchteten. Auf dem Haupt der kleinen Tanne thronte eine goldene Spitze, zu ihren Füßen lagen viele bunte Geschenke. Über einer kleinen Krippe breitete sie schützend ihre Äste aus. Es roch nach Glühwein und Bratäpfeln und auch etwas nach Wald und frisch geschnittenen Zweigen. Die Augen der kleinen Kinder leuchteten und die kleine Tanne freute sich sehr, als die Mutter zum Vater sagte, dass sie noch nie einen so schönen Weihnachtsbaum gehabt hätten.
„Mama, ich wünschte, du könntest mich sehen! Es ist noch viel toller, als ich es mir vorgestellt habe!“, rief die kleine Tanne in die Nacht.

Draußen im dunklen Wald spürte eine ältere Tanne genau in diesem Moment, wie unendlich glücklich ihr Kind gerade war. Sie bewegte sich leicht mit dem Wind und lächelte.

Frohe Weihnachten und alles Liebe!

Island - Heimreise - Fazit

Freitag, 12.08.2022

Nach einem komplett verregneten Tag, den wir in unserem gemütlichen Holzhäuschen verbrachten, fuhren wir innerhalb der nächsten zwei Tage die komplette Strecke wieder zurück bis zu dem kleinen Ort in der Nähe des Flughafens. Hier noch ein paar Impressionen:

Einmal für immer bitte diese Aussicht!

Die Schafsgruppe hatte es überhaupt nicht eilig die Straße freizumachen. 😆

Jeden Morgen mit diesem Ausblick aufwachen? Jaaaaa, bitteeee! 🤩

Im Hotel gaben wir unser Auto zurück und am nächsten Tag um 5.45 Uhr brachte uns das Shuttle zum Flughafen. Beim Check-In am Terminal gab es mal wieder Probleme 🤣 Wir wurden aber freundlich vom Personal unterstützt und hielten dann glücklich unsere Bordkarten in Händen. Kurz nochmal zittern bei der Sicherheitskontrolle - wir wurden beide zum Drogentest (ich glaube zumindest, dass mit dem Abstrich nach Drogen gesucht wird) ausgewählt, aber alles war gut. Sogar Carlos 🐸 wurde getestet, da er in der Tasche ganz oben drauf war... 🤣🤣 

Wir flogen ohne Zwischenfälle nach Hamburg und sogar unsere Koffer kamen gleichzeitig mit uns dort an. 😅 In Hamburg verbrachten wir noch drei schöne Tage und besuchten zwei Musicals und ein Theaterstück. Auch der ICE nach München hatte am Ende nur 30 Minuten Verspätung 😉, so dass es von der Heimreise nichts weiter zu berichten gibt - Gott sei Dank.

Mein Fazit zu Island:

Mir hat es wieder sehr sehr gut gefallen, das konnte man wahrscheinlich auch aus meinen Blogbeiträgen herauslesen. 😅 Insgesamt haben wir mit unserem Mietwagen 2200 Kilometer zurückgelegt. Mit so viel hätte ich irgendwie gar nicht gerechnet. Der Liter Benzin hat umgerechnet ca. 2,50 EUR gekostet. Apropos Kosten: Wenn man, wie wir, eine Unterkunft mit eigenem Bad und einer Küchenzeile haben will, dann muss man meistens etwas tiefer in die Tasche greifen und pro Nacht mit über 200 EUR (insgesamt) rechnen, zumindest in der Hauptsaison. Somit war das Ganze kein günstiger Urlaub - aber für mich dennoch jeden Cent wert. 🥰

Unser Auto hätte ich am liebsten mit nach Hause mitgenommen. 😁 Nicht nur die Optik hat mir sehr gut gefallen, sondern auch die elektronischen Details. Vorallem das Zusperren, wenn ich ihm nur zärtlich über den Türgriff streichen musste. 😅 

Ich habe schon jetzt den großen Wunsch, diese wunderschöne Insel ein weiteres Mal zu besuchen. Es gibt noch so viele Ecken, die ich unbedingt sehen will. 😍

Danke, Island! 💚

Und wer noch mehr Geschichten von meinen Reisen lesen möchte 😁:

Erhältlich im Shop von tredition, überall wo es Bücher gibt oder direkt bei mir. 😊

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Ich war auch dabei! 🐸

Samstag, 06.08.2022

Jetzt sind schon so viele Blogbeiträge vom Island-Urlaub geschrieben worden und ich wurde tatsächlich in keinem Einzigen erwähnt. 🤨 Ich finde, das geht gar nicht. Das fanden auch ein paar Leser, denn es wurde bereits mehrmals nach mir gefragt. Und hier ist er, mein ganz eigener Beitrag. 😁

Für alle, die mich noch nicht kennen: Ich bin der Carlos, ein kleiner Laubfrosch, und der Mitbewohner von der Beate. Ich wohne schon einige Jahre bei ihr und seit 2017 bin ich auf jeder Reise und fast jedem Ausflug mit dabei. Natürlich gebe ich auch vor der Kamera eine sehr gute Figur ab, wie ich finde. Und deswegen hüpfe ich oft ins Bild. Meine Mitbewohnerin fotografiert mich aber auch sehr gerne. 

In Island war ich schon zweimal und ich habe mich sehr aufs dritte Mal gefreut.

Gestartet wurde traditionell in Reykjavik bei einer meiner liebsten Kirchen:

Funfact: Meine Reisemädels haben den Umriss der Kirche erst für einen Seehund gehalten, der einen Ball auf der Nase balanciert. 🤣

Ich bin zu Wasserfällen, über Wiesen und durch Steinwüsten gehüpft. Sogar am Gletscher war ich mit meinem eigenen Eispickel unterwegs. Dort hats mir auch besonders gut gefallen. Das Eis war ganz hart gefroren und rutschig, aber ich habs mit meinen großen Füßen dennoch gut hinbekommen. 😄 

Besonders schön fand ichs auch in unserem kleinen Holzhäuschen am Fjord. Da saß ich ganz lange am Fenster und habe die Vögel beobachtet und den Ausblick genossen. 

Das ist eines meiner Lieblingsbilder. Es ist am Diamondbeach entstanden. Ist das nicht eine tolle Eisformation? 😃

Hier posiere ich am Studlagil-Canyon. Ein ganz besonderer Ort.

Und sieht das hier nicht fantastisch aus?! Die schwimmenden Eisberge in der Gletscherlagune Jökulsárlón. 😍

Island war wieder soooooo toll! 💚 Ich hoffe, dass ich diese wunderschöne Insel irgendwann nochmal besuchen kann. Denn es gibt tatsächlich noch Ecken, in denen wir noch nicht waren.

So, das wars von mir.

Viele liebe Grüße!

Euer Carlos

Studlagil - Ein Canyon der besonderen Art

Mittwoch, 27.07.2022

Tag 11 - Montag, 18.07.2022

Was waren wir für Glückskinder, denn am Morgen begrüßte uns wieder strahlender Sonnenschein. Genau richtig für unseren letzten geplanten Ausflug zu einer weiteren "natürlichen" Sehenswürdigkeit: Der Studlagil-Canyon. Wir hatten im Internet schon viele Bilder gesehen und wollten da unbedingt hin. Ich hatte bisschen schiss vor der ,,dreistelligen Straße". Denn in Island kann man anhand der Straßennummern ein bisschen auf den Zustand derselbigen schließen. Die Ringstraße, auf der man einmal um die ganze Insel kommt, ist die "1". Auch die "zweistelligen Straßen" sind geteert und mit einem gewöhnlichen PKW sehr gut zu befahren. Die Straßen mit der dreistelligen Nummer sind teilweise geteert, aber meistens Schotterstraßen. Und davon gibt es bessere, zum Teil mit fest gefahrener Erde und Steinen, aber auch welche mit vielen Schlaglöchern und lockererem Gestein. Da wirds mit nem PKW schon schwierig. Hat die "dreistellige Straße" noch ein "F" davor, darf/sollte sie nur mit einem Fahrzeug mit Vierradantrieb befahren werden. Dort kann es auch sein, dass man durch einen Fluss muss.

Die Straße zum Parkplatz, von wo aus man zum Canyon laufen kann, war gut befahrbar, meine Sorgen waren unbegründet. Trotzdem ließen wir unseren Fuchur am ersten Parkplatz stehen, denn die sehr schlechte Straße, die zum weiteren Parkplatz führte, wollte ich ihm und mir nicht antun. Natürlich zuckelten und ruckelten viele mit ihren kleinen PKWs oder Campern den Weg entlang - Hauptsache man muss nicht so viel zu Fuß laufen. 🙄 Hätten sie bis direkt zum Canyon fahren können, hätten sie wahrscheinlich auch das gemacht. Bei meiner Recherche vor einiger Zeit, wie man zu dem Canyon gelangt, war von dem zweiten Parkplatz noch keine Rede und es wurde sogar von einer Flussdurchquerung zu Fuß geschrieben. Tja, mittlerweile ist der Fußweg zum Canyon sehr gut ausgebaut und mit Kies aufgeschüttet, über den Fluss führt quasi eine Brücke - das Wasser wird mit Rohren unter dem Weg durchgeleitet - und am Parkplatz steht sogar ein Imbisswagen. Ich hatte mir das Ganze noch ursprünglicher vorgestellt. 🙈 Einerseits "beschweren" sich die Isländer wohl, dass so viele Leute in der Natur rumtrampeln und  andererseits machen sie es den Touris sehr leicht, dorthin zu kommen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass vom ersten Parkplatz, so wie es früher war, nicht so viele Leute hingelaufen sind. Das passt also für mich nicht so zusammen. Aber ich steck da ja auch nicht drin und weiß zu wenig, um das abschließend beurteilen zu können. 

Zumindest waren wir auf der richtigen Seite des Flusses, so dass wir bis ans Wasser und in den Canyon hinunterklettern konnten. Auf der anderen Seite kann man tatsächlich mit dem Auto bis dorthin fahren, kann dann aber nur von oben über eine Plattform einen Blick erhaschen und nicht mal in das schönste Stück des Canyons hineinschauen. Das würde ich nicht empfehlen. 

Wir waren natürlich nicht die Einzigen dort, trotzdem verlief es sich recht gut. Wir kletterten in den Canyon rein und dort weit nach hinten, so dass wir mit zwei Pärchen ganz alleine waren. Was soll ich sagen, es war magisch. 🤩 Es war sehr ruhig, da es vom Ufer abgeschirmt war. Die Basaltsäulen wirken wie versteinerte Bäume am Fluss. Wir saßen eine ganze Weile auf den Steinen und ließen den Ort auf uns wirken. Aber seht selbst:

Als wir zurück geklettert waren, waren grad keine Leute zu sehen und ich freute mich, dass ich auch von dort noch ein Foto machen konnte. Erst zuhause hab ich festgestellt, dass doch ein Mensch auf dem Foto war. Wer sieht ihn? 😆

Auf Umwegen über weitere "dreistellige Straßen" fuhren wir zu unserer Unterkunft zurück. Der Ausflug hatte sich auf alle Fälle rentiert! 

Seydisfjördur - Fast allein am Fjord

Dienstag, 19.07.2022

Tag 10 - Sonntag, 17.07.2022

Wir verließen unser kleines Apartment gegen 10 Uhr und machten uns auf den Weg zu unserer neuen Station ganz im Osten der Insel: Seydisfjördur. An diesem kleinen Ort legen die Fähren an, die z.B. aus Dänemark kommen. Wir hatten für den Tag nichts weiter geplant, der Weg sollte das Ziel sein und wir wollten halten, wo es uns gefällt. Wieder und wieder schüttelte sich mein Kopf von alleine, angesichts der Schönheit, die Island zu bieten hat. Wir hatten wieder Glück mit dem Wetter und in den Bergen hatten sich nur vereinzelte Wolken verfangen. So hatten wir eine gute Sicht. 

Nach ein paar Stopps kamen wir wohlbehalten in dem kleinen Küstenort an. Als erstes schossen wir Fotos von der bekannten Regenbogenstraße, die auf die Kirche zuführt.

Danach machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft: Ein kleines gelbes Holzhäuschen ziemlich alleine am Fjord gelegen. Ein Traum!

Blick aus dem Fenster! 🥰 Ist es nicht wunderschön?!

💚 Island - Meine ganz große Liebe 💚

Montag, 18.07.2022

Tag 9 - Samstag, 16.07.2022 - Regen und somit Ruhetag

 

Island, du ziehst mich in deinen Bann. Deine Vielfältigkeit und Schönheit macht mich immer wieder sprachlos und unendlich glücklich. 

Ich liebe deine rauhen Berge, die oft in den verschiedensten Farben leuchten, und deine Täler, die unterschiedlicher nicht sein können. Mal saftige Wiesen, in denen sich die Gräser sanft im Wind wiegen, und mal graue, rote oder schwarze Steinwüste. Manchmal hellgrün bemoost, oft karg. Du hast Flüsse und Seen, oft so klar und blau leuchtend, dass ich an der Echtheit zweifle. Die Kraft vieler deiner mächtigen Wasserfälle schenkt mir Energie und ich könnte stundenlang zuschauen, wie sich die Flüsse mutig in die Tiefe stürzen.

Ich liebe deine Gletscher, die auf deinen Bergen leuchten und an vielen Stellen bis ins Tal reichen und die Lagunen, in denen das Eis weiß und blau schimmert und vom Wind hin und hergetrieben wird.

Ich liebe deine Schafe, die überall anzutreffen sind und auch die Straßen als ihr Revier betrachten. So oft lachen wir über die weißen Woll-Popos, wenn sie dann doch wieder in die Wiese hüpfen.

Ich beobachte liebend gern deine Papageientaucher, Brachvögel und alle anderen gefiederten Gesellen, die so unterschiedlich klingen, dass man manchmal denkt, man ist in den Tropen. Ich mag sogar deine Unberechenbarkeit, was das Wetter anbelangt. Sonne, Wolken, Regen und Wind sind in stetem Wechsel, nichts bleibt länger, es kommt und geht. Ich liebe deine natürliche Stille, die einen an so vielen Orten einlullt und richtig andächtig macht. Es ist in unserer hektischen und lauten Welt mittlerweile so ungewohnt geworden, nichts zu hören.

Es ist fast unmöglich, dich zu beschreiben, wie du wirklich bist. Man muss dich mit eigenen Augen sehen und fühlen, riechen und erleben um dich halbwegs begreifen zu können.

Island, ich liebe dich! 💚

Stokksness - Vernebelte Aussichten

Montag, 18.07.2022

Tag 8 - Freitag, 15.07.2022

Die Sonne strahlte in der Früh schon und schleckte nach und nach die Wolkenfetzen von den umliegenden Bergen. Wir machten uns am frühen Vormittag auf nach Stokksness, zahlten den Eintritt und marschierten los. Wir hätten auch mit dem Auto in das Gelände fahren können, entschieden uns aber, alles zu Fuß zu laufen. Da die markanten Berggipfel noch immer in den Wolken versteckt waren, liefen wir zuerst zur Küste, da man dort Seelöwen beobachten kann. Und tatsächlich lagen einige faul auf einem Felsen in der Sonne. Neben uns saß eine deutsche Familie auf den Klippen und der Vater erzählte seiner Tochter, dass er grad einen Wal gesehen hätte. Mischi und ich sahen uns an - ja, genau, ein Wal! 🤪 Dann fiel uns auf, dass ein anderes Pärchen aufgeregt mit dem Fernglas aufs Wasser schauten und plötzlich sahen wir es auch: Zwei Wale, ein größerer und ein kleinerer, zogen ihre Bahnen in der Bucht. Man sah immer wieder den Blas und die Rückenflossen. Krass, so nah an der Küste hätte ich nie und nimmer Wale erwartet. 😃

In der Zwischenzeit waren alle Wolken von den Bergen verschwunden und wir liefen ein Stück zurück, um an den Sandstrand zu gelangen. Das Meer zog sich gerade zurück - in der Bucht sind Ebbe und Flut gut zu erkennen - und im verbleibenden Wasser auf dem Strand spiegelte sich die gesamte Bergkette. 🥰 

Wir wanderten den gesamten Strandabschnitt entlang und waren irgendwann ganz alleine. Wie so oft, wenn man ein bisschen zu Fuß Strecke machen "muss". Wir waren froh, dass wir das Auto am Eingang stehen hatten, sonst hätten wir alles zurück gemusst. 😅 Irgendwann fiel uns auf, dass der Strand dampfte und mit der Hand konnte man die Wärme fühlen, die emporstieg. Die vulkanischen Aktivitäten ließen grüßen.

Wir marschierten noch weiter bis zu einem kleinen verlassenen Häuschen, in das ich mich sofort schockverliebte. Was es wohl für Geschichten erzählen könnte? Wer hat hier gewohnt? Was ist hinter der Tür und den Gardinen, die noch immer hängen, passiert? Welche freudigen Ereignisse wurden gefeiert und welche Sorgen geteilt? Ach könnte ich dich doch nur verstehen...

Auf einem Felsen machten wir Pause und genossen die Stille. 

Dann traten wir den Rückweg an, ein Teil davon ging wieder über den Strand. Es war direkt etwas unheimlich und mystisch, denn der Wasserdampf wurde immer mehr und wir waren definitiv die Einzigen, die noch dort unterwegs waren. Ich musste an "Fünf Freunde im Nebel" denken und hoffte, dass wir uns nicht auch in der Gruselheide verlaufen würden. 😆

Alles ging gut. Wir schauten noch bei einem Wikingerdorf vorbei, das extra für Filmdreharbeiten gebaut wurde. Dann liefen wir zum Auto.

So hatten wir fast den ganzen Tag in dieser Bucht verbracht. Dass das möglich ist, hatten wir so gar nicht erwartet.

Fjallsárlón und Jökulsárlón - Im Diamantenfieber

Samstag, 16.07.2022

Tag 7 - Donnerstag, 14.07.2022

Wir packten unsere sieben Sachen, denn es stand ein Unterkunftswechsel an. Und auf dem Weg dorthin erwarteten uns weitere Highlights unserer Reise. Wir waren spät dran und ich musste ein bisschen Gas geben, damit wir rechtzeitig am Treffpunkt waren. Wir hatten nämlich eine Bootstour zu einer Gletscherabbruchkante gebucht. 

Beim Fjallsárlón angekommen bekamen wir warme Jacken und eine Rettungsweste und dann gings auf ein Schlauchboot, auf dessen Rand wir uns setzten. Unser Guide schipperte uns erst durch die treibenden Eisberge auf dem See und dann näher heran an die Abbruchkante. Wir befinden uns immer noch beim Vatnajökull, dem großen Gletscher Islands. Und es war mal wieder atemberaubend. Ein strahlend blauer Himmel trohnte über dem Gletscherausläufer, das Eis glitzerte in der Sonne und sah mal weiß, mal blau und mal durchsichtig aus. Ich hätte mir gewünscht, noch näher an die Kante heranzukommen, aber klar, da man nie weiß, wo das Eis abbricht, wäre das zu gefährlich. Im Moment verliert der Gletscherausläufer im Jahr rund 50 Meter an Eis. Das Bild der Lagune wird sich wohl dadurch in den nächsten Jahren verändern. 

Unsere zweite Station an diesem Tag war der "Diamond-Beach". Dieser Strand zählt für mich zu einem der schönsten und besondersten, an dem ich je war. Aus der Eislagune Jökulsárlón werden die kleinen Eisberge aufs offene Meer getrieben und mit den Wellen wieder an den Strand geschwemmt. Dort glitzern und funkeln sie wie Diamanten in der Sonne, bis sie geschmolzen sind. Es ist so schön dort - einmal für immer zum Mitnehmen, bitte. 🥰

Ein Spaziergang an der Eislagune darf natürlich auch nicht fehlen. Einatmen - ausatmen - genießen! Ich lass am besten die Bilder für sich sprechen. 🤩

Unsere Unterkunft ist ganz in der Nähe unseres nächsten Programmpunktes, so dass wir am Abend dort noch spontan vorbeifuhren. Da es jedoch Eintritt kostete, verschoben wir den Besuch doch auf den nächsten Tag. Ein paar Models standen aber noch für uns parat. 😉

Reynisfjara/Vik - Versteinerte Trolle

Samstag, 16.07.2022

Tag 6 - Mittwoch, 13.07.2022

An diesem Tag stand der "Black Sand Beach" (Reynisfjara) auf dem Programm, den wir zwei Tage vorher wegen des schlechten Wetters ausgelassen hatten. Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen Abstecher zu der Schlucht Fjaðrárgljúfur (Bitte 3x hintereinander ganz schnell aussprechen 😆). Auch dieser Ort hat durch das Justin Bieber Video an Bekanntheit gewonnen. Bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir den befestigten Weg oberhalb der Schlucht entlang. Mal wieder war ich hin und weg, was die Natur so zustande bringt. 

Dann gings ca 1,5 Stunden quasi wieder zurück nach Vik, einem kleinen Fischerort, an dem der Black Sand Beach gelegen ist. Kleines Wahrzeichen ist das Kirchlein, das über dem Ort wacht.

Natürlich waren wir nicht die einzigen Touris, denn der Strand zählt zu den Hotspots im Süden - aber zurecht! Von National Geographic wurde der Strand 1991 unter die Top 10 der nicht-tropischen Strände gewählt, die man auf der Welt besuchen kann. Gleich am Zugang zum Strand wird man mehrfach vor den sogenannten Sneakerwellen gewarnt. Diese können sogar völlig unerwartet an ruhigen Tagen auftauchen. Da es keine großen Landmassen zwischen der Antarktis und den Stränden von Reynisfjara gibt bedeutet das, dass die Wellen eine riesige Strecke zurücklegen und sich entsprechend aufbauen können. Deshalb sollte man dem Meer niemals den Rücken zuwenden und einen Sicherheitsabstand einhalten. Leider sind hier schon einige Menschen ums Leben gekommen, weil sie von einer Welle erfasst und aufs offene Meer gezogen wurden. Es gibt natürlich immer ein paar Leute, die ihr Glück herausfordern müssen und barfuß im Wasser entlang waten... 🙄

Wir liefen mit genügend Abstand bis zum Ende des Strandes, an dem die Felsen im Wasser stehen, die auch Reynisdrangar genannt werden. Lt. einer isländischen Sage waren dies Trolle, die versucht hatten, Schiffe vom Meer ans Land zu ziehen. Sie gingen jedoch zu spät in der Nacht hinaus und die Dämmerung verwandelte sie in festen Stein.

Dort setzten wir uns auf einen sonnengewärmten Felsen und ließen uns von den steten Wellen, die mal größer und mal kleiner an den Strand rollten, hypnotisieren. Wunderschön! Erst als der Wind stärker wurde und unangenehm an den Jacken zerrte, marschierten wir zurück zum Auto.

Skaftafell/Vatnajökull - Ice Age

Donnerstag, 14.07.2022

Tag 5 - Dienstag, 12.07.2022

Für diesen Tag war eine fünfstündige Gletscherwanderung geplant. Wir fuhren bei ziemlich tiefhängenden Wolken und ein paar Regentropfen los und waren pünktlich um 10 Uhr am Treffpunkt. Dort bekamen wir einen Klettergurt, Helm, Steigeisen und einen Eispickel. In einer Auto-Kolonne gings zu einem Ausläufer des Vatnajökull. Dies ist der größte Gletscher Europas und der drittgrößte weltweit. Vor uns lag mit dem Ausläufer ja nur ein kleiner Teil und der wirkte schon so groß. Ich war sofort fasziniert von seinen bizarren Eisformationen, die schon von unten zu erkennen waren. Wir wurden in zwei 6er-Gruppen eingeteilt und unser Guide war eine kleine drahtige Mexikanerin namens Sam. Sie ist vor ca. 4 Jahren nach Island ausgewandert und ihre Liebe zur Natur war in ihren Erklärungen zu hören und ihren strahlenden Augen zu sehen.

Zuerst gings über Stock und Stein zum Fuße des Gletschers. Unten ist er mit Erde und Asche bedeckt, so dass wir die ersten Höhenmeter noch ohne Steigeisen zurücklegen konnten. Dann zeigte uns Sam, wie wir sie anlegen und wir bekamen eine kurze Einweisung, wie man damit geht und wie man den Eispickel hält und benützt. Am Anfang stakste ich etwas vorsichtig und unsicher aufs Eis, aber die Steigeisen greifen sicher und ein Wegrutschen ist vollkommen ausgeschlossen, wenn man richtig auftritt. So kann man sehr steile Gefälle rauf- und runterlaufen, ein bisschen kamen wir uns wie Spiderman vor. 😆 

Wir liefen hintereinander, waren aber nicht durch ein Seil gesichert. Da im Sommer kein Schnee auf dem Gletscher liegt, sind alle Spalten deutlich zu erkennen und Sam führte uns im Zickzack immer weiter nach oben. Wir waren eine homogene Gruppe und ich konnte das Tempo sehr gut mithalten. Je höher wir kamen, desto schöner wurde es. Hier hatte das Wasser ein Loch in das Eis gegraben, das blau schimmerte, dort tat sich eine große Spalte auf, in die wir vorsichtig hinspähten und da drüben türmten sich verschiedenste Eisskulpturen auf. Es roch frisch und kalt und nach Eis und Schnee. Hin und wieder war ein Grollen zu hören, wenn sich der Gletscher bewegt. Das war fast ein bisschen unheimlich. Sind wir doch nur so kleine verletzliche "Punkte" inmitten der rauhen Natur. 

An unserem höchsten Punkt machten wir eine kurze Mittagspause. Da wir so flott unterwegs waren, hatten wir es höher geschafft als viele andere Gruppen. Wir waren ganz allein mitten im Eis und wenn alle ruhig waren, war es still. Eine Stille, die man in unserer Welt eigentlich fast nicht mehr kennt. Ich atmete tief ein und mich durchströmte eine unbeschreibliche Dankbarkeit genau jetzt hier zu sein.

Dann ging es leider wieder etwas abwärts - ich wäre am liebsten noch viel höher gestiegen. Sam meinte, sie hätte eine Idee, weil wir so gut in der Zeit wären. Wir querten den Ausläufer von rechts nach links in einen Teil, in dem viele breite Gletscherspalten waren. Von einem höher gelegenen Eisfeld schauten wir darauf herab. Sam holte Karabiner und ein Seil aus ihrem Rucksack, befestigte einen Haken im Eis und dann seilte sie uns nacheinander die ca. 8-10 Meter auf die darunter liegende Ebene ab. Das war echt ein Erlebnis und so etwas hatte ich überhaupt nicht erwartet. 😃 

Danach gings leider wieder nach unten, ich hätte noch ein paar Stunden im Eis verbringen können. Übrigens war es richtig schwer, den Pickel so ins Eis zu schlagen, dass er auch hält - es ist sehr komprimiert und hart. Hätte ich nicht gedacht. Vom Parkplatz schauten wir nochmal nach oben und Sam zeigte mir, wie hoch wir genau waren, da man das überhaupt nicht einschätzen kann, wenn man mitten im Berg ist. Man sieht im Ausläufer links die kleine braune Schleife und wir waren fast an deren oberen Ende - nur etwas weiter rechts im Eisfeld. Also so ziemlich in der Bildmitte. 🙂

Anschließend fuhren wir noch zum Skaftafell Zentrum und von dort wanderten wir zum Svartifoss, einem Wasserfall. Seinen Basaltsäulen soll die Kirche in Reykjavik nachempfunden sein. Der Weg dorthin war ziemlich steil und da uns die Gletscherwanderung durchaus in den Knochen steckte, konnte man uns ein bisschen fluchen hören. 😅

Es war ab Beginn der Wanderung dann den ganzen Tag über trocken geblieben und als wir vom Wasserfall zurück zum Auto liefen, riss es richtig auf und die Sonne zeigte uns ihr Strahlen. So kam es, dass wir die Umgebung von unserer Unterkunft zum ersten Mal richtig sehen und wahrnehmen konnten, weil die Wolken nicht bis zum Boden hingen - und wir waren begeistert!

Den Tag rundeten wir mit einem Besuch in einem Restaurant ab. Lecker wars!

Reykjavik --> Seglbudir - Auf den Spuren vom Bieber

Montag, 11.07.2022

Tag 4 - Montag, 11.07.2022

Der Wecker läutete um kurz vor 6 Uhr und normalerweise schlüpft Mischi schnell und leise ins Bad. Ich bin ein kleines Morgenmüffelchen und brauch nach dem Aufwachen noch paar Minütchen für mich. 🙈 Heute jedoch: "Beate, ich brauch dich schon! Um 0.00 Uhr hat Icelandair geschrieben, sie bringen die Koffer heute in die neue Unterkunft und wollten die Adresse bestätigt haben." Juhu, also nochmal einen ganzen Tag in den gleichen Klamotten. 🤪 Zumindest kommunizierte Icelandair mit uns.

Um kurz nach 7 Uhr fuhren wir los zum Einkaufen und danach gings auf die Ringstraße Richtung Süden. Irgendwie machte sich erst jetzt das Urlaubsgefühl in uns bemerkbar. Die Anspannung der letzten Tage fiel ab, wir sangen "unser" Lied "An guten Tagen" und freuten uns auf die Sehenswürdigkeiten, die alle an der Strecke zu unserer nächsten Unterkunft lagen.

Der 1. Stopp war der Wasserfall Seljalandsfoss. Das Besondere ist hier, dass man hinter dem Wasserfall entlang gehen kann. Vor drei Jahren war das für uns nicht möglich, was wir sehr bedauerten, da genau an dem Tag dort ein Film gedreht wurde. 

Wir waren natürlich nicht die Einzigen, aber daran müssen wir uns zur Hauptreisezeit wohl gewöhnen. Auf der Fahrt schüttete es kurz vorher noch, aber als wir ausstiegen wars wieder halbwegs trocken. Typisches Islandwetter.

In Reih und Glied stiegen wir die in den Fels eingelassenen Metallstufen nach oben, die uns neben den Wasserfall führten. Der Wind trieb die Gischt genau in unsere Richtung und wir waren im nullkommanix komplett nass. 😆 Gut, dass wir für solche Fälle die Regenjacken dabei hatten - nicht. Achso, die sind ja in den Koffern. 🙄 Es war faszinierend hinter den Wassermassen entlang zu spazieren.

Danach gings weiter zum Skogafoss, dem nächsten Wasserfall. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Eyjafjallajökull vorbei. Wer erinnert sich daran, wann und warum der Name weltweit in den Schlagzeilen war?! 😁

Am Skogafoss erklommen wir den Berg, um von der Aussichtsplattform dem Fluss von oben zuzuschauen, wie er sich in die Tiefe stürzt.

Auch von unten ist er sehr schön anzusehen. Da unsere Jacken gerade wieder trocken waren, blieben wir jedoch in "sicherer" Entfernung. 

Als nächstes Stand das Flugzeugwrack von Solheimasandur auf dem Programm. Die Maschine der US Army musste 1973 am Strand notlanden. Der Besatzung ist nichts passiert. Die Army hat die wichtigen Teile mitgenommen und durfte den Rest nach Absprache mit Island liegenlassen. Lange Zeit war das Wrack nur Insidern bekannt, aber nachdem Justin Bieber 2015 einen Videoclip dort drehte, wurde es weltweit berühmt. Von der Ringstraße führt eine ca. 4 km lange Offroadpiste dorthin. Karg, karger, "Steinwüste". Kein Baum, kein Strauch, kein Hügel... Und als wir dort entlang marschierten, ging ein starker Wind mit Böen, die uns teilweise aus dem Gleichgewicht brachten. 😂 Wir hätten auch ein Bus-Shuttle nehmen können, sparten uns aber das Geld. Beim Flugzeug war leider gerade recht viel los, als wir ankamen. Eine Gruppe junger Asiaten dachte wohl, sie hätte den Ort für sich alleine gebucht. 🙄 Posierten ewig und liefen einem danach dann auch noch ständig durchs Bild. Irgendwann fing es zusätzlich zum Wind auch noch an zu Regnen. 😆Als das nächste Shuttle kam, ging ein großer Schwung Leute und das war DIE Chance. Wir waren noch zu fünft, der Regen hatte wieder aufgehört und jeder wollte ein Bild vom Flugzeug in der Landschaft, ohne selbst davor zu posieren und wir achteten aufeinander. So macht fotografieren Spaß! 🙂🙃

Eigentlich wäre noch ein Strand auf dem Programm gestanden, aber da es wieder anfing zu schütten, fuhren wir bis zur Unterkunft durch. Von unseren Koffern hatten wir bis dahin nichts mehr gehört. Als wir in die kleine Straße einbogen, die zu unserem Apartment führte, kam uns ein kleiner weißer Lieferwagen entgegen. Und kurze Zeit später erhielr ich von unserer neuen Gastgeberin folgende Nachricht:

48 Stunden später und es war schon da! Uns fiel ein riesen Stein vom Herzen! 😅

Reykjavik - Mit Vollgas durch die Wellen

Sonntag, 10.07.2022

Tag 3 - Sonntag, 10.07.2022

Um 10 Uhr marschierten wir los zum Hafen. Eine Waltour stand auf dem Programm. Ich freute mich sehr darauf, gehören doch die Wale zu meinen Lieblingstieren. Außerdem steht auf der Wunschliste noch ein springender Buckelwal. 😁

Die ersten Touren am Morgen waren wegen zu schlechter Verhältnisse abgesagt worden. Sollte das bedeuten, dass uns endlich wieder dir Glückssträhne erreicht hatte?!

Wir bekamen dicke, gelbe Overalls und ergatterten die vordersten Plätze im RIB-Boat. Das ist ein schlauchbootartiges Schnellboot mit Zweierreihen. Man sitzt wie auf einem Pferd und hat einen Haltebügel vor sich. In Hafennähe war das Wasser noch ziemlich flach, aber je weiter wir rauskamen, desto höher wurden die Wellen. Unser Kapitän gab Gas und wir flitzen übers Wasser. Ein paar Mal war das Boot im freien Flug und der Aufprall auf dem Wasser war dementsprechend hart. Das tat weh, kam aber Gott sei Dank nicht zu häufig vor. Ich war mal wieder bei Seegang auf dem Wasser - ich liebs! 😃

Einen Zwischenstop machten wir noch bei der Puffininsel. Island beheimatet 60% der gesamten weltweiten Puffinpopulation. Die sind sooooo süß!

Weiter draußen am Meer orientierten wir uns an einem anderen Boot und tatsächlich sahen wir weiter weg den Blas und die Fluke eines Buckelwals. Jippie, wir hatten sie gefunden. Allerdings war das Wasser sehr unruhig und dementsprechend schwer war es, die Meeressäuger zu erspähen. Und trotzdem hatte ich so ein großes Glück, dass ich genau in dem Moment in die richtige Richtung blickte: Ein Buckelwal schoss aus dem Meer und mit einem lauten PLATSCH verschwand er in selbigem wieder. Ich riss noch die Kamera hoch, konnte aber nur noch das spritzende Wasser einfangen.

Ich habe jedoch diesen kurzen Moment in meinem Herzen gespeichert. Ein Haken auf meiner Wunschliste. Nächster Wunsch: Einen springenden Buckelwal fotografieren. 🙂

Obwohl man sie eigentlich seltener zu Gesicht bekommt, begegnete uns mehrmals ein Minkwal:

Wir sahen noch ein paar Wale, aber leider immer sehr weit weg. Ich will mich jedoch nicht beschweren, der eine Springende wog alles wieder auf.

Unser Guide zeigte kurz später auf ein größeres Schiff, das an uns vorbei aufs offene Meer fuhr: Ein Walfänger. 😳 Und mit etwas Abstand folgte ein Boot von Greenpeace, die aufpassen, dass die Regeln eingehalten werden. 200 Finnwale dürfen dieses Jahr gejagt werden. ☹️ Es besteht aber wohl der Plan, dass der Walfang ab nächstem Jahr komplett eingestellt wird. Hoffentlich!

Die Zeit war rum und es ging zurück. Regen setzte ein. Er peitschte uns ins Gesicht und prickelte unangenehm auf der Haut. Also Kopf nach unten, am Bügel festkrallen und es einfach nur geschehen lassen und annehmen. Ich musste so lachen und ich wusste, dass es Mischi neben mir ebenso ging. Wohlbehalten kamen wir in den Hafen zurück. 

Anschließend waren wir noch im Walmuseum. Dort hängen in einer großen Halle sämtliche Wale und Delfine aus Kunststoff in Lebensgröße von der Decke. So faszinierend, wie riesig manche tatsächlich sind.

Und weils gleich daneben war, statteten wir noch dem "Fly over Iceland" einen Besuch ab. Das ist ein 4D-Kino mit beweglichen Sitzen (die Beine baumeln)  und gerundeter Leinwand und der Effekt ist so genial, dass man wirklich meint, man würde fliegen. Was bedeutet 4D? Gerüche und Wassernebel sind inklusive. 😆 Wir flogen über die genialsten Landschaften, Island hat einfach so viel zu bieten. Am liebsten würde ich all diese Orte besuchen! Mich durchströmte das reinste Glücksgefühl!

Sollte das jetzt heißen, dass unsere Pechsträhne ein Ende hat?! Leider nicht ganz. Wir warteten ja noch auf unsere Koffer. Die gute Nachricht: Sie sind mittlerweile in Island angekommen. Die Schlechte: Der Zustellort passt nicht. Es ist bereits die Unterkunft angegeben, zu der wir erst am Montag fahren. Als Zustelldatum ist jedoch, wenn wir es richtig lesen, der Sonntag. Das passt nicht zusammen. 😭 Beim Lieferservice haben wir telefonisch niemanden mehr erreicht. Die Email blieb unbeantwortet. Wir haben die neue Unterkunft verständigt und hoffen, dass wir spätestens am Montag endlich unsere Koffer in Empfang nehmen können. Wir laufen dann halt noch einen Tag in den gleichen Klamotten rum. 🤣

Müchen - Zürich - Reykjavik --> Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt

Sonntag, 10.07.2022

Nach der Nacht im Flughafenhotel gönnten wir uns ein leckeres Frühstück und um 9.30 Uhr holte uns das Shuttle ab. Auf ein Neues! 😅 Wir waren guter Dinge und checkten uns am Lufthansaterminal selbst ein. Unsere Flugverbindung wurde gefunden, es kam die Bordkarte für München-Zürich und dann noch ein kurzer Vermerk, dass wir uns wegen Zürich-Reykjavik an den Lufthansaservice wenden sollen. Er verschwand, bevor wir zu Ende lesen konnten. Der freundliche Automat lud dann schon den nächsten Reisenden ein, seinen Ausweis einzuscannen... Ging das Ganze jetzt wieder von vorne los?! 😳 Also noch mit den Koffern an der Lufthansa-Info angestellt und bestimmt 5x vom dortigen Personal darauf hingewiesen worden, dass sie nicht der Check-In seien. Jaahaaaa, wir hattens verstanden. 🤪 Als wir endlich dran waren erklärte uns die Dame etwas arrogant und herabschauend, dass es klar sei, dass keine Bordkarten kämen, weil Lufthansa mit Icelandair keine Kooperation (oder ähnliches) hat. Danke, woher sollen wir das wissen?! Sie lenkte danach etwas ein, als wir ihr das gesagt hatten. Wir gaben noch die Koffer auf und waren froh über das KEF (Flughafen Reykjavik) auf dem Gepäckband. Die Koffer hatten also wenigstens schon ihre Bordkarten bis Island. Bei der Sicherheitskontrolle war nichts los und wir schlenderten gemütlich zu unserem Gate. Auch das Boarding begann relativ pünktlich. Das war gut so, denn wir hatten in Zürich nur 40 min zum Umsteigen. Aber uns wurde versichert, dass das reichen würde. Ja, und dann saßen wir da im Flieger und warteten. Es war ein kleines Flugzeug mit nur 4 Leuten (2x2) in einer Reihe. Die größeren Handgepäckstücke mussten also auch in den "Bauch". Die Stewardess teilte uns mit, dass noch kein Kofferpersonal da wäre und der Pilot persönlich gerade das Handgepäck verlädt. Es ist echt Wahnsinn, was an den Flughäfen gerade los ist. Wieder einige Zeit später kam die Info, dass jetzt endlich Personal da wäre und unsere großen Koffer verladen werden. Ja, und danach warteten wir noch auf die Starterlaubnis. Eigentlich sollte ich mal die Stunden zusammenzählen, die wir die letzten zwei Tage mit warten verbracht hatten. Ja, und die Zeit tickte und wir bangten um den Anschlussflug. Zustand Nervenkostüm: Sehr dünn! 

Endlich hoben wir ab und unser Pilot gab richtig Gas - oder wie heißts beim Flugzeug 😆, dass wir nahezu pünktlich in Zürich landeten. Natürlich nicht direkt am Gate, wir brauchten noch den Bus. Als wir in diesem waren, erspähte Mischi unsere Koffer auf einem Gepäckwagen mit nur wenigen anderen. Das waren bestimmt die Anschlussflügekoffer und wir waren guter Dinge. Der Züricher Flughafen ist wirklich nicht groß, das Gate war gleich gefunden und wir bekamen die Bordkarten. Mit einem Schmunzeln sagte der Mitarbeiter: "Sie haben ein Upgrade und fliegen Business." 😃 Super, nehmen wir. Dass wir auch in Zürich nicht ganz pünktlich loskamen nahmen wir gelassen. Ich freute mich über viiiiel Beinfreiheit und den Businessclass-Service.

Nach einem ruhigen Flug landeten wir trotzdem relativ pünktlich gegen 16.00 Uhr in Reykjavik. Das Wetter begrüßte uns typisch isländisch mit Wolken fast bis zum Boden, Wind, Nieselregen und 11 Grad. 😅 Aber das ist uns bewusst und wir haben uns vor der Abreise schon geschworen, dass wir uns kein einziges Mal über das Wetter beschweren werden. Trotzdem freuen wir uns natürlich über jeden Sonnenstrahl, der vorbeischaut. ☀️ 

Ich hatte den Flughafen gar nicht so groß in Erinnerung, es war sehr voll und wir liefen ewig bis zur Gepäckausgabe. Ja, und dann warteten wir wieder. Und warteten und warteten und warteten - vergeblich. Unsere Koffer waren dann wohl noch in Zürich. 😭😭😭 Nervenkostüm: Fast nicht mehr vorhanden. Laune: Im Keller. Ich muss eigentlich nicht erwähnen, dass wir auch an der Koffervermisstenstelle wieder warteten. Das junge freundliche Mädel machte uns Mut, dass die Koffer am nächsten Tag abends nachkommen. Zwei Flüge werden aus Zürich erwartet. Ihre Worte in Gottes Ohr! 🙏 

In der Ankunftshalle warteten wir dann aufs Shuttle zur Mietwagenfirma. Mir graute etwas vor dem Gedanken, mich jetzt noch mit einem fremden Auto vertraut machen zu müssen und zur Unterkunft zu fahren. Aber dann riss ich mich am Riemen. Wir sind endlich hier, sind gesund und haben den ganzen Urlaub noch vor uns! Ab jetzt kann es doch nur noch gut laufen! Ich freute mich so sehr auf Island, das wollte ich mir nicht kaputt machen lassen.

Wir bekamen recht unkompliziert und ohne Einweisung einen kleinen grauen SUV von Toyota. Für uns mit Technik hoch 10. 😆😅 Anstatt dem Zündschloss fand ich einen Startknopf usw. Aber ich hab ihn anbekommen und wir sind wohlbehalten in unserer Unterkunft angekommen. Achja, jedes Auto hat bei uns einen Namen. Wir haben ihn "Fuchur" getauft, einen Glücksdrachen können wir gebrauchen. 

Zum Auspacken gabs nicht viel 🤪 und wir spazierten noch zur bekannten Kirche und durch die Fußgängerzone. Vor der Kirche verdrückte ich dann doch noch ein Tränchen, aber vor Dankbarkeit, dass ich endlich wieder hier sein darf. 

München - Island --> Ein Unglück kommt selten allein

Freitag, 08.07.2022

Ja, endlich war er da, der Tag an dem wir in den Urlaub fliegen sollten...

Wir waren am Freitag überpünktlich um 11.00 Uhr, extra drei Stunden vor Abflug, am Flughafen und befanden uns am Check-In trotzdem ziemlich weit hinten in einer ewig langen Schlange. Nichts ging vorwärts - wie auch, es war ein einziger Schalter offen und gefühlt war diese Mitarbeiterin besonders langsam. Nach 1,5 Std, in denen wir uns vielleicht 10 Meter bewegt hatten, bekam sie Hilfe von einem jungen Mann. Mischis Kommentar "Wahrscheinlich geht sie jetzt in Mittag!" erheiterte die um uns stehenden Leute. Ab da gings schneller und wir hielten gegen 13.15 Uhr endlich unsere Bordkarten in den Händen. Noch schnell durch die Sicherheitskontrolle und ab zum Gate, da das Boarding um 13.25 Uhr starten sollte. Um 13.50 Uhr standen wir da immer noch, und dann kam sie, die Durchsage: "Wir müssen ihnen leider mitteilen, dass der Flug storniert wurde!" 😳 Hui, da schießt einem mal kurz das Adrenalin durch den Körper... Kurze Aufruhr vorm Gate, jeder redete durcheinander, zückte das Handy, gestikulierte. Ein kleines blondes Mädchen fing zum Weinen an, nachdem der Vater ihr erklärte, dass wir nicht fliegen werden. Es machte die Runde, dass beim letzten Flug der Maschine ein Vogel dagegen geflogen wäre und das Flugzeug erst geprüft werden müsse. Obs stimmt?! Nach einer geraumen Zeit wurde uns lapidar mitgeteilt, dass wenn man direkt umgebucht wurde, man eine SMS oder Email erhalten hätte, und wer keine bekommen hat, solle sein Gepäck wieder holen und den Sicherheitsbereich verlassen. Die Fluggesellschaft würde nichts weiter tun. Um einen Ersatzflug müsste man sich selbst kümmern. WHAT?! Mischi hatte währenddessen schon unser Reisebüro an der Strippe und er buchte uns für abends einen Flug über Düsseldorf nach Island. Zwar auf eigene Kosten, aber zumindest würden wir am gleichen Tag noch ankommen. Denn Hotel, Mietwagen und Ausflüge fürs Wochenende waren ja auch bereits gebucht und gezahlt. Also ab zur Kofferausgabe. Mischis Koffer war bald gefunden, von meinem keine Spur. Plötzlich wieder ein Anruf vom Reisebüro: Düsseldorf -Island wäre wohl ebenfalls storniert worden, er könne es nicht mehr buchen. Nächste Alternative am Sonntag Nachmittag. Hurra! 😭 Urlaubsfreude fühlt sich anders an. Außerdem war ich immer noch auf der Suche nach meinem Koffer. Der ganze Raum stand voller Gepäck, das wohl noch nicht weitertransportiert werden konnte. Chaos pur am Flughafen. Ich fand eine Gruppe Leute, die beim Island-Gepäck standen, wo mein Koffer aber eben nicht dabei war, die mit einem Angestellten sprachen. Er wüsste nicht, wo die restlichen Koffer seien, wir sollen nach draußen gehen und unser Gepäck als vermisst werden. Plötzlich stand Mischi neben mir, das Handy am Ohr: "Wir können doch schon morgen über Zürich fliegen und ich muss JETZT ja oder nein sagen!" Ich war in dem Moment total überfordert, denn was ist, wenn bis dahin mein Koffer nicht aufgetaucht ist?! 😱😰😫 Aber meine Intuition sagte "buchen". Als nächstes raus aus dem Sicherheitsbereich zur "Vermisstenstelle". Die etwas mürrische Dame schickte mich gleich zu einer Gruppe, die ebenfalls ihr Gepäck von diesem Flug oder besser gesagt "Nicht-Flug" vermissten. Ca 20 min später bekamen wir ein Einlassticket, um erneut den Sicherheitsbereich betreten zu dürfen - und fanden uns in der gleichen Gepäckausgabehalle wieder wie zuvor und von unseren Koffern nach wie vor keine Spur. Man wusste langsam echt nicht mehr, ob man lachen oder weinen sollte. Immerhin waren wir zu siebt: Drei Deutsche, ein Israeli und drei Amerikaner. Wir riefen unsere Mitreisenden an, die draußen warteten. Die informierten sich wieder bei der Vermisstenstelle und wir bekamen die Info, dass wir einfach warten sollten. Eine Stunde verging... 🍂 Wir sieben tauschten Handynummern aus und zwei verließen den Sicherheitsbereich, sie hatten keinen Nerv mehr zu warten. Und zwei Minuten später plötzlich ein Schrei hinter mir: "Aaaah, da auf dem Band, mein Koffer!" Ich blickte auf und: "Jaaa, meiner ist auch dabei!" 😅 Ich glaub, ich war noch nie so froh, meinen Koffer zu sehen. Was für ein Glücksgefühl. Wir telefonierten mit den beiden, die bereits draußen waren und anhand der Kofferanhänger fanden wir die richtigen Gepäckstücke und nahmen sie mit. Die beiden durften nämlich natürlich den Sicherheitsbereich nicht wieder betreten...

Wir haben uns jetzt ein Hotelzimmer in der Nähe vom Flughafen gebucht. Heimfahren hätte sich total falsch angefühlt, außerdem ist es so weniger stressig. Davon hatten wir heute genug. Wir fliegen also morgen mit der Lufthansa (von der man ja gerade auch ganz tolle Geschichte hört 😆) nach Zürich, haben 40 (!) Minuten Umsteigezeit und sind dann hoffentlich gegen 16.00 Uhr in Reykjavik. Bitte Daumen drücken!

Ich bin durch für heute... Gute Nacht! 🥱😴

Coming soon -----》Island

Dienstag, 28.06.2022

Bald geht es wieder los! 😀 Am 8.7. gehts nach Island und ich werde wieder regelmäßig berichten! Ich freu mich riesig, innerhalb von zwei Wochen die Südküste zu bereisen. Der Wettergott ist bereits angefunkt, die Bergstiefel geputzt und die Akkus geladen! Ich kanns kaum erwarten! 😎

Dies und Das – Anekdoten von Bord

Sonntag, 30.07.2017

Es waren bei dieser Fahrt ca. 2100 Passagiere an Bord, so dass es zwangsläufig zu netten, lustigen oder auch negativen Begegnungen kam. Manchen Leuten begegnete man immer wieder, andere sah man tatsächlich nur einmal – was je nach Charakter schade oder auch gut war. ?

 

Der Erste, der uns aufgefallen und der uns auch immer wieder begegnet ist, bekam den Spitznamen „Der Kloa“. Er sah aus wie 16, musste aber bereits die 18 überschritten haben, sonst hätte er bei den Trinkspielchen nicht mitmachen dürfen. Er war relativ klein und schmächtig, kam dem Dialekt nach zu urteilen aus der Schweiz, und war mit Mutter und Bruder an Bord. Man sah ihn aber fast nie mit der Familie, sondern immer allein oder in Begleitung von anderen Jugendlichen. Aufgefallen ist er uns, weil er bei Allem vorne mit dabei war. Egal, ob es ums „Nageln“ am bayerischen Abend ging, wenn der Event-Manager einen Freiwilligen für die Bühne suchte oder der Zauberer einen Tester für seinen aus Wasser verwandelten Absinth suchte – der Kloa meldete sich und war zur Stelle. Sehr köstlich das zu beobachten!

 

Mein absoluter Liebling war der „Bub“, richtiger Name leider unbekannt. Das erste Mal aufgefallen ist er uns nach ein paar Tagen der Reise, als wir gemeinsam am gleichen Tisch zu Kaffee und Kuchen saßen. Er ist um die 7-8 Jahre alt und reiste mit Oma und Opa. Es gab an diesem Tag Donuts und er musste schon mindestens einen Donut verspeist haben, als wir an den Tisch kamen, denn sein Mund war in einem größeren Radius mit Schokolade beschmiert. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und beobachtete den kleinen Kerl, der weitere Donuts vertilgte. Irgendwann fing er meinen Blick auf, grinste erst zurück und schaute dann etwas verschämt auf seinen Teller. Ich schaute in die Luft und tat absichtlich übertrieben so, als hätte ich gar nichts gesehen. Er machte mich nach und danach grinsten wir uns noch doller an – ein Charmebolzen, wie er im Buche steht. Der Opa bemerkte unser Spielchen und fragte zwinkernd:

„Schäkert ihr zwei?“

„Och, ein bisschen!“, gab ich zu und dann lachten wir alle.

Kurz darauf trafen wir den Kleinen im Gang, sie hatten ihre Außenkabine ganz in der Nähe von Unserer. Wir sahen die Großeltern mit ihrem Enkel von da an häufiger und amüsierten uns köstlich, was für ein „Süßer“ der Kleine war. In der Früh half der Opa beim Beschmieren der kleinen Pfannkuchen mit Nutella und auch abends ging der erste Weg zum Nachspeisenbuffet. Wir hatten ihn nie etwas anderes Essen sehen, als Süßspeisen. Und irgendwie fanden wir es toll, dass die Großeltern das zuließen – aber zuhause leidet er jetzt wahrscheinlich unter Zuckerentzug!

 

Sehr nett fand ich auch noch eine ältere Dame, die eines Abends bei der Fahrt durchs Polarmeer vom Essenstisch aufsprang und zum Fenster eilte:

„Ich habe einen Wal gesehen, ich bin mir ganz sicher! Aber jetzt sehe ich nichts mehr!“

Ihr Mann glaubte ihr nicht so Recht:

„Na, wo ist er denn – hast du wirklich etwas gesehen?“

„Ja, da war ein Wal, ich kann mich doch nicht so getäuscht haben!“

Ich kam ihr zur Hilfe, in dem ich meinte, dass sie durchaus einen Wal gesehen haben konnte, der ja aber wieder abgetaucht sei und man ihn dann natürlich nicht mehr sehen würde!

Sie strahlte mich an und drehte sich energisch zu ihrem Mann um:

„Siehst du, und ich habe doch einen Wal gesehen!“ ?

 

Eine andere Dame erzählte uns in Island kurz vor dem Anlegen, dass der Kapitän gesagt hätte, dass die Vogelinsel nicht weit weg wäre und sie dann dort mit ihrem Mann hinwandern würde. Ich schaute etwas skeptisch und antwortete, dass sie vielleicht eher nach einem Ausflug mit dem Boot schauen müssten, denn hin“wandern“ könnte schwierig werden. Erst schaute sie mich irritiert an, dann musste sie lachen:

„Ja sind wir blöd. Natürlich, Vogel-INSEL! Da werden wir nicht hingehen können! Mei, danke für den Tipp!“

Gerne! ?

 

Der Kapitän sorgte am letzten Abend auch für einen Lacher, als er bei der Verabschiedung ein Glas Sekt ablehnte, mit den Worten: „Nein danke, ich muss noch fahren!“

 

Ein Kellner verblüffte uns am letzten Tag noch mit einem Zaubertrick. Er wickelte einen Zahnstocher in eine Serviette und ließ ihn uns zerbrechen. Eindeutig knackte es drei Mal! Als er das Stofftuch wieder öffnete, war der Zahnstocher wieder ganz. Er lachte über unsere verdutzten Gesichter. That was magic!

 

Aber es gab auch die Kehrseiten an Mitreisenden. Öfter saßen wir neben Leuten, die sich über dies und das beschwerten, über das Essen mäkelten und ein Gesicht zogen, als wäre es der schrecklichste Urlaub ihres Lebens. Das griff auch der Komiker Thorsten Bär auf, der als Gastkünstler an Bord war. Er schlug vor, ein neues Schiff zu bauen, den Kussmund umgekehrt, also mit hängenden Mundwinkeln aufzusprühen und es „AIDAgrummel“ zu nennen. Es gäbe dann auf jedem Deck eine Rezeption, bei der man sich beschweren könne – auch über die Rezeption von einem anderen Deck. Der Großteil der Leute im Theater lachte darüber und klatschte, einige nicht. Klare Anwärter fürs Grummel-Schiff.

 

Solch einen Grummeltisch hatten wir in dem Restaurant-Eck, in dem wir bevorzugt gegessen haben. Wir hatten uns auch einmal an diesen Tisch verirrt, aber danach nie wieder. Es kam keinerlei Unterhaltung zustande und die Blicke waren meist finster. Es waren immer die gleichen zwei Ehepaare und ein behinderter Bruder von einem der Männer. Und dann war noch Platz für drei Leute. Aber oft blieben diese Plätze leer oder wir sahen ein Paar dort, dass danach auch nie wieder dort saß.

 

Beim letzten Frühstück am Abreisetag machte uns ein philippinischer Kellner, mit dem wir uns öfter unterhalten hatten, darauf aufmerksam, dass der Nebentisch eifrig Semmeln für die Heimfahrt schmierte, und sie dann heimlich in der Tasche verschwinden ließ. Auf der anderen Seite machte es ihnen der Grummeltisch nach. Er schüttelte etwas unverständlich den Kopf und amüsierte sich trotzdem köstlich – wir stellten schnell klar, dass nicht alle Gäste so gierig wären und raffen würden. Manchmal ist wirklich fremdschämen angesagt.

 

Und trotzdem ist es sehr schön sagen zu können, dass die positiven Begegnungen definitiv überwogen haben!!!

 

Mit diesem Bericht schließe ich diese Reise ab. Sorry, dass ich die letzten Beiträge erst heute hochgeladen habe und ein paar von euch umsonst auf den Blog geschaut haben. Auf dem Schiff habe ich es leider nicht mehr geschafft - man merkt dann doch, dass man weniger Zeit hat, wenn man nicht alleine unterwegs ist. 😉

 

Ich bedanke mich bei euch fleißigen Lesern und ich hoffe, dass es euch wieder gefallen hat, mich zu begleiten.

 

Bis zum nächsten Mal - AHOI

Bergen – Der Kapitän hat immer Recht

Sonntag, 30.07.2017

Um 8.00 Uhr legten wir bei dem bisher schlechtesten Wetter der Reise in Bergen an. Es schiffte, um dem Ganzen Ausdruck zu verleihen. So präsentierte sich Bergen gleich als das, was sie ist: die regenreichste Großstadt Europas mit ca. 250 Regentagen im Jahr.

 

Für 10.00 Uhr kündigte der Kapitän eine Sicherheitsübung der Besatzung an, während dieser die AIDA sich im Hafen einmal drehen würde. So könnte man von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr nicht von Bord. Da uns das Wetter eh nicht behagte beschlossen wir, es gemütlich angehen zu lassen, und verließen erst nach der Übung gegen 12.00 Uhr das Schiff. Es regnete immer noch – und zwar quer. Innerhalb kurzer Zeit waren wir richtig nass und hangelten uns erstmal von einem Souvenir-Shop zum Nächsten. Da wir dabei nicht die Einzigen waren, fühlten wir uns teilweise wie die Ölsardinen…

 

Beim Schlendern über den Fischmarkt fiel uns zum ersten Mal graues bis schwarzes Filet auf, das neben Lachs und Shrimps usw. angeboten wurde. Das Schild bestätigte meine Vermutung: Walfleisch. Den Wal gab es auch als Salami und gegart und frisch zubereitet – die vielen japanischen Touristen kauften ihn auch. An Bord wurde noch durchgesagt, dass man vom Kauf des Walfleisches Abstand nehmen sollte, und dass die Einfuhr von Walfleisch nach Deutschland verboten sei.

 

Es regnete immer noch, als wir trotzdem ein paar Fotos von der typischen Häuserfront von Bergen machten. Geschützt unter dem Schirm, damit die Fotolinse nicht gleich Wassertropfen aufwies. Der Kapitän hatte für den frühen Nachmittag ein paar Sonnenstrahlen vorausgesagt, davon war jedoch weit und breit nichts zu sehen. Wir stellten uns unter, um ein bisschen zu trocknen und hatten schon fast beschlossen, wieder zurück aufs Schiff zu gehen, als es aufhörte zu regnen. Und auf dem Weg zurück zur Häuserfront zeigte sich dann sogar schon ein Fleckchen blauer Himmel. Wir liefen doch nochmal in die Stadt hinein und auf die andere Seite des Hafens. Jetzt schien sogar schon stellenweise die Sonne. Der Kapitän hat also doch immer Recht! Darin sahen wir uns bestätigt.

 

 

Auf dem Rückweg shoppten wir die bereits vorher gesichteten Souvenirs. Ich nahm dieses Mal nur praktische Dinge mit: Ein Geschirrtuch mit eingesticktem Troll, Eisbär und Wikingerschiff, Socken mit Eisbärenmotiv – und dann entdeckten wir noch eine typische Norwegermütze mit Bommeln – die musste auch noch mit.

 

Ein bisschen setzten wir uns noch in die Sonne und beobachteten das bunte Treiben, schauten dem neben uns liegenden Kreuzfahrtschiff bei der Abfahrt zu und kehrten dann doch noch zufrieden mit diesem Tag auf unsere AIDAluna zurück.

 

Nachtrag:

Am Vorabend hatten wir uns im „Rossini“, dem etwas besseren Restaurant auf dem Schiff, ein 11-Gänge-Menü gegönnt – quasi das verschobene Geburtstagsessen, da wir ja am Vortag erst verspätet vom Ausflug zurückkamen. Es war sehr exquisit und wir schlemmten uns von einem Gang zum Nächsten. Als Nachspeise bekam ich dann noch eine persönliche Geburtstagstorte mit Schriftzug, die mir eine ganz liebe Person von Deutschland aus bestellt hatte. Vielen Dank noch mal dafür! ?

 

Lofoten – Das war t(r)oll!

Sonntag, 30.07.2017

Am Dienstag liefen wir – mal wieder – bei schönstem Sonnenschein in die Bucht von Leknes/Gravdal der Lofoten ein. Die Lofoten sind eine Inselgruppe, bestehend aus ca. 80 Inseln, vor der Küste Norwegens, immer noch nördlich vom Polarkreis. Die wichtigsten Inseln sind mit Tunneln und Brücken miteinander verbunden.

 

Bilder, die bei der Einfahrt in den Fjord entstanden sind. Die Möwen segelten neben dem Schiff.

 

An diesem Tag lagen wir auf Reede, d.h. unser Schiff ankerte in der Bucht und wir wurden mit den Tenderbooten an Land gebracht. Wir erreichten unseren Ankerplatz erst zwei Stunden später als geplant, da der Lotse, der uns von Tromsö durch die Fjorde nach Leknes bringen sollte erkrankt war, und der Ersatz-Lotse die Qualifizierung dafür nicht hatte. Wir mussten einen Umweg fahren, so dass trotz voller Fahrt mit ca. 20 Knoten die ursprüngliche Liegezeit nicht eingehalten werden konnte. So verschob sich der Beginn unseres Tagesausflugs um zwei Stunden – aber wir waren froh, dass er überhaupt stattfinden konnte. Der Aufenthalt in der Bucht wurde aber auch um zwei Stunden bis 21 Uhr verlängert, und da es ja im Moment nicht Dunkel wird, war alles kein Problem.

 

Wir tenderten also an Land und bestiegen einen Reisebus, der uns zuerst zu einer in ganz Norwegen bekannten „Glashütte“ brachte. Sogar das norwegische Königspaar war schon hier und hatte sich Glasgeschirr und Glasdeko anfertigen lassen. Die Berge um den kleinen Ort waren wolkenverhangen und unsere deutschsprachige Reiseleitung erklärte, dass dieser Nebel im Sommer völlig normal wäre. Wir bräuchten uns keine Sorgen um das schöne Wetter machen, auf der anderen Seite der Berge wäre die Sonne wieder da. Hm, im Winter nur Polarnächte ohne Sonne, und im Sommer dann Nebel ohne Sonne – irgendwie doch sehr trostlos, da braucht man dann wohl ein sonniges Gemüt. ?

 

Danach fuhren wir mit dem Bus ca. drei Stunden bis zu dem Ort Svolvaer. Die Landschaft war atemberaubend und ich schoss einige Fotos durch die leider oft spiegelnde Fensterscheibe. Dabei schüttelte sich immer wieder von selbst mein Kopf – berauscht von der Schönheit der Natur. An vielen Fleckchen wäre ich gerne ausgestiegen, um die Aussicht noch besser genießen zu können. Leider hielten wir kein einziges Mal mehr an.

 

Foto aus dem Bus heraus in die sagenhafte Landschaft.

 

In Svolvaer bekamen wir um kurz vor 15.00 Uhr in einem Hotelrestaurant ein sehr leckeres Mittagessen. Es war ein Buffet, bestehend aus allerlei verschiedenem kalten Fisch und Salaten und zur Nachspeise gab es zweierlei Sorten Kuchen. Mischi meinte noch so, ob es da wohl wieder Leute gibt, die sich beschweren?! Es war kaum ausgesprochen, ging es auch schon los. Allerdings nicht über das Essen, sondern über die Tour an sich. Eine Mitreisende beschwerte sich lauthals, dass sie den Ausflug nicht gebucht hätte, damit sie stundenlang im Bus säße, sondern dass sie eine Bootsfahrt zum Trollfjord gebucht hätte, und dass die vier Stunden angekündigte Bootsfahrt zum Fjord ja gar nicht mehr eingehalten werden könne, da „halb fünf“ plus vier Stunden ja „halb zehn“ wäre und die AIDA ja bereits schon um 21.00 Uhr wieder ablegen würde. Dann rauschte sie aus dem Restaurant nach draußen. Wir schmunzelten, denn schon klar: 16.30 Uhr plus 4 ist gleich 21.30 Uhr. Aber sie war so schnell weg, dass sie niemand über ihren Rechenfehler aufklären konnte…

 

Gegen 16.30 Uhr verließen wir also mit einem größeren Katamaran den Hafen von Svolvaer und fuhren an einer traumhaften Küstenlandschaft entlang Richtung Trollfjord. In einer kleinen Bucht stoppten wir und die Besatzung warf Fische ins Wasser, um Seevögel zu füttern. Die Möwen schnappten sich die Beute in Sturzflügen, die sich sehen lassen konnten. Leider waren die Adler, die auf den Felsen saßen, wohl satt, denn sie schauten den Möwen nur gelangweilt zu. Später auf der Fahrt kamen wir an einem anderen Boot vorbei, die ebenfalls fütterten und da war sogar ein Seeadler in Aktion. Toll!

Unser Ziel war ja der „Trollfjord“, ein ca. zwei Kilometer langer Seitenarm des Raftsunds, der die norwegischen Inselgruppen der Lofoten und der Vesteralen voneinander trennt. Die Einmündung ist nur etwa 100 Meter breit und erweitert sich zum Ende hin auf ca. 800 Meter. Begrenzt wird der Fjord von gut 1000 Meter hohen Bergen, die an manchen Stellen fast senkrecht aus dem Wasser steigen. Es war sehr beeindruckend, langsam dahinzugleiten und die Natur auf sich wirken zu lassen. Wir fuhren bis zum Ende des Fjords, wendeten dort auf der Stelle und verließen ihn wieder. Mein Fotografenherz weinte leider, denn die Sonne stand am Ende des Fjords, und leuchtete uns entgegen, so dass die Lichtverhältnisse keine guten Fotos zuließen. Da wäre es zwei Stunden früher wahrscheinlich besser gewesen.

 

Trollfjord

 

Anschließend fuhr uns der Katamaran an weiteren tollen Küstengebieten und süßen Örtchen vorbei, direkt zurück zum Schiff. Wahnsinn, wie abgeschieden manche Leute wohnen!

 

 

Gegen 20.15 Uhr war der Ausflug vorbei, wir waren also fast vier Stunden auf dem Katamaran gewesen. Hoffentlich hatte die „nette“ Dame vom Restaurant noch Nachhilfe in Mathematik bekommen.

 

Ohne uns groß umzuziehen erklommen wir das Deck 11, auf dem sich die Pizzeria befindet. Die anderen Restaurants hatten zwar auch bisschen länger geöffnet, als sonst, aber wir wollten uns beim Essen nicht hetzen. Die Pizzeria serviert bis 24.00 Uhr. ? So bekamen wir die Vorbereitungen für den bordeigenen Shantychor mit. Sämtliche Offiziere, einschließlich des Kapitäns, gaben gegen 21.30 Uhr ein paar Seemannslieder zum Besten.

 

Vorne in der Bibliothek ließen wir diesen schönen Tag bei einem Cocktail ausklingen, und sahen seit langem mal wieder einen Sonnenuntergang. Für ein paar Stunden verschwand der große Stern in diesen Breitengraden wieder unterm Horizont.

Tromsö – Vom Eismeer in luftige Höhen

Sonntag, 30.07.2017

Tromsö ist im Vergleich zu den Städtchen, die wir davor angelaufen waren, eine richtige Großstadt. Wir lagen weit weg vom Zentrum im Containerhafen und das Shuttle sollte wieder 10 Euro kosten. Wie in den Tagen zuvor strahlte abermals die Sonne vom Himmel und wir beschlossen, den Weg zur Eismeerkathedrale zu Fuß anzutreten. Schon nach ein paar hundert Metern verschwanden die Jacken in den Rucksäcken und wir sollten sie an diesem Tag auch nicht mehr brauchen. Hatte ich schon erwähnt, was wir für ein Glück mit dem Wetter hatten?! ?

 

Der Weg war nicht sonderlich schön, denn er führte an der Hauptstraße entlang und quasi durchs Industriegebiet. Kurz vor dem Zentrum bogen wir links auf die große Brücke ab, die die Stadteile von Tromsö über den Fjord hinweg verband. Sie schwankte immer wieder leicht, je nach Größe des Autos, dass an uns vorbeifuhr. In knapp einer Stunde hatten wir die ca. vier Kilometer zur Kathedrale bewältigt und bestaunten die tolle Kirche. Mir gefällt die Kirchen-Bauweise der Nordeuropäer. Die Eismeerkathedrale soll wohl Eisberge symbolisieren. Den Eintritt sparten wir uns, und wir liefen weiter Richtung Seilbahnstation, da wir auch dieses Mal lieber in die Natur wollten, als ins Zentrum der Stadt.

 

 Die Eismeerkathedrale

 

Für ca. 17 Euro fuhren wir mit einer Gondel in vier Minuten nach oben auf den Fjellheisen. Die Aussicht war gigantisch und wir sahen erst jetzt, dass Tromsö auf einer Fjordinsel liegt und durch zwei große Brücken mit dem Festland verbunden ist.

 

Carlos war sehr mutig, als er den Blick nach unten wagte

 

Auch dieses Mal machten wir uns auf noch weiter nach oben, denn die Bahnstation lag nur auf einem Zwischenplateau. Landschaftlich war es wieder toll.

 

 

Hier waren die fliegenden Tierchen noch anstrengender, als in Hammerfest auf dem Berg. Sie ärgerten uns so sehr, dass wir bald den Rückweg zur Bahnstation antraten, da verteilten sich die Mücken nämlich auf mehrere Personen.

 

Für die Abfahrt mussten wir etwas warten, da immer nur 28 Leute in eine Gondel passten. Es gab zwei Gondeln, die immer gleichzeitig oben und unten starteten und sich in der Mitte trafen. An der Kathedrale hofften wir ein Taxi zurück zum Schiff zu erwischen, aber leider waren alle vorbeifahrenden bereits besetzt. So liefen wir auch zurück wieder zu Fuß zum Schiff – langsam spürten wir die ca. 10 Tageskilometer in den Beinen.

 

Das Ablegen verfolgten wir am TV von der Kabine aus, da wir mit dem Duschen nicht rechtzeitig fertig geworden waren.

 

Während dem Abendessen fuhren wir in ein mystisch wirkendes Nebelfeld, das direkt über dem Meer lag. Sämtliche Fotografenherzen schlugen höher und das Essen auf vielen Tellern wurde kalt.

 

 

Nach der Show im Theatrium ergatterten wir zwei Plätze in der „Bibliothek“ und stießen um 0.00 Uhr ganz still und leise auf meinen Geburtstag an. ?

Hammerfest – Im Zick-Zack-Kurs unterwegs

Sonntag, 30.07.2017

Um 8.00 Uhr läutete bereits wieder der Wecker und wir krochen aus dem Bett zum Frühstück. Die AIDA lag bei abermals strahlender Sonne im Hafen von Hammerfest. Hammerfest war lange Zeit die nördlichste Stadt Norwegens, musste diesen Titel aber vor nicht allzu langer Zeit an Honningsvag abgeben.

 

Um ins Zentrum zu gelangen, mussten wir einmal um die Bucht. Für den Shuttle hätte die AIDA stolze 10 Euro verlangt, also marschierten wir zu Fuß los. Ich entdeckte bald, dass einige Leute auf dem ca. 100 Meter hohen Berg hinter dem Ort waren und wollte unbedingt auch dort hinauf. Da das Zentrum nicht wirklich viel zu bieten hatte, suchten wir den Aufstieg, der als „Zick-Zack-Weg“ gekennzeichnet war. Oben bot sich uns ein toller Blick über die Bucht, und ein Plateau, auf dem man noch weiter wandern konnte, bzw. ging es von dort nochmal weiter nach oben zu einem kleinen Gipfel, der sich als ein weiteres Plateau entpuppte. Die Fliegen und Bremsen waren lästig, und oftmals flüchteten wir vor wespenähnlichen Wesen oder Hummeln. Aber es war sehr ruhig ganz oben – wie immer verirren sich nur wenige Menschen dorthin, wo es etwas Anstrengung bedarf. Wir machten ein paar lustige Fotos und genossen die Aussicht.

 

 Blick über Hammerfest mit der hübschen Kirche

 Carlos genoss die Aussicht vom Froschgipfel, im Hintergrund liegt die AIDA

 

Ein kleiner See oben auf dem Plateau. Sieht aus, als läge Sternenstaub auf dem Wasser

 

Gemütlich traten wir den Rückweg an und besuchten noch das „Eisbären-Zentrum“, in das ein kleines Museum mit ausgestopften heimischen Tieren und Seefahrer Utensilien integriert ist.

 

Zu betonen gilt es noch, dass wir den ganzen Tag im T-Shirt unterwegs waren – und das nördlich vom Polarkreis. Auch das ist wohl nicht die Regel hier. Tja, wenn Engel reisen – hihi! 🙂😎

Nordkap – Am nördlichen „Ende der Welt“

Sonntag, 30.07.2017

Nach Spitzbergen hatten wir quasi einen Seetag, da wir erst abends am Nordkap ankamen. Gegen 20.00 Uhr schipperten wir bei strahlendem Sonnenschein unterhalb des Nordkaps vorbei. Vorne am Bug ging eine Rangelei um die besten Fotoplätze los. Wir waren am Heck im Restaurantbereich und hatten einen ebenso tollen Blick, als das Schiff abdrehte. Man konnte die bekannte Weltkugel mit bloßem Auge erkennen – schon da dankte ich mehrmals für das sehr gute Wetter – bei Nebel hätte man gar nichts gesehen.

 

  Ganz klein ist die bekannte Weltkugel zu erkennen.

 

Gegen 23 Uhr legten wir in Honningsvag an und um 23.15 Uhr war Treffpunkt für unseren Ausflug. Ein Bus sollte uns in 45 Minuten zum Nordkap fahren, dort hätten wir 1,5 Stunden Aufenthalt und danach würde es mit dem Bus wieder 45 Minuten zurückgehen. Für diese Dienstleistung haben wir stolze 85 Euro bezahlt – aber anders wären wir nicht hingekommen.

 

Die Fahrt war landschaftlich sehr interessant: Wir kamen an Seen mit idyllischen Buchten vorbei, sahen die letzten Schneefelder, die sich noch vor der Sonne versteckt hatten, bewunderten die „wilden“ Camper am Straßenrand und immer wieder blitzte orange die Sonne hinter den Bergen hervor.

 

Am Nordkap selbst waren wir dann natürlich nicht alleine. Unzählige Busse, Autos und Camper standen am Parkplatz. Aber wir fanden trotzdem gleich ein freies Plätzchen am Zaun und fotografierten wie die Weltmeister die scheinbar untergehende Sonne hinter der stählernen Weltkugel. Mischi schmunzelte schon, weil ich immer wieder sagen musste, dass wir so unglaubliches Glück mit dem Wetter hatten.

 

 

Trotz einiger Schichten Jacken wurde uns kalt und wir statteten dem Souvenir-Shop einen Besuch ab um Postkarten zu kaufen, die wir vom nördlichsten Postamt des europäischen Festlandes verschicken wollten. Mit klammen Fingern schrieben wir ein paar Karten, dann waren die 1,5 Stunden beinahe um und wir gingen raus auf den Parkplatz.

 

Die Organisation der Scouts für die Rückfahrt ließ leider zu wünschen übrig. Am Beginn der Fahrt hieß es, wir sollten uns unsere Busnummer merken und mit diesem Bus wieder zurückfahren. Die Busse standen bereits da und warteten, doch wir durften nicht einsteigen, sondern sollten aus einer Menge von ca. 300 Menschen Zweierreihen bilden, damit die Abschnitte des Ausflugstickets eingesammelt werden konnten. Aufgrund des Platzmangels war das aber nicht möglich, die AIDA-Leute verstopften eh schon komplett den Eingang zu dem Nordkap-Gebäude. Als dann auch noch die Scouts unterschiedliche Ansagen machten, wurde es langsam unruhig und einige der Gäste äußerten lautstark ihren Unmut. So kam es, dass wir mit 30 Minuten Verspätung erst abfahren konnten und im Endeffekt saßen wir in einem ganz anderen Bus, als auf der Hinfahrt. Es hätte so einfach gehen können…

 

Aufgekratzt von den tollen Eindrücken kamen wir hellwach um 3.00 Uhr wieder am Schiff an und stärkten uns mit einer Gulaschsuppe, die an Deck serviert wurde. Um 3.45 Uhr knipsten wir das Licht in der Kabine aus.

 

Wir hatten zusätzlich zum Wetter Glück, dass wir die erste Fahrt des Ausflugs gebucht hatten, so waren wir am Nordkap, als die Sonne an ihrem tiefsten Punkt stand. Als wir fuhren, war sie schon wieder etwas weiter nach oben gewandert und blendete bereits – die Fotos wären nur halb so schön geworden. ?

Spitzbergen/Longyearbyen – Halt Ausschau und hau drauf!

Samstag, 22.07.2017

Um 8.00 Uhr waren wir in Longyearbyen an der Pier fest. Die Norweger nennen die Insel „Svalbard“ (kühle Küste). Wir sahen rings rum die unteren Teile der Berge, deren Gipfel komplett von Wolken verhüllt waren. Dabei hatten wir so sehr auf gutes Wetter gehofft. Der Kapitän teilte mit, dass es bei der Bewölkung bleiben würde, ein paar Sonnenstrahlen wären aber ebenso möglich, wie ein paar Regentropfen. Vom Frühstücksplatz aus sahen wir bereits Huskies, die eifrig warteten, ihre Wägen endlich wegziehen zu dürfen. Wir hatten für diesen Tag eine Abenteuer-Wanderung mit Husky-Begleitung gebucht. Sechs Grad Celsius waren es nur draußen, deswegen packte ich mich in mehrere Schichten meiner Funktionskleidung und um 9.30 Uhr verließen wir das Schiff.

 

Ein Bus fuhr uns in den kleinen Ort hinein und dann ein Stückchen das ansteigende Tal hinauf in Richtung Gletscher. Vor einem größeren weißen Gebäude wurden wir von unseren Guides empfangen. Es waren vier junge Mädels, die sich der Reihe nach vorstellten. Die „Anführerin“ war „Cat“, eine junge Deutsche, die hier auf Spitzbergen seit 13 Monaten Forschungen für ihre Diplomarbeit betreibt. Sie hat ihr Herz an diese Insel verloren und will nach dem Ende ihres Studiums versuchen, hier einen Platz zum Arbeiten zu finden. Auch die drei anderen Mädels waren Studentinnen, jedoch aus Norwegen, Dänemark und ich glaube Schweden. Zwei Huskies begleiteten uns und zwei der Mädels trugen ein Gewehr in ihrem Rucksack. Wir verließen nämlich die Eisbären-Sicherheitszone der Stadt und „draußen“ war das Mitführen einer Waffe Pflicht. Rund 4000 Eisbären gibt es auf Spitzbergen, Cat hatte in ihren 13 Monaten 15 Mal einen Eisbären gesehen. Einmal hatte sich einer sogar bis in die Stadt „verirrt“. Am Anfang ihres Aufenthaltes musste sie sich verschiedenen Trainings unterziehen. Unter anderem standen da ein Schießtraining, ein „Lawinentraining“ und ein Überlebenstraining auf dem Programm. Vier Monate im Jahr ist es komplett dunkel, vier Monate komplett hell und die restliche Zeit hätten sie ganz normale Tages- und Nachtzeiten. Im Winter ist natürlich alles schneebedeckt und auch Cat hatte sich ein Schneemobil für umgerechnet ca. 100 Euro gekauft. Jetzt sah man die Schneemobile etwas hilflos auf Holzpaletten oder Plastikfolien stehen.

 

Unsere Gruppe von ca. 40 Leuten setzte sich in Bewegung und wir zogen los weiter bergauf Richtung der Moräne unterhalb des Gletschers. Und siehe da, die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, und die Wolken verzogen sich. Der Gletscher lag unter einem blauen Himmel und wir fingen sogar an zu schwitzen beim Laufen.

 

 

 

Rechts und links an den Bergen sieht man noch die alten Zugänge zu den mittlerweile stillgelegten Minen. Auf der Insel wurde in großem Stil Steinkohle abgebaut. Von den Eingängen weg Richtung Meer stehen noch die alten Masten der Seilbahn, die die Steinkohle zu den Schiffen beförderte. Auch heute wird in Mine 7 noch Steinkohle abgebaut, hauptsächlich für den eigenen Gebrauch in der Stadt. Die gesamten Hänge der Berge sind voll mit kleinen, losen Steinplatten. Es sieht so aus, als hätte die jemand absichtlich dort abgeladen. Aber Cat erklärte, dass diese Platten durch die Erosion von den Bergen abgetragen werden und nach unten fallen. Das wäre alles natürlich entstanden. Die kleine Steinstraße, auf der wir nach oben liefen, endete auf einem kleinen Plateau, von dort kletterten wir in ein Flussbett hinab, überquerten den Fluss mit schlammig-braunem Wasser, um dann die Moräne wieder weiter nach oben zu laufen. Erstaunlicherweise war es gar nicht so schwer, auf diesen ganzen losen Steinen voranzukommen. Cat erklärte etwas über die Flora und Fauna der Insel. Zu den Landtieren gehören Rentiere, Polarfüchse, Gänse und verschiedene Vogelarten. Die Eisbären zählen nicht dazu, die gehören zu den Seetieren. Bedingt durch das Klima und auch die viermonatige Dunkelheit wachsen keine großen Pflanzen auf der Insel. Sie haben keine Chance, da sie nach den ca. 70 Tagen um die fünf Grad Celsius wieder vom vielen Schnee platt gemacht werden. Jetzt im Moment wachsen kleine Blümchen (in weiß und lila) und eine Art Moosgeflecht zwischen den Steinen. Die weiße Blume ist die „Svalbardvalmue, die offiziell die „Staatspflanze“ von Spitzbergen ist. Pflücken der Pflanzen ist absolut verboten, sie dienen der Nahrung der Tiere, die sich für den Winter ihren Speck anfressen müssen. Plötzlich rief eine der Guides: „Look, a Reindeer!“ Und tatsächlich, auf der anderen Seite des Flusses stand ein Rentier mit einem riesigen Geweih und graste. Es ließ sich durch uns auch nicht weiter stören.

 

 

Unterhalb der ersten Schneefelder des Gletschers stoppten wir und hatten ca. 30 Minuten Zeit um nach Fossilien zu suchen. Die Guides begutachteten unsere Funde und erklärten etwas dazu. Viele zogen mit kleinen Spitzhacken los, aber ich machte mir irgendwie keine Hoffnungen, da tatsächlich etwas zu finden. So machten Mischi und ich erst noch Fotos von der Gegend und auch mit dem Husky „Ask“, der mit seinen neun Jahren bereits ein pensionierter Schlittenhund ist. Ich hielt dann erst so nach Fossilien Ausschau, da Cat meinte, dass man nicht unbedingt einen Stein aufschlagen müsse, um etwas zu finden. Und tatsächlich fiel mir ein Stein ins Auge, mit kleinen schwarzen Strichen darauf. Cat meinte, das wären versteinerte Holzstückchen, die Vorstufe zur Kohle. Jippie! Ein Mann aus unserer Gruppe kam mit einem größeren Stein zu Cat, den er in zwei Hälften geschlagen hatte. Darin zeichnete sich ganz deutlich ein etwa handtellergroßes Blatt ab. Man sah deutlich die Adern und Umrisse. Toll! Jetzt hatte uns das Fieber auch gepackt, und wir zogen ebenfalls mit Spitzhacken los. Quasi kein Stein war mehr vor uns sicher. Das hat richtig Spaß gemacht und mit hochroten Backen hackten wir uns durch die Gegend. Mischi fand in ihrem aufgehackten Stein ein kleines „Muschel-Fossil“ und war happy. Auf diesem Weg hatte ich nichts gefunden, aber auf dem Rückweg fand ich einen Stein, der ein Fossil von einem kleinen Tannenzweig beherbergte. Wow, hatte ich echt nicht erwartet. Die Fossilien dürfen in unbegrenzten Mengen mitgenommen werden. Wir waren froh, dass wir nur kleine Steine gefunden hatten, der Mann mit seinem großen Blatt hatte allerhand zu schleppen.

 

 Auch Carlos präsentierte stolz seine Fossilien!

 

Als wir wieder ins Tal stiegen, zog es zu und die Sonne war verschwunden. Die Gruppe, die nach uns die gleiche Tour machte, hatte keine freie Sicht mehr auf die Gletscherspitze. Danke norwegischer Wettergott!

 

Der Ort Longyearbyen sieht aus wie ein reiner Forschungsort, die Bauweise der Häuser ist sehr ähnlich. Ca. 2500 Leute leben mittlerweile hier. Wir sind an einer Schule und einem Kindergarten vorbeigefahren, es gibt Hotels, Restaurants und Läden. Auf einem Hügel steht die nördlichste Kirche der Welt, da sind wir aber nicht raufgelaufen. Unser erstes Ziel im Ort war das Einkaufszentrum – Souvenirs und Toilette standen hier auf dem Programm.

 

 

Dann machten wir uns auf ans Ende der Stadt, um das berühmte Verkehrszeichen der Insel zu suchen, das „Achtung-Eisbären-Schild“. Gut dass vor uns noch eine andere Familie gelaufen ist, die, wie sich später zeigte, auch nach dem Schild suchte. Sonst hätten wir uns wahrscheinlich nicht so weit die Straße hinuntergetraut. Denn hinter den Häusern fing sofort die „Wildnis“ an, und es wäre ein Leichtes für einen Eisbären, in die Stadt zu laufen. Cat meinte, dass man in einer Gruppe sicher sei, das wäre eine Nummer zu groß für ihn. Aber als wir dann zu zweit losliefen, war uns doch etwas mulmig. Wir machten das Schild dann aber von Weitem schon aus, da jeder Ausflugsbus dort hielt und die Leute ausstiegen um Fotos zu machen. Ich war sehr mutig, und wagte mich in die Gefahrenzone.

 

 

Auf dem Rückweg zum Schiff machten wir noch Halt beim „Santa Claus“-Briefkasten. Der hat auf Spitzbergen nämlich sein Postamt, wie wir erfuhren.

 

Diesen Tag zähle ich bis jetzt zum Highlight der Reise. Mal sehen, ob es noch getoppt werden kann!

Fahrt von Island nach Spitzbergen – Noch mehr Meer

Donnerstag, 20.07.2017

Beim Auslaufen von Island hatte der Kapitän durchgesagt, dass die Genehmigung erteilt wurde, den weiten Seeweg nach Spitzbergen anzutreten. Dazu mussten genug Vorräte an Bord sein, genug Kraftstoff, das Schiff muss in Ordnung, und alle Menschen an Bord gesund und munter sein. Wir begeben uns auf eine nicht viel befahrene Strecke, und bis Hilfe beim Schiff wäre, würde es einige Zeit dauern – sprich: Wir sind auf hoher See komplett auf uns allein gestellt. Als er das so sagte, war es schon ein etwas mulmiges Gefühl.

 

Den ersten der beiden Seetage verbrachten wir lesend bzw. schreibend. Im Vergleich zu den Routen in den wärmeren Gebieten, ist es an den Seetagen immer schwierig, ein Plätzchen zu finden, da die Leute ja nicht an Deck sind. So viele öffentliche Bereiche bleiben dann gar nicht, wenn die Restaurants geschlossen haben. Aber bis jetzt wurden wir immer fündig, gestern sogar in Gesellschaft einer sehr netten, lustigen, interessanten, älteren Dame mit der wir ein tolles Gespräch führten.

 

Wir lagen abends schon umgezogen im Bett, als wir den TV anmachten, um die Bug-Webcam zu sehen. Mitternachtssonne! Schnell war klar, wir mussten nochmal raus, um Fotos zu machen, wer weiß schon, ob das Wetter nochmal mitspielen wird. Also schnell Jeans und dicke Jacke über den Schlafanzug, bunte Socken in die Ballerinas und raus auf Deck 5 auf die Backbordseite. Wüsste man die Uhrzeit nicht, würde man es nicht glauben!

 

 Man beachte die eingeblendete Uhrzeit!

 

Auch am zweiten Seetag ließen wir es uns gut gehen. Ich hörte mir die "Nautische Plauderstunde" von den beiden Offizieren an, die alles rund ums Schiff und die Brücke erklärten. Sehr interessant. Mischi besuchte einen Workshop, die an den Seetagen vermehrt angeboten werden.

 

Jetzt sind wir sehr gespannt auf Spitzbergen und hoffen auf gutes Wetter und vielleicht sogar ein paar Sonnenstrahlen! Ich melde mich Übermorgen wieder!

 

Ahoi!

Akureyri – Es stinkt nach faulen Eiern

Donnerstag, 20.07.2017

An diesem Morgen standen wir bereits um 6.00 Uhr oben auf Deck 14 um das Einlaufen in Akureyri zu beobachten. Vor uns fuhr das Kreuzfahrtschiff „Sea Princess“, das etwas größer als die AIDA zu sein schien. Wir legten mehr oder weniger gleichzeitig an, da Akureyri aber nur eine Hafencrew hat, waren wir erst später am Pier fest, als das andere Schiff.

 

Um 7.45 Uhr war Treffpunkt für unseren Ausflug ins isländische Inland und wir wurden auf vier oder fünf große Busse verteilt. Unser Guide stellte sich als Ingo vor, sprach fließend Deutsch, mit einem sehr trolligen Akzent, was den Satzbau betraf, und brachte von Anfang an mit seinem erstklassigen Humor den ganzen Bus zum Lachen.

 

Als erstes erklärte er, warum die Nachnamen der isländischen Männer immer mit „son“ und die der Frauen immer mit „dottir“ enden. Vielleicht ist das ja schon mal jemandem aufgefallen, der z. B. ein Spiel einer isländischen Nationalmannschaft gesehen hat. Und zwar wird der Nachname des Sohnes aus dem Vornamen des Vaters mit dem Anhang „son“ (Sohn) gebildet. Wenn also Ingo der Sohn von Erik ist, dann heißt Ingo mit vollem Namen „Ingo Eriksson“ – er ist „Eriks Sohn“. Hätte Erik eine Tochter, würde diese z. B. „Maria Eriksdottir“ heißen – sie ist „Eriks Tochter“. In einer Familie gibt es also mehrere Nachnamen, wobei meistens der Name des Vaters verwendet wird. Mein isländischer Name wäre also „Beate Antonsdottir“. Bestimmt probiert gerade jeder seinen isländischen Namen aus, hihi…! 😉

 

Als nächstes räumte Ingo mit dem Gerücht auf, dass Island eine „Elfen-Ministerin“ hätte. Das wäre Nonsense, und wer einen Reiseführer zu Hause hätte, der das behauptet, den sollte man wegwerfen oder umtauschen, da darin vielleicht noch mehr unrichtige Sachen geschrieben wären. Er meinte, dass in der Regierung zwar durchaus einige Trolle säßen, aber eben keine Elfen-Ministerin. Auch für diese Aussage erntete er viele Lacher. Ingo äußerte sich sehr kritisch über die isländische Regierung, bzw. die bürokratischen Prozesse. Für ein Land mit nur ca. 330.000 Einwohnern dürften zu viele Leute mitreden und bis Entscheidungen getroffen werden, dauere es ziemlich lange und teilweise wären diese dann von der Bevölkerung nicht nachvollziehbar.

 

Er erzählte, dass sich der Tourismus in Island in den letzten Jahren nahezu verdreifacht hat, und dass das Land anfangs Schwierigkeiten hatte, den Ansturm zu bewältigen. Im letzten Jahr wären es rund 500.000 Touristen gewesen. Im Vergleich zur Einwohnerzahl ist die Menge wirklich enorm.

 

Den ersten Stopp machten wir bei den brodelnden Schlammpfuhlen, das sogenannte Myvatn. Ingo warnte uns im Bus noch, dass die Absperrungen durchaus ihren Sinn hätten. Man würde sich üble Verbrennungen zuziehen, aber man müsse keine Angst haben, man würde nicht gleich sterben – erst so in drei Tagen! Lachend verließen wir den Bus.

 

Wow, war das faszinierend. Landschaftlich wirkte es wie eine Mondlandschaft und überall kam Dampf und Rauch aus dem Boden, der zum Teil vom Schwefel gelb gefärbt war. Wirklich schlimm war der Geruch nach faulen Eiern. Mischi und ich liefen um das ganze abgesperrte Gebiet herum, mal mehr mal weniger atmend, und bestaunten die brodelnden und qualmenden Schlammlöcher.

 

 

Das nächste Mal hielten wir beim sogenannten „Lava-Labyrinth“. Hier wurden beim letzten Ausbruch vor ca. 2000 Jahren die Lavamassen zu skurrilen Gebilden aufgetürmt. Auf befestigten Wegen kann man durchlaufen und sich da wohl einen ganzen Tag lang aufhalten, so groß ist das Areal. Ingo machte uns richtig Angst, dass wir zusammenbleiben müssten, da er einmal von einer Reisegruppe eine Frau verloren hatte, nach der er sieben (!) Stunden lang suchen musste, so sehr hatte sie sich verlaufen. Leider hetzten wir nur eine kleine Runde durch das Labyrinth und trauten uns kaum stehen zu bleiben, um Fotos zu machen. Sehr schade, wir hätten gerne mehr Zeit dort verbracht. Trotzdem beeindruckend.

 

 Diese Formation wird "Die Liebenden" genannt.

 

Anschließend fuhren wir weiter am „Mückensee“ entlang (apropos Mücken – im Labyrinth waren diese wirklich außerordentlich lästig), um einen Fotostopp bei den sogenannten Pseudokratern zu machen. Was ist ein Pseudokrater? Zuerst einmal sieht es aus, wie ein Berg (Hügel) mit einer Krateröffnung und man denkt, dass daraus tatsächlich Lava gekommen ist. Aber da es nur ein Pseudokrater ist, war das nicht der Fall. Vielmehr ist die fließende Lava aus dem ca. 15 km entfernten Krater mit Wasser in Verbindung gekommen und es bildete sich eine Art Lava-Blase, die jedoch wieder in sich zusammengefallen ist. Da die Lava zäh ist, ist der Rand erkaltet und stehen geblieben.

 

 Hier kann man einige der Pseudokrater erkennen.

 

In einem nahegelegenen Hotel bekamen wir ein leckeres Mittagessen. Tomatensuppe, und Lachs mit marinierten Kartoffeln und Salat. Ein Kaffee rundete das Ganze ab.

 

Die letzte Station war der Wasserfall „Godafoss“ – Wasserfall der Götter. Die Gischt nebelte uns richtig ein, aber es war beeindruckend, wie die Wassermassen in die Tiefe stürzten und einen beinahe ohrenbetäubenden Lärm von sich gaben. Wir nutzten es bis zur letzten Minute aus um Fotos zu machen und den Anblick zu genießen, bevor wir nass und glücklich wieder zum Bus zurückkehrten.

 

 

Unser Busfahrer brachte uns wieder sicher zurück zum Schiff.

 

Nachdem wir uns mit Tee und Kuchen gestärkt hatten, ging es wieder rauf auf Deck 14, um die Ausfahrt aus dem Fjord zu beobachten. In diesem Fjord fand auch das „Whale Watching“ statt und der Ort ist als ein Hot-Spot für die Walbeobachter bekannt. Wir waren nicht die Einzigen, die auf einen Buckelwal hofften. Tatsächlich habe ich auch zwei Wale gesehen, aber leider nur jeweils kurz den Buckel. Naja, immerhin!

 

Um 22.00 Uhr wagten wir uns nochmal an Deck in die Kälte, denn es stand die Überquerung des Nördlichen Polarkreises an. Ziemlich genau um 22.16 Uhr sprangen wir buchstäblich über diesen Längengrad und dürfen uns von nun an „Polar-Seefahrer“ nennen.

 

Es war ein toller, ereignisreicher Tag – Island ist auf alle Fälle nochmal eine Reise wert!

 

Ein fröhliches Ahoi in die Heimat!

 

P.S. Eine Nachricht an meinen kleinen Vulkanfreund: Ich habe schon ein Mitbringsel für dich im Koffer!

Isafjördur – Unverhoffte Ausflugsmöglichkeit

Donnerstag, 20.07.2017

Noch vor dem Frühstück kletterten wir dick eingepackt gegen 7.00 Uhr auf Deck 14 um die Einfahrt in Isafjördur zu beobachten. Die Sonne schien schon, aber es wehte ein frischer Wind. Die kleine Stadt war bereits in Sicht, lag aber noch still im Schatten der Berge, von denen einige schneebedeckt sind. Wir entdeckten „Papageientaucher“ vor dem Schiff im Wasser und versuchten, sie auf unseren Digicams zu verewigen. Das war gar nicht so einfach, da sie blitzschnell abtauchten.

 

 

Für diesen Tag hatten wir keinen Ausflug gebucht und der Plan war, in die Stadt reinzulaufen um eventuell dort noch eine „Wal-Fahrt“ zu bekommen. Sollte das nicht klappen, wollten wir uns zu Fuß ins Hinterland aufmachen. Irgendwo würde bestimmt ein Wanderweg zu finden sein. Doch bereits zwanzig Meter nach dem Hafentor stand ein älterer Herr vor seinem Mercedes-Bus und hielt ein Schild hoch: 2,5 Stunden Tour – 60 Euro. Im Vergleich zu den AIDA-Ausflügen richtig günstig, und das mit einer kleinen Gruppe. Wir informierten uns über die Route und spontan wie wir sind, saßen wir im Bus. Eine Weile mussten wir noch warten, bis sich genug Leute gefunden hatten, aber am Ende waren wir zu Achtzehnt und es ging los. Unser Fahrer stellte sich als „Staney“ vor und erzählte in gut verständlichem Englisch etwas über die Tour und Land und Leute. Durch einen 19 km langen Tunnel fuhren wir zum nächsten Fjord und dann vom Meer weg ins Landesinnere. Island beeindruckte mich sofort: teils schneebedeckte Berge, Täler, Vulkankrater, Flüsse, Seen, sattes Grün, schroffer Fels, saubere Luft – und (fast) keine Häuser. Nach zwei Fotostopps überquerten wir einen Berg und Staney erzählte, dass sie hier im vorletzten Winter auf beiden Seiten der Straße 16 (!) Meter hohe Schneewälle hatten. Unvorstellbar!

 

 

Wir besuchten einen kleinen „Botanischen Garten“ und fuhren dann in den beschaulichen Fischerort namens „Flaterey“. Dort gab es die Möglichkeit ein kleines Museum zu besuchen, und wahrscheinlich den einzigen Buchladen der Welt, in dem man die Bücher nach Kilo-Preisen bezahlte. Einige unserer Mitfahrer gönnten sich einen Kaffee in der Bäckerei, Mischi und ich schauten uns lieber draußen um. Was für ein verschlafenes Nest. Aber sehr idyllisch gelegen und zum Erholen und Abschalten wahrscheinlich eine sehr gute Wahl. Am Ufer standen kleine Häuschen, die an Urlauber vermietet werden. Obwohl es zwischendurch immer wieder regnete, ließen wir uns die Laune nicht verderben.

 

Carlos testete sein neues Regencape!  

 

Zum Schluss machten wir noch Halt an einem kleinen Wasserfall und kehrten dann zum Schiff zurück.

 

Anschließend schlenderten wir zu zweit noch durch den Ort Isafjördur, aber viel gab es nicht zu sehen. Mir gefallen jedoch die wohl typischen Häuser, deren Wände mit buntem Wellblech verkleidet sind.

 

Das Auslaufen verfolgten wir dieses Mal von der Kabine aus im TV über die Webcam des Schiffes.

 

Jetzt waren wir sehr gespannt auf unseren nächsten und letzten Halt in Island: Akureyri. Für dort hatten wir ja den Ausflug gebucht, der uns noch weiter ins Inland bringen sollte.

 

Bis zum nächsten Eintrag: Ahoi!

Reykjavik – Das WAL wohl nichts

Mittwoch, 19.07.2017

Die hohen Wellen wurden uns ja bereits vom Kapitän angekündigt, am späten Nachmittag hingen dann auch die „Kotztüten-Spender“ in den Treppenhäusern aus. Und man merkte auch, dass die Schiffsbewegungen immer heftiger wurden. Der Event-Manager bat in einer Durchsage, die Tüten auch zu benutzen, scheinbar war mehrmals im öffentlichen Bereich schon etwas „danebengegangen“. Beim Abendessen war tatsächlich nicht ganz so viel los wie sonst, und wir balancierten unsere Teller mit ein paar schiffsbedingten Ausfallschritten vom Buffet zum Tisch. Nach dem Essen wollten wir noch nach vorne ins Schiff um dort aus den Fenstern in Fahrtrichtung hinauszuschauen. Kurz vor der Schwingtür fiel der Bug nach einer höheren Welle nach unten und wir erlebten einen kurzen Moment der Schwerelosigkeit. Man meinte, während dem Laufen nicht direkt auf seinen Füßen zu stehen, der Boden wurde unter uns weggezogen. Ein irres Gefühl! Umso härter war es, als der Bug auf dem Wasser wieder aufschlug, mit der nächsten Welle nach oben getragen wurde und wir quasi wieder bergauf laufen mussten. Wir ergatterten einen Sessel und schauten der wogenden See zu, die sich immer wieder zu großen Wassermassen vor uns auftürmte. Zum Teil kreischten die Leute, wenn wir nach einer besonders großen Welle wieder ins Nichts fielen und der Bug mit einem dumpfen Knall wieder auf dem Wasser aufschlug. Mischi und ich fanden es toll – jetzt wussten wir, dass wir seefest sind. Das Einzige, das etwas unheimlich war, waren die Geräusche. Einmal das Aufschlagen auf dem Wasser, andererseits das Geknarze und Ächzen des Schiffes, gerade in der Kabine. Wir wachten deshalb nachts immer wieder auf. Erst gegen Morgen beruhigte sich die See und wir konnten sicher in Reykjavik anlegen. Ich hatte mir ja vor der Reise etwas Seegang gewünscht: Check!

 

Für diesen Tag hatten wir ein „Whale Watching“ gebucht, Treffpunkt für unseren Ausflug war jedoch erst mittags. Also gingen wir vorher noch raus und vertraten uns etwas die Beine. Island empfing uns windig, aber mit einem Sonne-Wolken-Mix. Prima!

 

Mit einem Bus wurden wir mittags vom Liegeplatz zum Yachthafen gefahren und enterten das Whale-Watching-Boot. Wir erklommen das oberste zweite Deck und ergatterten einen Sitzplatz vorne am Bug. Dick eingepackt in sämtliche Jacken, die wir dabeihaben, zusätzlich einer Regenhose als Windschutz fuhren wir los und durften wieder unsere Seefestigkeit erproben. Yeah! Gegen den Wind wurde unser Boot von den Wellen hoch- und runtergeworfen, ohne Festhalten wären wir wahrscheinlich von einem Ende zum anderen gerutscht. Fest den Horizont im Blick spielten unsere Mägen auch diesmal wieder mit! Unser deutscher Guide, eine Meeresbiologin, die seit vier Monaten in Island arbeitet, erzählte, dass sie bei der Tour drei Stunden zuvor Buckelwale gesehen hätten. Die Vorfreude war groß. Nach ca. dreißig Minuten Fahrt stoppte das Boot und drehte bei. Wir sprangen auf, da wir dachten, dass wir bei den Walen angekommen waren. Aber dann kam die ernüchternde Wahrheit: Der Kapitän hatte entschieden, die Tour abzubrechen, da es einigen Leuten aufgrund des Wellenganges schlecht ging (Übelkeit, Rücken) und er die weitere Verantwortung nicht tragen konnte. Schade, aber das nennt man wohl höhere Gewalt. So tuckerten wir mit dem Wind und deshalb beinahe wellenlos zum Hafen zurück. Das Geld für die Tour bekamen wir erstattet und wir hätten die Möglichkeit gehabt, zwei Häfen weiter noch mal an einer Walfahrt vom gleichen Veranstalter teilzunehmen. Da wir aber bereits einen Ausflug ins Inland gebucht hatten, entschieden wir uns gegen die Wale.

 

Vom Hafen liefen wir in die Innenstadt Reykjaviks um ein bisschen isländisches Flair zu schnuppern und die bekannte Kirche zu suchen. Da sie ausgeschildert war, haben wir sie schnell gefunden. Sie ist von außen und von innen beeindruckend, da sie so ganz anders ist, als unsere deutschen Kirchen. Von außen eher mystisch wirkend, von innen ganz einfach und schlicht in weiß gehalten, ohne bunte Fenster. Und das macht sie irgendwie wieder reich!

 

 

Zuerst hatten wir geplant, mit dem Taxi zurück zur AIDA zu fahren, dann entschieden wir uns aber bei dem schönen Wetter am Meer entlang zurückzulaufen. Und das war fast noch das Schönste vom ganzen Tag. Ein schöner breiter Gehweg erst an der Straße, später ein Wanderweg direkt an den Klippen entlang führten uns zurück zum Schiff.

 

 

So fand der Tag doch noch ein versöhnliches Ende.

 

Von den anderen beiden Stationen auf Island werde ich morgen berichten.

 

Ahoi aus dem Polarmeer!

Orkneyinseln - Mystische Eindrücke

Samstag, 15.07.2017

Nach einer Nacht, in der wir es abermals gurgeln und rauschen hörten, beeilten wir uns mit dem Frühstück, damit wir vor unserer „Panorama-Rundfahrt“ noch in das Städtchen Kirkwall laufen konnten.

 

Der Identitätscheck, der für Großbritannien gemacht werden muss, ging sehr schnell vonstatten und der Shuttle vom Hafen in die Stadt fuhr auch gleich los. Zwischen einigen Wolken spitzte etwas die Sonne hindurch – es passte also alles. Die größte Stadt der Orkneyinseln hat etwa 9000 Einwohner und ist ein süßes, beschauliches, graues Städtchen. Warum grau? Sämtliche Häuser sind in grau gehalten, mit einem besonderen Putz, der an Kieselsteine erinnert. Aber durch dieses Einheitliche wirkt es nicht trostlos, was man sonst von grau erwarten würde.

 

Als erstes empfing uns die Hauptkirche des Ortes, die Kathedrale St. Magnus. Ein Friedhof mit alten Grabsteinen umgibt sie. Sofort taucht man in das etwas mystische Schottland ab und ich habe immer sofort Bilder vor Augen, wie die Leute wohl früher hier gelebt haben. Das Innere der Kathedrale beeindruckte mich noch mehr. In so einer Kirche war ich noch nie. Es erinnerte eher an eine Burg, mit wirklich dicken Säulen, zwischen denen verschiedene Banner aufgehängt waren. Tolle Atmosphäre!

 

 

Danach schlenderten wir durch die beschauliche Fußgängerzone zum Hafen, über dem leider ein nicht so guter Geruch von faulem Fisch lag. Über Umwege schlenderte wir zurück zur Kathedrale und entdeckten ein Heimatmuseum, das uns hinein lockte. Es hatte einen schön angelegten Garten mit vielen Blumen, kleinen Häuschen und einem bepflanzten Hügel mit einer Steinbank, auf der wir ein paar Fotos machten.

 

Sam und Carlos Sam und Carlos

 

Im Museum bestaunten wir noch altes Werkzeug, Waffen und Kleidung der Schotten, bevor wir mit dem Shuttle wieder zurück zum Schiff fuhren.

 

Um 12.40 Uhr war Treffpunkt für unsere Panoramafahrt über einen Teil der Insel. Mit zwei großen Bussen fuhren wir los. Die Insel ist mittlerweile fast „baumfrei“, weil die früheren Einwohner die Bäume für ihre Häuser und Schiffe brauchten. Auch die Wikinger besiedelten die Insel und hinterließen ihre Hügelgräber. Wir fuhren einem großen Steinkreis vorbei, um anschließend bei einem sehr kleinen Steinkreis zu halten. Schade, der größere wäre imposanter gewesen.

 

 Für kurze Zeit war ich "Jamie" ganz nah! 😉

 

Nach dem kurzen Fotostopp fuhren wir weiter zur Bucht „Scapa Flow“, dem zweitgrößten Naturhafen der Welt. Die Bucht hatte in beiden Weltkriegen eine strategische Bedeutung, die Deutschen „versteckten“ hier zum Teil ihre Kriegsschiffe. Italienische Gefangene wurden auf die Insel geholt, um die Zuflüsse zur Bucht mit Steinwällen zu verbarrikadieren. Die Italiener bauten sich eine Kapelle, die zum Teil auch als Schulhaus genutzt wurde. Diese „Italienische Kapelle“ besichtigten wir zum Schluss. Danach ging es zurück zum Schiff. Der Ausflug war okay, die Wanderung an den Klippen entlang wäre aber bestimmt toller gewesen.

 

Nach dem Ablegen saßen wir noch eine ganze Weile am Heck und sonnten uns. Dort kamen wir auch an meinem Zweiwohnsitz dabei: My home is a castle!

 

 

Nach einem leckeren Abendessen im „Weite Welt Restaurant“ gönnten wir uns noch einen Cocktail in der „AIDA Bar“. Motto des Abends: „Alpenglühn“. Bei bayerischer Musik und anderem deutsch-österreichischem Schlager wurde Bier getrunken, geschunkelt und genagelt. Die Gastgeberin der AIDA sorgte für Gelächter, als sie am Mikrofon die Leute zum Mitmachen aufforderte: „Wer schon immer mal mit mir und meiner Kollegin nageln wollte…!“ Auch heute Vormittag ging es mit dem bayerischen Thema weiter, das unsere „Nagel-Königin“ mit dem „Bayerischen Frühschuppen“ ankündigte. Erst beim zweiten Mal wurde der Frühschoppen daraus. Sehr lustig! 😀

 

In der Nacht hatten wir schon gut Seegang, dieser soll heute Abend noch stärker werden – bis zu 5 Meter hohe Wellen. Wir sind gespannt. Dazu die beruhigenden Worte des Kapitäns heute Morgen: „Wir sind fernab jeglicher Zivilisation, aber keine Sorge, das Schiff schafft das!“ Na dann…

 

Die nächsten drei Tage sind wir in Island und hoffen auf gutes Wetter. Wir sind schon sehr gespannt auf diese Insel.

 

Ein fröhliches Ahoi von fernab der Zivilisation, irgendwo zwischen Schottland und Island!